Rede von Werner H. auf der Demo ‚Free Palästine, Free Kongo, Free Sudan und alle unterdrückten Völker‘ am 8.11.2025 an der sich 7.000 Leute aus verschiedenen Städten beteiligten.
„So gut und richtig es ist, sich immer wieder die Strasse zu nehmen und die Wut, die in uns ist, herauszuschreien, so richtig ist es auch, aus der Wut Widerstand werden zu lassen.
Darum beglückwünsche ich die entschlossene Gruppe, die gestern auch hier in Hamburg ein Signal in die Welt gesandt hat und aus dem Widerstand gegen die völkermörderische Besatzungspolitik des kriminellen, zionistischen Siedlerkolonialstaates Israel hat Praxis werden lassen.
Durch ihre Gleisblockade kam der Verkehr auf der Haupthafenroute, der Köhlbrandbrücke und dem wichtigen Terminal Burchardkai zum erliegen.
50 mutige Menschen haben sich zum Teil an Gleise gekettet. Aber nicht nur dort, sondern auch an anderer Stelle wurde mit Bengalos, Baustellenabsperrungen und quer über die Gleise gespannten roten STOP- Transparenten der Hafen-Container- Transportbahn Metrans die Durchfahrt versperrt.
Diese Aktion traf die Logistikunternehmen und Reedereien, denn sie müssen in so einem Fall ihre Routen ändern und höhere Lagerkosten zahlen.
Das ist ein deutliches Zeichen und Beispiel, wie hier im Hafen den Völkermordhelfern begegnet werden muss.
Wenn über den Hafen pro Jahr über 1.000 Container mit Munition verschifft werden, sind das drei Container jeden Tag! Das sind rund 20 Tonnen Munition und das jeden Tag! Genau darum machen solche Blockaden Sinn, denn jede Beeinträchtigung des gesamten Transportketten- Systems beeinträchtigt auch das Verladen dieser 20 Tonnen Munition.
Unter Druck von Friedensaktivisten in der Hamburger Bürgerschaft sah diese sich gezwungen, auf ihrem Transparenzportal schon vor Jahren den Waffenumschlag im Hafen öffentlich zu machen. So ist belegt und bewiesen, das in der letzten Zeit 17.000 Kisten Munition aus dem Hamburger Hafen nach Israel geliefert wurden. 60.000 Kisten gingen nach Singapur, das mit Israel gemäß einer gemeinsamen Sicherheitskooperation einen intensiven Militärhandel betreibt, denn Israel produziert selbst eher wenig Munition für seine Sturm- und Scharfschützengewehre, die wie die Welt längst weiß, für den genozidalen Mord an palästinensischen Kindern eine große Rolle spielen.
Aber auch international geächtete Waffen wie Granaten mit Weißem Phosphor finden sich seit dem in diesem politisch erzwungenen Transparenzbericht über gelieferte Waffen aus dem Hafen.
Treffen die brennenden Teilchen aus dem Weißen Phosphornebel auf menschliche Haut, so brennen sie unlöschbare Löcher durch bis auf die Knochen. Lebenslanges Leiden ist die Folge.
Ebenso bekannt ist, dass ein deutsches Schiff, die HC Opal des hamburger Unternehmens HC- Chartering GmbH mit 23 Containern nach Israel unterwegs ist, deren gesamter Inhalt aus Tonnen von Rohstoffen besteht für die Herstellung von Artilleriegeschossen, Luft- Boden- Raketen und der gefürchteten MK- 84 Bombe. Eine einzige MK- 85 Bombe kann ein ganzes Wohnhaus oder Dorf zerstören und ganze palästinensische Familien auslöschen.
Vom Koordinator der Waffenembargo-Kampagne der BDS-Bewegung und seiner Recherche wissen wir, dass es nun wieder Deutschland ist, das mit der Lieferung von Rohstoffen zur Eigenproduktion für diese Bomben Israel zur Seite springt, um seine Munitionsvorräte wieder aufzufüllen. Denn Israel ist mit einem immer weiter wachsendem Waffenembargo konfrontiert.
Ein weiteres deutsches Schiff, die MV Kathrin, dass der Gruppe der ‚Mediteranien Schipping Company‘ MSC zugerechnet wird, ist ebenfalls mit Tonnen derselben Sprengstoffkomponenten nach Israel unterwegs, um denselben Zweck zu erfüllen.
Die deutschen Entscheidungen so zu handeln sind das Eine, jahrelange Proteste haben die deutsche Regierung nicht von dieser Politik Israel nach Kräften beim Völkermord zu unterstützen abgebracht. Das Andere sind jene Unternehmen, die viele Hundertmillionen an diesen deutschen Aufträgen verdienen. Darum kann es für uns nur die Aufgabe geben, sie bei diesem mörderischen Geschäft zu stören. Auch die Landesbezirksverwaltungen der deutschen Gewerkschaften handeln gegen die Interessen ihrer Mitglieder und weigern sich, Arbeitern bei Weigerung Waffen zu verladen den Rücken zu stärken. Mein Bruder, Genosse und Freund Mohamed Alattah, der selbst aus dem Gazastreifen stammt und bei der HHLA im Verladebetrieb arbeitet, wird dadurch in einen schweren Gewissenskonflikt gestürzt. Warum zwingt ihn ver.di Waffen zu verladen, mit denen seine Familie, sein Volk getötet wird?
