von Mieterin2terKlasse
Am 1. Dezember 2025 erschien in der Linken Zeitung ein Artikel mit dem Titel: »Deutschlands Deindustrialisierung ist ein Kapitalputsch«, den der Hamburger Jour Fixe lesenswert fand. Darin schreibt eine Crew, die sich »China Economic Indicator« nennt:
»Der systematische Abbau der industriellen Basis des Landes ist kein Zufall – es ist der Triumph des Finanzkapitals über das Industriekapital.
[…] Was wir derzeit erleben, ist keine passive Kapitulation vor äußeren Kräften, sondern ein aktives, strategisches Projekt der Finanzelite des Landes […] Die Grundlage für diesen Coup wurde durch die Kernpolitik der Energiewende gelegt: die dogmatische Stilllegung der deutschen Kernkraftwerke. […] Der Grund dafür ist, dass sich die Interessen des deutschen Finanzkapitals von denen des deutschen Industriekapitals entfernt haben. [… ] Dies ist ein kalkulierter Übergang, kein unglücklicher Zufall.«
Die Moral von der Geschichte scheint zu sein: Wir müssen »nur« die Finanzmafia und Politik in den Griff kriegen und schon schwuppt der Kapitalismus in Deutschland wieder zu unser aller Nutzen.
Diese Ansicht ist – mit variiert gesetzten Ursacheschwerpunkten – von Links bis Rechts verbreitet. Mir scheint sie ein Irrtum zu sein, der dazu führen kann, dass wir im Faschismus und Krieg enden – ganz allergünstigstenfalls über den Umweg einer zum Scheitern verurteilten demokratisch-sozialen Volksfront wie in Frankreich 1936 unter Léon Blum, die dem wirtschaftlichen Niedergang letztlich hilflos gegenüberstand.
Hilflos war auch der viel gepriesene »New Deal« unter Roosevelt mit seinen vom Militär geführten Arbeitslagern für junge Männer und sozialpädagogisch geführten Lagern für junge Frauen. Der größere Teil des nicht mehr satt werdenden Teils der US-Bevölkerung nahm diese Lager dankbar an. Gewalt und Terror, um an der Macht zu bleiben, war für die Herrschaften der USA kaum nötig; gute Propaganda reichte. Mit immer noch hoher Erwerbslosigkeit lief der »New Deal« in eine Blockade Japans aus, auf die die imperialistische japanische Regierung kaum anders als durch einen Angriff reagieren konnte.1
Wirtschaftlich dem »New Deal« gar nicht so unähnlich waren die Beschäftigungs- und Aufbauprogramme im faschistischen Italien und Deutschland. Der Völkische Beobachter freute sich 1933 über den »New Deal«: »auch in [den] U.S.A. bricht sich der Gedanke der Führerschaft siegreich Bahn«. In den Folgejahren reisten Expertinnen und Experten der Roosevelt-Administration nach Deutschland, um von der Sozialpolitik der Nazis zu lernen.2
Heute steckt unser schöner Rheinische Kapitalismus und seine Brüder an Seine, Themse, Missisippi … erneut in einer Wirtschaftskrise fest, die mehr als nur ein vorübergehendes Konjunkturtief ist und auf die herrschende Kreise kriegerisch reagieren. Wie kommt das? Weshalb lief es jahrzehntelang relativ gut für uns im Globalen Norden und dann nicht mehr?
Wurde unseren Damen und Herren »da oben« irgendwann in den 1970er und 1980er Jahren oder vielleicht auch später das gemütliche Reichtum-Saugen zu langweilig? Entdeckten sie, dass sie eigentlich zu menschenfreundlich und zu großzügig gewesen waren und es nützlicher für sie wäre, die schlechter verdienende Hälfte der Lohnabhängigen und Landbevölkerungen gegen sich aufzubringen und außerdem auch noch zunehmend ungebildetere und dümmere Politfiguren in die Regierungen zu setzen?
Hitlers Wirtschaftswunder
Vielleicht ist ein kurzer Rückblick nützlich, wie die Reichsregierung unter Hitler ihre Wirtschaftsankurbelung mit den vielen neuen Arbeitsplätzen und warmen Wohnungen und flitzfreundlichen Autobahnen finanziell hinbekam. War das im Prinzip nicht eigentlich okay, nur der Krieg danach und die Massenschlächterei irgendwie total irrational?
