Konflikt bei aktion./.arbeitsunrecht: Stellungnahmen von Elmar Wigand und Werner Rügemer

Elmar Wigand & Dr. Werner Rügemer
v.l.n.r. Elmar Wigand & Dr. Werner Rügemer

Wir vom Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg und „GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher/Union Busting“ erfuhren am 30.1.21, daß Werner Rügemer, bisher Vorsitzender von aktion./.arbeitsunrecht in Köln, aus dem Vorstand zurückgetreten ist:

Werner Rügemer tritt zurück.

30. Januar 2021

Der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende des Vereins Aktion gegen Arbeitsunrecht e.V., Dr. Werner Rügemer, tritt aus dem Vorstand zurück. Er kam damit einer Abwahl als Vorstandsvorsitzender zuvor.

Wir hätten uns gewünscht, ihn wie geplant in allen Ehren nach 6 Jahren erfolgreicher Arbeit verabschieden zu können.

Wir wünschen Werner Rügemer für die Zukunft alles Gute, einen sicheren Kurs und Tiefenschärfe bei Recherche, Analyse und Kritik.

gez.

Der Vorstand und das Kölner Büro-Team“

Dieser Vorgang hat uns sehr erstaunt und überrascht, kannten wir Werner Rügemer doch als maßgeblichen Mitbegründer und Aktivisten des Vereins.

Diese Mitteilung machte in linken bzw. Gewerkschaftskreisen schnell die Runde.

Danach erreichten uns mehrere mails mit Infos zu dem Ausscheiden von Werner und Nachfragen, ob wir wüßten, was die Gründe dafür seien.

Diese Nachfragen waren nicht unbegründet, da Werner im Januar 2021 noch bei einem Jour Fixe gewesen war und vielen daher bekannt. Und wir hatten seit 2014, den Anfängen von aktion./.arbeitsunrecht, beiderseitige enge Kontakte zum Verein:

Wir sind mit mehreren Personen mehrfach in Köln bei Konferenzen gewesen.
Elmar Wigand und Jessica Reisner waren bei Veranstaltungen von „GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher/Union Busting“ in Hamburg.
Wir als „GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher/Union Busting“ bzw. Jour Fixe Gewerkschaftslinke haben mehrere Aktionen „freitag, den 13.“ für aktion./.arbeitsunrecht in Hamburg organisiert oder haben daran teilgenommen.

Wir wollen mit der Veröffentlichung der beiden Stellungnahmen zu etwas mehr Transparenz in dem Konfliktfall beitragen und über die Ebene von Telefonaten und emails; Mutmaßungen und Gerüchten hinauskommen.

STELLUNGNAHME VON ELMAR WIGAND ZUM AUSSCHEIDEN VON WERNER RÜGEMER

Der Abschied von Werner Rügemer aus dem Vorstand der aktion ./. arbeitsunrecht war lange geplant. Er hatte ihn bereits auf der Mitgliederversammlung am 28. März 2020 angekündigt. Dass er gegenüber seinem persönlichen und politischen Umfeld nun eine Opfer-Erzählung verbreitet —  er sei heraus gedrängt worden —  ist rätselhaft. Was soll das?

Ich persönlich bin erleichtert und froh, dass wir uns nach langen sehr produktiven Jahren nun endlich auch offiziell getrennt haben. Dass die Trennung nicht im Einvernehmen und gegenseitigem Respekt möglich war, ist schade.

Als Vorsitzender war Werner Rügemer aus verschiedenen Gründen zuletzt nicht mehr tragbar. Die Qualität seiner Arbeit schwankte bedrohlich; sein Verhalten als personalverantwortlicher Arbeitgeber gegenüber dem Büro-Team wäre auf einen massiven Arbeitskonflikt heraus gelaufen. Seine Ansichten und Schlussfolgerungen wurden zunehmend unberechenbar.

Als Vorsitzender des Beirats zur Studie „Prekäre Piloten?“ hat Werner Rügemer sich m.E. durch folgenden Beitrag disqualifiziert. Darin fordert er nicht weniger als die gezielte Pleite und Abwicklung der Lufthansa:

„Die Trump-Regierung hilft den großen vier US-Fluggesellschaften mit 50 Milliarden Dollar. Ebenso setzen die heftigsten „Globalisierer“ auch in Europa, die bundesdeutsche, die französische und die niederländische Regierung und die Europäische Kommission selbst, auf nationale und europäische Champions.[9]

Das ist verantwortungsloser Schwachsinn. Die Zeiten sind vorbei. Als der zweitgrößte Flugkonzern Deutschlands, Air Berlin, kürzlich insolvent war und kurzfristig auch mit Staats-Trara gestützt wurde und dann doch schnell verschwand: Hat es jemand gemerkt? Erinnert sich jemand? Die Lücke war schnell geschlossen.