Der weltgrößte Logistikriese MSC hat nach dem Erwerb großer Teile des Hamburger Hafens seine Deutschlandzentrale in der Hafencity errichtet. MSC betreibt zusammen mit der israelischen Reederei ZIM, das siebtgrößte Logistikunternehmen der Welt, die Schiffahrtslinie ‚North Europe Israel Express‘.
Sie ist ebenfalls hier in Hamburg in Hammerbrook ansässig und organisiert über den Hamburger Hafen den gesamten Im- und Export für Israel in Nordeuropa und trägt entscheident zu Israels Wirtschaft bei.
Während über den Hafen auch Waren aus illegalen israelischen Siedlungen in der Westbank Israels Reichtum mehren, bringt wiederum die Reederei ZIM aus Hamburg nicht nur Nahrungs- und Genussmittel aus Europa nach Israel, sondern auch militärische Ausrüstung, Technologie für Kommunikation etwa der IDF, der israelischen Polizei und den Checkpoints in der Westbank und Ostjerusalem. Auch für diese Waren sind Hamburger Niederlassungen wie CISCO am Neuen Wall oder HP in der City-Nord als Produzenten weltweit bekannt.
Auch kommt mit diesem lukrativen Handel der über den Hamburger Hafen abgewickelt wird ein Großteil des Geldes zusammen, mit dem Israel Waffen und Technologie wie z.B. den F-35 Bomber kaufen kann. Dieses Kampfjet ist für die flächendeckende Zerstörung im Gazastreifen hoch verantwortlich.
Die wichtigsten Komponenten für den Bau dieser Waffe werden von MAERSK, dem zweitgrößten Logistikunternehmen nach Israel geliefert. Und wen wundert es noch? – Auch MAERSK hat in Hamburg am Johanneswall nahe dem Hauptbahnhof seine Deutschlandfiliale.
Nicht zu vergessen HAPAG-LLOYD das „alterwürdige“ Hamburger Logistikunternehmen im imposanten Prachtbau an der Alster im Ballindamm. Schon in der NS- Zeit fungierten die Wurzeln des LLOYD- Logistikers für die Deportation von Juden in die KZs. Seit Februar verwickelt sich das Unternehmen, dessen Hauptaktionär Michael Kühne ist, und dessen Familie mit den Transporten von NS- Raubgut ihr Geld verdient hat, als Zwillingspartner von MAERSK wieder in Geschäfte, die dem Völkermordhelfer MAERSK dienen.
Aber die Transport- Versicherungsunternehmen AIG, der ‚American International Group‘ am Großen Buestah nahe der Nikolaikirche oder Allianz in der Hafencity am Brooktorkai haben ebenfalls Blut an den Händen, denn ohne sie würden gar keine Waffentransporte stattfinden, würden auch nicht soviele Menschen sterben. Und auch Hafenbetriebe wie die HHLA oder Metrans haben ihren Anteil am Geschäft mit dem Tod.
Wenn wir im Geschichtsunterricht vielleicht von der dunklen Geschichte des Hamburger Hafens aus der Kolonialzeit vergangener Jahre hören, so hat sich bis heute nichts geändert.
Denn die koloniale Unterdrückung die heute über den Hafen organisiert wird, ist so heimtückisch und verdeckt in unser Bewußtsein eingepflegt, dass das Leid, das dadurch bei anderen Völkern verursacht wird, viel zu wenig mit den Akteuren hier im Hafen und der Stadt in Verbindung gebracht wird.
Aber jene Helden, die gestern mit praktischer Solidarität bewiesen haben, das es möglich ist, der Völkermordmaschinerie direkt in den Arm zu fallen, jene, die seit 11 Wochen das völkermörderische Geschäft von MAERSK jeden Donnerstag erfolgreich stören,und jene, die die Produktionsanlagen von Elbit Systems sabotierten, verdienen unser aller Solidarität, sie gingen mit ihrem guten Beispiel voran. Darum kommt nach der Demo auch zu der Mahnwache vor dem Strafjustizgebäude Sievekingplatz 1. Dort sind die Gefangenen die nach der Hafenblockade festgenommen wurden und müssen die haftrichterliche Entscheidung abwarten, ob sie freikommen oder nicht.
Wir wollen hier im Hafen eines Tages eine Luft atmen, die frei ist von dem Geruch nach Tod und Verderben,
ohne Export von Kolonialismus und Völkermord!
Wir wollen für die folgenden Generationen einen Hafen schaffen, der für die Welt ein Tor ist, für Frieden und Völkerverständigung.
All ihr Profitgeilen an diesem Völkermord beteiligten Unternehmer hört gut zu, denn heute stehen hier Tausende und die erkennen immer mehr, dass auch ihr es seid, die das Blut unserer Geschwister an euren Händen habt!
Das Blatt der Geschichte wird sich wenden, aber eure Schuld wird nie vergessen werden!
Und schon morgen werden wir an eure Türen hämmern und eure Wände erbeben lassen!
Freiheit für Palästina!
Freiheit für Kongo!
Freiheit für Sudan!
Freiheit für alle unterdrückten Völker!