Der Übergang der bürgerlich-demokratischen Verhältnisse in die Nazi-Diktatur verlief fließender als es heute gerne dargestellt wird. Ein zeitgenössischer sozialdemokratischer Beobachter aus der Schweiz sah »das Ende der deutschen Demokratie« spätestens im Oktober 1932 eingetreten:
»Das parlamentarisch-demokratische Regime hat seine Existenz beendigt; was an Volksrechten übrig bleibt, ist eine Farce.« 3
Die bei fehlendem Einblick in die Problematik des Kapitalismus zur Dikatur leitende Gedankenkette ist so einfach wie zwingend: Verliert ein Gesellschaftssystem die Fähigkeit zum Ausgleich der Gegensätze, die es hervorbringt, wirkt der politische und soziale Streit, mit dem die Gegensätze ausgetragen werden, anstatt ausgleichend und systemstabilisierend, destruktiv und unvernünftig. Der Streit treibt die Gesellschaft auseinander. Also muss er durch Abschaffung von Freiheiten unterbunden werden. Damit dieses Vorhaben nicht böse wirkt, muss es einem guten Zweck dienen: dem Schutz vor wen oder was auch immer.
Vor der offenen Diktatur der Nazis lag eine Phase der Diktatur durch Notverordnungen, die vielen als unumgänglich und vernünftig erschien, aber, wie sich für sie zu spät herausstellte, weniger die Wirtschaft in Ordnung bringen konnte als die nachfolgende offene Beseitigung der bürgerlichen Demokratie vorbereitete, unter der dann die Wirtschaft in Ordnung gebracht werden konnte – vorerst.
»Drei aufeinanderfolgenden Regierungen gelang es nicht, die Beschäftigung anzukurbeln, bevor die Nazis im Januar 1933 an die Macht kamen. […D]ie Nazis führten sofort eine expansive Fiskalpolitik ein, die das Beschäftigungswachstum durch zivile Bauprojekte und Wiederaufrüstung förderte. […] Bis November [1933] hatte der durchschnittliche monatliche Zuwachs an Arbeitsplätzen 400.000 erreicht. Dieser äußerst positive Wachstumstrend hielt bis 1936 an, als die Wirtschaft Vollbeschäftigung erreichte. Das Bruttosozialprodukt (BSP) stieg jährlich um 9 %, während der Anteil der Staatsnachfrage am BSP zwischen 1933 und 1938 von 14 % auf 31 % anstieg. Obwohl diese Statistiken den Eindruck erwecken, dass sich eine Kommandowirtschaft durchgesetzt hatte, unternahmen die Nazis tatsächlich eine Kampagne zur Privatisierung von Unternehmen.« 4
Erreicht wurde das nationalsozialistische Wirtschaftswunder vor allem durch Methoden der Flutung der Wirtschaft mit Liquidität, die zur Schaffung von Arbeitsplätzen, jedoch nicht zu einer merklichen Inflation führte: verdecktes Gelddrucken (Mefo-Wechsel); Lohnkontrollen; Subventionierung von Investitionen in die Rüstung und in Importe substituierende Wirtschaftszweige; Förderung ausländischer Kapitalanlagen, z.B. 1935 Gründung der LKW-Fabrik Opelwerk Brandenburg / General Motors oder Kooperationen mit der US-Bank Brown Brothers Harriman.
Bis 1938 hatte sich die deutsche Staatsverschuldung im Vergleich zu 1933 verdreifacht und war die Reichsmark im Außenhandel zu sehr im Wert gesunken, um für die Rüstung und Versorgung der Bevölkerung nötige Importe durch herkömmlichen Kauf finanzieren zu können.