Auch wenn die alten, teuren, nationalen, abstürzenden Champions nicht gerettet werden, würden alle noch gewünschten Flüge in kurzer Zeit wieder möglich werden. Es besteht ein Überangebot. Und wo doch jetzt sowieso weniger Leute fliegen, aus vielen Gründen: Weil viele Menschen jetzt und in Zukunft sowieso noch weniger verdienen, weil Umweltbewusstsein doch jetzt greift, weil Konzerne ihren Managern jetzt Video-Konferenzen verordnen, auch um die luxuriösen und schwachsinnigen Inlandsflüge von Lufthansa, KLM & Co einzusparen.

Aber nein: Auch die EU fördert die asozialen Privilegien der allerreichsten Kapitalisten, nicht mehr nur der einheimischen, sondern auch derer aus dem am heftigsten abstürzenden, asozialsten Kapitalstandort.“

Quelle: Werner Rügemer: Staatliche Rettung der Lufthansa – eine Schmierenkomödie, mehrfach, Nachdenkseiten, 29.6.2020, https://www.nachdenkseiten.de/?p=62433

Abgesehen von den politisch-wirtschaftlichen Implikationen, die eine Lufthansa-Pleite für den liberalisierten EU-Luftverkehr sowie die Gewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter_innen bedeuten würde  — völliger Durchmarsch der Billigflieger und aggressiver Finanzinvestoren, Erdrutsch bei Tarifverträgen, Auslagerungen und Arbeitsstandards –, ist das Zitat stilistisch unter unserem Niveau („asozialsten“, „Staats-Trara“, „Schwachsinn“). Die Passage zur Air Berlin-Pleite zeugt von Unkenntnis.

Letztlich ist es gut und notwendig, dass sich der Verein von Werner Rügemer emanzipiert. Die Aktion gegen Arbeitsunrecht war nie eine Werner Rügemer-One-Man-Show. Und das Kölner Büro-Team war keine PR-Agentur für seine Bücher und Vortragsreisen — zumal viele die Hoffnung auf einen „kommunistischen Kapitalismus“ (Zitat Rügemer) nach chinesischer Art nicht teilten, die sein Denken zunehmend beherrschte.

Schwamm drüber. Blicken wir wieder nach vorn: Für Demokratie in Wirtschaft & Betrieb!

Elmar Wigand

Hinweis zur Person:

Elmar Wigand arbeitet als Pressesprecher und Redakteur für den Verein aktion ./.arrbeitsunrecht e.V. Die Stellungnahme ist ein persönliches Statement.

Elmar Wigand erforscht im Projekt „Prekäre Piloten?“ Arbeitsbedingungen und -konflikte im Cockpit. Elmar Wigand hat mit Werner Rügemer die Studie „Union Busting in Deutschland“, Otto Brenner Stiftung Arbeitsheft 77, Mai 2014 und das Buch „Die Fertigmacher“, papyrossa-Verlag Köln, 2014 veröffentlicht. Mit Jessica Reisner haben Elmar Wigand und Werner Rügemer 2014 die Aktion gegen Arbeitsunrecht gegründet.

HIER DIE STELLUNGNAHME VON WERNER RÜGEMER:

Werner Rügemer: Austritt aus dem Verein „aktion gegen arbeitsunrecht“

Am 2. Februar 2021 bin ich als Vorsitzender des Vereins aktion gegen arbeitsunrecht aus dem Vorstand und auch aus dem Verein ausgetreten. Mit Elmar Wigand hatte ich 2009 die Konferenz „ArbeitsUnrecht in Deutschland – Anklagen und Alternativen“ organisiert; die Ergebnisse wurden im gleichnamigen Buch veröffentlicht (Münster 2009). 2014 erstellten wir für die Otto Brenner-Stiftung der IG Metall die Studie „Union Busting in Deutschland. Die Bekämpfung von Betriebsräten und Gewerkschaften als professionelle Dienstleistung“. Der vollständige Text erschien als Buch „Die Fertigmacher“ (Köln 3. aktualisierte Auflage 2017).