»Die Annexion Österreichs 1938 sorgte für eine dringend benötigte Infusion von Devisenreserven in Höhe von 782 Millionen Reichsmark, die Deutschlands Devisenbestand verdoppelte. Dies erlaubte [dem Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsidenten Hjalmar] Schacht 1938, das größte deutsche Handelsdefizit seit 1929 zu realisieren. […]
Als Deutschlands Importbedarf immer größer wurde, begann Schacht, sich weniger auf geschickte Finanztricks zu verlassen als auf offenes wirtschaftliches Tyrannisieren der osteuropäischen Länder. Der extremste Fall war ein einseitiges Abkommen mit Rumänien, das er Ende 1938 unterzeichnete. Rumänien musste deutsche Waffenexporte im Gegenzug für Lebensmittel, Öl und andere Materialien, die die deutsche Wirtschaft benötigte, akzeptieren. Dieser Deal belastete Rumänien so sehr, dass das Land selbst Rohstoffe importieren musste, um mit der deutschen Nachfrage Schritt zu halten. Interessant ist, dass Polen, das erste Opfer des deutschen Blitzkriegs, […] sich weigerte, ein Handelsabkommen mit Deutschland zu schließen.« 5
Mit Hilfe der Bank von England und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich flossen nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 zig Millionen goldbasierte US-Dollar in die deutsche Staatskasse.6

Weltkriegswarnung der SPD anlässlich der Marokkokrise 1911.
Wie heute und vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Vorkriegsjahren allerhand Hin und Her,
so dass die Leute bis 1914 derartige Warnungen nicht mehr allzu ernst nahmen.
Problematik des Kapitalismus
Nein, das Grundproblem des Kapitalismus ist nicht eine chaotische Produktion. Der Markt reguliert die Produktion nicht schlecht und ist zur Not korrigierbar. Nein, es ist auch nicht eine sinkende Profitrate. Die bewirkt Pleiten, Wertverfall und Konjunkturkrisen, aber nicht den aufschwunglosen Scheiß, den wir in den 1930ern an der Backe hatten und nun wieder. Nein, es ist auch nicht ein Wegbrechen der menschlichen Arbeit. Auf so einen Quatsch können vorläufig (!) wohl nur akademisch Gebildete verfallen, die die Klos, auf denen sie täglich sitzen, für Naturphänomene halten.
Im Folgenden fasse ich modernisiert einen Problembeschreibungsversuch zusammen, den 1922 der (damals zukünftige) sowjetische Geheimagent Richard Sorge in seinem Buch »Rosa Luxemburg’s Akkumulation des Kapitals. Bearbeitet für die Arbeiterschaft« unternahm.
Man stelle sich eine Mini-Wirtschaft vor, die aus nur zwei Konzernen A und B besteht mit je 100 zufriedenen Lohnabhängigen und je einem Boss. Die beiden Bosse seien zugleich Shareholder ihres jeweiligen Konzerns, Manager, Händler und Erfinder – omnipotente liebenswerte Unternehmertypen. In der Mini-Wirtschaft gebe es keine anderweitigen wirtschaftlichen Aktivitäten, keine Überproduktion und keinen Mangel. Wie es der Zufall will, produzieren A und B Waren, die einander ergänzen, so dass zwischen ihnen kein Verdrängungswettbewerb stattfindet. Die Wirtschaft flutscht.
Verkauft Boss A Waren an Boss B und an die Lohnabhängigen, so erhält A Einnahmen, um Löhne auszuzahlen und für sich einen Profit einzustecken. A war nämlich so schlau, die Verkaufspreise etwas höher anzusetzen als die Produktionskosten betrugen. Verkauft Boss B Waren an Boss A und die Lohnabhängigen, so erhält B Einnahmen, um Löhne auszuzahlen und für sich einen Profit einzustecken. B war nämlich ebenfalls so schlau, die Verkaufspreise etwas höher anzusetzen als die Produktionskosten betrugen.7
Kann in dieser Wirtschaft Profit entstehen?
Profit entsteht, indem Boss A und Boss B und ihre Lohnabhängigen etwas kaufen. Der Profit des einen Bosses ist die Geldausgabe des anderen, entweder direkt oder indirekt durch vorherige Lohnzahlungen. Bei einzelnen Verkaufsaktionen von A und B können durch die Preisaufschläge zusätzliche Geldeinnahmen über die Produktionskosten hinaus entstehen, doch gesamtwirtschaftlich entstehen keine zusätzlichen Geldeinnahmen. Daran ändert sich nichts, wenn die Wirtschaft nicht nur aus zwei, sondern aus tausenden und zehntausenden Konzernen besteht. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Wirtschaft immer mehr Waren ausspuckt. Die gesamtwirtschaftliche Profitsumme in Geldform ist in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem, das nur aus Bossen und Lohnabhängigen besteht: Null. In Kaviar- und Swimmingpoolform mag der Profit zugleich gigantisch sein.
Die wesentlichen Quellen, aus denen zusätzliche Geldeinnahmen über die Produktionskosten hinaus sprudeln können, sind ein bänkerischer Zauberhut mit quasi unbegrenztem FIAT-Geld oder Exportüberschüsse oder anderweitig organisierte Zuschüsse, gestiftet zum Beispiel von den netten Leuten im Senegal mittels CFA-Franc.
Wären Boss A und Boss B nicht an zusätzlichen Geldeinnahmen interessiert, entstünde aus dem gesamtwirtschaftlichen Nullprofit kein Problem. A und B könnten munter produzieren lassen, ihren materiellen Wohlstand mehren, und die Lohnabhängigen könnten in Folge technischer Fortschritte auch etwas davon haben. Aber Boss A und Boss B lassen nicht produzieren und zahlen keine Löhne und investieren nicht, wenn sie dadurch keine zusätzlichen Geldeinnahmen erwarten. Ob es sich bei dem zusätzlichen Geld um inflationäre Makulatur aus Zauberhüten handelt oder um Repräsentationen echten materiellen Reichtums – Zinszahlungen auf Zauberhutgeld etwa, die verschuldete Leute nach echter Arbeit und durch Verkauf handfester Waren leisten konnten –, ist den Bossen erstmal egal. Hauptsache, es wird mehr.
In Produktionen investiertes Geld wird dann nicht mehr, wenn das produzierte Mehr an Kram schwer bis nicht verkäuflich ist. Lässt in der Mini-Wirtschaft Boss A mehr produzieren, kommen im Prinzip nur Boss B oder die von ihm bezahlten Lohnabhängigen zum Kaufen dieses Mehrs in Frage. Die Lohnabhängigen von A kommen nicht so sehr in Frage, denn dann würde A aus der Investition nicht mehr Geld rauskriegen, sondern mehr Lohn auszahlen. Boss B muss zum Kauf einen Kredit aufnehmen. Denn würde B das zum Kauf nötige Geld seinerseits durch Verkäufe an A bzw. dessen Lohnabhängige einnehmen, würde A aus der Investition nicht mehr Geld rauskriegen, sondern direkt oder indirekt höhere Einkäufe tätigen. Daran ändert sich nichts, wenn die Wirtschaft nicht nur aus zwei, sondern aus tausenden und zehntausenden Konzernen besteht. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Wirtschaft immer mehr Waren ausspuckt.
In Produktionen investiertes Geld wird letztlich nur dann mehr, wenn sich entweder andere Beteiligte des Wirtschaftssystems verschulden, d.h. wenn sie Geld aus dem bänkerischen Zauberhut kriegen, oder wenn das produzierte Mehr an Kram Leute von außerhalb des Wirtschaftssystems kaufen – und zwar ohne, dass diese Leute ebenso viel mehr an das Wirtschaftssystem verkaufen. Auch hier also: bänkerischer Zauberhut, Exportüberschüsse oder nette Leute im Senegal. Und auch hier wieder: Wären Boss A und Boss B nicht an zusätzlichen Geldeinnahmen interessiert, entstünde aus all dem kein Problem. A und B könnten munter produzieren lassen, ihren materiellen Wohlstand mehren, und die Lohnabhängigen könnten in Folge technischer Fortschritte auch etwas davon haben und die netten Leute im Senegal ebenfalls. Karl Marx nannte das im Unterschied zum Kapitalismus »einfache Warenwirtschaft«: Ware – Geld – andere Ware, und alle sind glücklich.
Mit dem kapitalistischen Prinzip Geld – Ware – mehr Geld ändert sich Entscheidendes. Dieses Prinzip dehnte sich vom Handelssektor auf die Produktion aus, als Menschen deutlich mehr produzieren konnten als sie selbst und ihr Nachwuchs zum Überleben brauchten, aber sich zugleich unpraktischerweise nicht mehr billig genug versklaven ließen.