Danach gründeten wir den die aktion gegen arbeitsunrecht. Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden konnten wir in Köln ein kleines Büro anmieten und zwei feste Stellen einrichten. In Gewerkschaften und Medien wird der Begriff Union Busting seitdem wie selbstverständlich verwendet. Unsere bundesweite Anprangerung von betriebsratsfeindlichen Unternehmenn wie Toys R Us, H&M, Lieferando, Metro, Tönnies machten gegen den mainstream auf ein systemisches rechtliches Vollzugsdefizit aufmerksam. Wir hatten einige rechtliche Erfolge: So musste z.B. der SPD-Vorstand mit Martin Schulz eine Strafanzeige gegen uns zurückziehen, ebenso der Tönnies-Konzern. Der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA, finanziert von Deutsche Post DHL), Professor Klaus Zimmermann, verlor seine Klage gegen mich vor dem Oberlandesgericht Hamburg. Mithilfe von Spenden für solche Verfahren richteten wir den Solidaritätsfonds „Meinungsfreiheit im Betrieb ein“.

Plötzlich in der Pandemie: Corona-Leugner! Antisemit! Verschwörungsmystiker!

Im Jahr der staatlichen und unternehmerischen Pandemie-Maßnahmen änderten sich die internen Verhältnisse des Vereins.

Wigand als Presseprecher zensierte Artikel von mir, sodass ich sie an anderer Stelle veröffentlichen musste: Es begann mit Staatliche Rettung der Lufthansa – eine Schmierenkomödie, mehrfach. Ich wurde von Wigand zunächst als „Corona-Leugner“ beschimpft, der gewollt oder ungewollt mit Rechtsradikalen im Bunde stehe. Dann wurde ich von Wigand noch als langjähriger Antisemit, als 9/11- Leugner, als Mitglied der „Covidioten-Bewegung“ und als KenFM-Fan angeprangert, ebenso der Nähe zu „Verschwörungsmystikern“. Zu dem hasserfüllten Gebräu kam schließlich noch der Vorwurf, mit Hinweis auf das China-Kapitel im Buch Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts, dass ich einen „kommunistischen Kapitalismus“ propagiere.

In den letzten Monaten hatte ich einige Aktionsvorschläge gemacht, z.B. eine Traueradresse für den plötzlich verstorbenen verdi-Betriebsratsaktivisten im Amazon-Logistikzentrum Bad Hersfeld Christian Krähling. Ich schlug auch die Beteiligung des Vereins als Mitveranstalter einer Demonstration für den gekündigten Betriebsrat der Kölner Filiale des Autozulieferers Magna vor: Vorstand und Büroteam lehnten ab. Das Büroteam verkündete mir danach das Verbot, bis zu meiner „Demission“ in der Mitgliederversammlung am 13.2.2021 weiter solche Vorschläge zu machen. Da die übrigen Mitglieder des Vorstands diese und weitere beleidigende und (vereins)rechtswidrigen Aktivitäten des Büroteams nicht zurückwiesen, bin ich vor der Mitgliederversammlung ausgetreten.

Wer meine Positionen zum ArbeitsUnrecht und zu den Pandemie-Maßnahmen
prüfen möchte, hier einige Veröffentlichungen aus 2019 und 2020:

Imperium EU: ArbeitsUnrecht, Krise, neue Gegenwehr. 320 Seiten, Papyrossa Verlag 2020 (mit Berichten aus 12 Staaten und Vorwort zu den Corona-Maßnahmen in Deutschland und in der EU

https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/imperium-eu-arbeitsunrecht-krise-neue-gegenwehr/

Das System Tönnies muss gestoppt werden!

Arbeitsunrecht.de vom 12.9.2019

https://arbeitsunrecht.de/das-system-toennies-muss-gestoppt-werden/

Staatliche Rettung der Lufthansa – eine Schmierenkomödie, mehrfach

https://www.nachdenkseiten.de/?p=62433

Keine Werkvertrags- und Leiharbeit mehr in der Fleischindustrie? Linkes Forum Paderborn

https://www.linkesforum-paderborn.de/artikel-von-dr-werner-ruegemer-5-8-2020

Infektionsschutz-Gesetz: Warum fehlen die Unternehmen? Warum gilt für sie nur die untergesetzliche, kontroll- und sanktionslose „SARS-Covid-19-Arbeitsschutz-Regel“ vom 20.8.2020? 25.11.2020

https://www.nachdenkseiten.de/?p=67305

Corona-Leugner unter sich: Ohne Maske feiern mit Elon Musk (Gesundheitsminister Spahn als Lobredner auf Preisträger Musk). Nachdenkseiten vom 7.12.20

https://www.nachdenkseiten.de/?p=67747

Werner Rügemer, Köln, 19.2.2021 www.werner-ruegemer.de

Foto: Elmar Wigand (https://arbeitsunrecht.de/), Dr. Werner Rügemer (privat)