Wer als Boss so viele Leute für sich arbeiten lassen kann, dass er mit deren Arbeitsprodukten selber praktisch nichts mehr anzufangen weiß, muss die Produkte verkaufen können, um zur Schaffung von »Arbeitsplätzen« motiviert zu sein. Alle, die ähnliche Produkte verkaufen wollen, werden zur feindlichen Konkurrenz. Die stärkeren Bosse fressen die schwächeren, bis die übrig gebliebenen Bosse – und das sind naturgemäß die menschenfreundlichsten – an einen Konferenztisch in Davos passen.
Jetzt könnte man sagen: Okay, lasst uns dieses ungute Ergebnis der kapitalistischen Konkurrenz canceln! Springen wir auf eine frühere Stufe echter Konkurrenz zurück, dann läuft der Laden wenigstens einige Jahrzehnte lang wieder rund!
Aber da sind Haken …
Postkolonialismus und Finanzkapital
Im Zweiten Weltkrieg waren die führenden Kolonialmächte ziemlich mit sich selbst beschäftigt. Der Systemkonkurrent Sowjetunion wurde zur Supermacht. Der Kolonialismus vor Ort wurde in Folge wachsender Widerstände unbezahlbar. So gelang es vielen Ländern der Erde, sich aus dem kolonialen Würgegriff soweit zu befreien, dass sie ihre Produktionsmöglichkeiten ausweiten und Exportüberschüsse des Globalen Nordens, insbesondere in Form von Stahlprodukten und Maschinen kaufen konnten – dank des nicht gesättigten Weltmarkts zu überhöhten Preisen. Bewerkstelligen konnten die Ex-Kolonien und -Vasallen das zumeist nur staatswirtschaftlich, weil privates Kapital in die ergiebigeren altkapitalistischen Länder verduftet wäre (wie heute noch das der Golfmonarchen), und diktatorisch, weil eine Überausbeutung der Menschen in der Industrie und Landwirtschaft durchzusetzen war, um die Importüberschüsse, damit verbundene Kreditzinsen und andere Nachteile zu wuppen, und natürlich auch, um die Übernahme ihrer Regierungen und Wirtschaften mittels Farbrevolutionen usw. durch den Wertewesten abzuwehren.
Die nachholende Industrialisierung von Ländern wie China und Indien war ein wichtiger Faktor zur Behebung der grundlegenden Problematik des Kapitalismus im Globalen Norden. Damit scheint jetzt weitgehend Schluss zu sein – vorläufig noch auf vergleichsweise hohem Wohlstandsniveau, d.h. nur ausnahmsweise mit Hungern und Frieren.

Parkbank in Berlin, 1920er Jahre (Wikimedia)
In der nicht gerade revolutionären Wissenschaftszeitschrift »Nature Communicatons« erschien 2024 eine Studie, nach der die Menschen im Globalen Norden für etwa 46 % dessen, was sie konsumieren, in Arbeitsstunden gerechnet, keinen Gegenwert leisten.8 Doch die 46 % Beute werden in den »reichen« Ländern sehr ungleich verteilt. Das ist, wie der Artikel in der Linken Zeitung nahe legt, Politikversagen. Trotz des wirtschaftlichen Niedergangs trauten sich die Herrschaften bisher nicht so richtig an die neokolonialen Pfründe der Mittelschichten gewisser Nationen ran.
Absehbar würde aber auch eine gerechtere Verteilung der Beute nicht reichen. Die einen Länder des Globalen Südens liegen halb verwest am Boden, die anderen produzieren selber Exportüberschüsse und die dritten, wie Burkina Faso, werden so frech, dass Frankreich bald vielleicht beim Internationalen Währungsfond betteln gehen muss – oder eben herumbomben und größere Söldnerheere ausrüsten.
Das arme Finanzkapital und seine drittklassigen Politfiguren können nichts dafür, dass der Kapitalismus so funktioniert wie er funktioniert und dass sich infolge der Unartigkeit des Rests der Welt der bänkerische Zauberhut bis zum Platzen aufblähen musste, um den kapitalistischen Laden am Laufen zu halten. Sollten wir den Leuten mit den Zauberhüten nicht eher dankbar sein, dass sie den Laden so lange am Laufen hielten? Und sollten wir den Finkenfritzen und 360°-Böckinnen ihre Dummheit zum Vorwurf machen, wo diese Gesellschaft sie doch gerade deshalb nicht als ungeeignet aussiebte, weil zur Vermeidung von Lösungsideen, die »denen da oben« nicht in den Kram passen, wachsende Dummheit erforderlich ist? Die Maschen der Karrieresiebe in Politik und Wissenschaft weiten sich ohne gezieltes Zutun. Schlauer und darum böser könnten die Kampf-Knarrenbauers und Spritzen-Uschis sein, aber auch sie versuchen vielleicht lediglich, für ihre Liebsten und sich selbst das Beste draus zu machen. Wer täte das nicht?
Ist für das Finanzkapital etwas anderes das Beste als für das Industriekapital wie der Artikel in der Linken Zeitung behauptet?
Den Begriff »Finanzkapital« prägte Rudolf Hilferding 1910 in seinem Buch »Das Finanzkapital«. Hilferding versteht darunter
»Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen«.
Das große Industriekapital in Deutschland und das, was der Artikel als »Finanzkapital« vom Industriekapital abgrenzt, ist mindestens seit der Weimarer Republik dieselbe Soße. Nichts hat sich da »voneinander entfernt«. Das ist zusammengewachsen; das musste zusammenwachsen aufgrund der großen Investitionssummen und langen Amortisationszeiten der Produktionsmittel und auch der zunehmend komplexen verkehrstechnischen/energetischen/informationellen/rechtlich-polizeilichen Infrastruktur, die zum Betrieb und Ausbau großindustrieller Anlagen nötig sind.
Mit der Zeit löste sich das in Deutschland und anderen Ländern aufgewachsene Finanzkapital (fortan im Hilferdingschen Sinn gemeint) von der Brust und Schürze seiner jeweiligen Mutternationen. Billige und schnelle Kommunikations- und Transportmöglichkeiten und eine weltweit sich angleichende Allgemeinbildung der Menschen schufen neue Möglichkeiten, nicht nur Geldgeschäfte und Warenhandel, sondern auch Produktionsabläufe zu globalisieren. Das Finanzkapital ist internationalistisch eingestellt. Siehe z.B. die Eigentumszusammensetzungen von Rheinmetall, Deutsche Bank, BASF oder auch die vom Stahlwerk Thüringen oder auch die hunderte Millionen Euro, die Bund und Länder einem Stahlkonzern in der Hand des reichsten Unternehmers Indiens namens Mittal in den Arsch schieben, während VW und Porsche mit den Obrigkeiten Katars rummachen. Auch der Freund des in Deutschland wohnhaftenden Mietvolks und selbstlose Berater der ukrainischen Regierung, BlackRock, hängt in echten industriellen Produktionen drin: Adidas, Bayer, Sanofi, Eon, NVIDIA, Tesla …
Im Zuge der Globalisierung der Produktionen entfernten sich die Interessen kleiner und mittlerer, national basierter Industriekapitale von den Interessen der großen Kapitale, da sie als dessen Zulieferer in Konkurrenz zu kleinen und mittleren, anderswo national basierten Industriekapitalen gerieten. Das Finanzkapital kann sie ebenso wie nationale Regierungen und Lohnabhängige gegeneinander ausspielen.
Die Aufspaltung zwischen Finanzkapital und kleineren Kapitalen (und nebenbei die Lächerlichkeit gewisser Vorwürfe gegen eingewanderte Habenichtse) ist an der Einkommensentwicklung des reichsten 1 Prozent im Vergleich zu den reichsten 10 Prozent ziemlich deutlich zu sehen:

Der Reichtum der oberen 1 % entsteht hauptsächlich durch (in Deutschland zumeist geerbte) Zugriffe auf Profite des Technologie- und Produktionsbereichs, in zweiter Linie durch Finanzmarktgeschäfte (Datapulse). Durch die Steuern gleichen sich die Einkommen der oberen 10 % denen der unteren 50 % an, während sich ihr Abstand zum oberen 1 % vergrößert. Weltweit sieht es ähnlich aus. Grafik nach World Inequality Database.
Soll eine Industriebasis in Deutschland im kapitalistischen Weltmarktkonkurrenzmist mitwühlen, benötigt sie riesige Investitionen. Auch deutsche Kernkraftwerke bräuchten welche. Das sind alte Anlagen, die in einer zunehmend korrupteren Gesellschaft wohl kaum sicherer werden dürften, wenn deren mittleres Management noch nichtmal ordentliche Windradwartungen durchsetzen kann, von verschlafenen Brückensanierungen und dem Ersatz 70-jähriger Gleisfreimeldeanlagen zu schweigen.