 

6 Replies to “Konflikt bei aktion./.arbeitsunrecht: Stellungnahmen von Elmar Wigand und Werner Rügemer”

  1. Nachträglich behauptet nun Elmar Wigand, ich hätte in dem Artikel „Staatliche Rettung der Lufthansa – eine Schmierenkomödie, mehrfach“ (den er zur Veröffentlichung auf der website von aktion gegen arbeitsunrecht abgelehnt hatte und der dann in http://www.nachdenkseiten.de erschien), ich hätte für eine „gezielte Pleite und Abwicklung der Lufthansa“ plädiert. Das Gegenteil ist richtig, Elmar Wigand lügt:

    Ich hatte für die umweltverträglich Umstrukturierung der Lufthansa plädiert, bei der die technischen und beruflichen Fähigkeiten des Unternehmens und der Beschäftigten genutzt werden können, und zwar für die notwendigen bodengebundenen, öffentlichen Verkehrssysteme. Dies sei umso leichter und naheliegender als der neue Großaktionär der Lufthansa, Heinz-Hermann Thiele (er stieg mit Beginn der Pandemie ein), Gründer und Chef des weltweit aktiven Knorr Bremse-Konzerns seit Jahrzehnten als Ausrüster der Bundesbahn und danach auch der privatisierten Deutschen Bahn AG tätig war und ist. Knorr Bremse ist spezialisiert auf Schienensysteme einschließlich Bremsen, Türen, Heizung, Lüftung, Klimaanlagen und dergleichen. Dieses Konzept, schrieb ich, müsse gerade dann umgesetzt werden, wenn wie hier der Staat in den Konzern mit 9 Mrd. Euro einsteigt.

    Elmar Wigand denunziert mit seiner Lüge dieses Konzept einer ökologischen Transformation. Insofern hat das von ihm gegen mich angeführte Mobbing auch diesen politischen Hintergrund.
    Werner Rügemer, 26.2.2021

  2. entsetzt und fassungslos bin ich, mit welch fiesen behauptungen werner rügemer fertig gemacht werden soll. herr wiegand, ohne sich zu schämen, scheint nicht zu begreifen, dass rügemer eine weithin bekannte und geachtete lichtgestalt im kampf gegen arbeitsunrecht ist. er wird fehlen. karrieristen gibt es genug. ich erwarte von herrn wiegand, sich zu entschuldigen – voraussichtlich erfolglos; wer andere unter der gürtellinie angreift, ist selbst auch oberhalb der gürtellinie nicht sakrosankt.

  3. Krass. Was bildet sich Wigand ein? Welche Rolle spielt Reisner? Wer gehört sonst noch zum Büro Team?

    Dass Wigand sich über zu scharfe Sprache echauffiert…
    Selbst ist er super krass und greift persönlich und unter der Gürtellinie an.

  4. Und das war es nun? Man zerfleischt sich selbst?

    Warum hat Elmar Wigand die Macht eine so verdiente Persönlichkeit so schlecht zu behandeln? Warum handerlt er so hinterhältig?

  5. Mir scheint es so als sei Elmar Wigand der Meinung diese Aktion sei eine One Man Show. Und zwar seine.

    Rechthaberisch und überheblich ist er. Arrogantes Verhalten.

    Kann man seinen früheren Aussagen noch trauen?

  6. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, daß man sich kein Urteil erlauben kann, wenn man nicht „ganz nah dran“ ist. Beide, Werner Rügemer und Elmar Wiegand, haben große Verdienste, und es ist einfach nur schade, daß die beiden, die bis vor kurzem gemeinsam wichtige Arbeit gegen Ausbeutung und Unrecht geleistet haben, sich zerstritten haben. Wenn man die Entstehung des Konflikts und dessen Hintergründe – von denen die meisten hier gar nicht zur Sprache gekommen sein dürften – nicht wirklich kennt, sollte man m. E. nicht Partei für die eine oder die andere Person ergreifen. Kann sein, daß der eine oder der andere die Hauptschuld an dem Bruch trägt – kann aber auch sein, daß beide ihren Anteil daran haben.
    Bleibt zu hoffen, daß Elmar Wiegand und Werner Rügemer sich auch weiterhin so erfolgreich gegen Ausbeutung und Arbeitsunrecht einsetzen – wenn auch leider nicht mehr vereint.

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