Investitionen in die Großindustrie und ihre Infrastruktur sind nur zu haben, wenn sich die deutsche Bundesregierung und die Landesregierungen von den Finanz- und Industriemultis ausreichend korrumpieren lassen. Doch auch das wird vermutlich nicht reichen, denn Deutschland verlor während der letzten 30 Jahre in allen seinen industriellen Schlüsselbereichen Weltmarktanteile, besonders an China.

Grafik nach Rhodium Group 2024 / UNCTAD 2022
Bei den Straßenfahrzeugen wird der rote Balken vielleicht schon 2026 höher als der grünliche.
Wäre es mit Verbrennermotoren anders?

Der Hamilton-Index umfasst: IT- und Informationsdienstleistungen; Computer, Elektronik und optische Produkte; Chemikalien; Pharmazeutika und Biotechnologie; Maschinen und Ausrüstung; Werkstoffe; Kraftfahrzeuge; sonstige Transportausrüstung; Grundmetalle; und elektrische Ausrüstung (itif.org)
Weshalb, wodurch genau, sollten die Menschen in Deutschland ärmer werden,
entsprächen die deutschen Weltmarktanteile in etwa ihrem Anteil an der Weltbevölkerung?
China 17 % | USA 4 % | Deutschland und Großbritannien je rund 1 %
Die industrielle Komponente des Finanzkapitals, das große Industriekapital, ist in Deutschland in einer Situation, die der früheren des Industriekapitals in Großbritannien ähnelt, als es vom deutschen überholt wurde: sein Produktionsmittelpark und sein »Humankapital« sind super, aber zum großen Teil jetzt schon oder demnächst eine Generation älter als andere im Ausland. Rieseninvestitionen, um das zu ändern, werden sich wegen Weltmarktsättigung nur in Ausnahmefällen auszahlen. Also folgt der »Industriestandort Deutschland« dem britischen Weg: Abbau der Großindustrie und Umstieg auf finanztechnische Geldanlagen sowie Produktionsinvestitionen im Ausland. Das ist ein normaler kapitalistischer Ablauf. Zur Sicherung der Auslandsinvestitionen ist ebenso normal eine politische und militärische Kontrollierbarkeit der Investitionsgebiete nötig – mindestens WHO; falls preiswert genug, Kauf von Regierungen; wenn’s sein muss, militärische Präsenz. Wer würde sein Sparschwein bei fremden Leuten abstellen, ohne ein Auge drauf zu haben?
Die deutsche Industrieproduktion sinkt seit 2018. In den 25 Jahren davor stieg die Produktion von Investitionsgütern und Zwischenprodukten, hauptsächlich motiviert von Exportüberschüssen, durch die andere Länder entweder staatsgeführt ihre Konkurrenzindustrien gegen den »Industriestandort Deutschland« aufbauten oder in die Pleite rutschten. Andere Auslandseffekte kann ein exportangetriebener Kapitalismus nicht haben.

Produktion in der Industrie nach Hauptgruppen
2021=100, Zahlen von der Deutschen Bundesbank,
Kalender- und Saisonbereinigung basierend auf Ursprungswerten des Statistischen Bundesamts
Von den Kernkraftwerksstilllegungen – 2011 und 2022 je rund 40 % der Kernkraftstromleistung und die restlichen 20 % dazwischen 9 – ist in der Produktionsentwicklung so pauschal nichts zu sehen. Vielleicht wäre bei feinerer Gliederung der Produktionsarten mehr zu sehen. Ich würde mal raten, dass Energiepreisschwierigkeiten und Klimareligion, mit einigen Ausnahmen sehr energieintensiver Produktionen, vom Kapital weitgehend auf Kosten der Lohnabhängigen und öffentlichen Haushalte abgefangen werden konnten. Aber es wäre auch nicht das erste Mal, sollten Unternehmensführungen Scheingründe für Betriebsschließungen angeben, um »unschuldiger« zu wirken. (Diese Leute jammern auch über »Fachkräftemangel«, als wären betriebliche Weiterbildungen und Berufsausbildungen nicht ihre eigenen, mangelhaft bewältigten Aufgaben.)
Die Energiepreise der Industrieproduktion stiegen 2021 drastisch und legten 2022 im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg kräftig zu. Der russische Einmarsch war im Februar 2022, die Nord Stream-Sabotage im September 2022. In den 15 Jahren davor veränderten sich die Energiepreise für das Gewerbe, nicht für unsereins, eher geringfügig:

Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte in Deutschland (Inlandsabsatz),
Jahresdurchschnitte, 2015=100, Zahlen vom Statistischen Bundesamt
Nach Daten des Instituts der Deutschen Wirtschaft findet seit mindestens 2013 ein Netto-Abfluss von Kapital aus Deutschland statt.10 Beschleunigungen und Verlangsamungen dieser generellen Entwicklung zeigen keinen unmittelbaren Zusammenhang mit den Energiepreisen. Aber der Ukraine-Krieg war von einer drastischen Senkung sowohl der absoluten als auch der Netto-Kapitalabflüsse begleitet: im vierten Quartal 2021 flutschten netto rund 130 Milliarden US-Dollar aus Deutschland heraus; im ersten Quartal 2022 nur noch 18 Milliarden, bis Ende 2022 relativ niedrig bleibend.11 Der Krieg hat sich insofern für (einige in) Deutschland gelohnt.
Ausblick
Sollte eine Aufrechterhaltung des »Industriestandorts Deutschland« ohne Befreiung des Finanzkapitals, d.h. der Finanzbranche und des industriellen Großkapitals, aus den Profitzwängen machbar sein, würde sie beinhalten:
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Korruption von Bundes- und Landesregierungen, um die erforderlichen Investitionssummen reinzukriegen und anderen wegzuschnappen.
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Damit verbunden: wachsender Konkurrenzdruck für mittelständische Unternehmen und weitere Verarmung mindestens der ärmeren Hälfte der Bevölkerung.
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Profit bringen können die Investitionen nur, wenn von Außen etwas reinkommt, das nicht angemessen vergütet wird. Im harmlosesten Fall werden andere Länder durch chronische Exportüberschüsse in die Pleite getrieben. Funktioniert das nicht (mehr) oder zu schlecht, gehen erfahrungsgemäß die reichsten 1 Prozent und ihre Politfiguren unter wachsenden Risiken zu außerökonomischen – staatspolitischen und/oder militärischen – Methoden über.
Seit einiger Zeit mehren sich die Stimmen, die von einer »souveräneren« EU (gemeint: EU-Oligarchie) Besserung erwarten – natürlich ohne Enteignung des Finanzkapitals. Ein politisch gespaltener nordatlantischer Imperialismus wird sicherlich schwächer sein als ein geeinter, so dass gegen die Europa-Fans anzumeckern überlegenswert ist. Rosa Luxemburg, die mit ihrem von Richard Sorge aufgegriffenen Akkumulationswälzer 1913/14 reichlich früh dran war, da sich Möglichkeiten nachholender Industrialisierungen im damals zurückgebliebenen und kolonialisierten Teil der Welt erst später auftaten, hielt die Europasache bereits 1911 für wirtschaftlich und politisch »längst überholt«:
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für wirtschaftlich überholt, weil die Verflechtung der Weltwirtschaft ihrer Meinung nach bereits so weit vorangeschritten war, dass die wirtschaftliche Verflechtung der europäischen Staaten untereinander gegenüber ihren globalen Verflechtungen keine ausreichend vereinheitlichenden Tendenzen aufwies, auf deren Basis eine wirtschaftliche Einheit entstehen könnte. »Europa bildet ebenso wenig ein in sich zusammenhängendes besonderes Ganzes innerhalb der Weltwirtschaft wie Asien oder [der Kontinent] Amerika.«
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für politisch überholt, weil die »Zeiten […], wo der Schwerpunkt der politischen Entwicklung und die Kristallisationsachse der kapitalistischen Gegensätze auf dem europäischen Kontinent lagen, […] längst vorbei« seien. »Heute ist Europa nur ein Glied in der wirren Kette internationaler Zusammenhänge und Gegensätze. Und was das Entscheidende: Die europäischen Gegensätze selbst spielen jetzt gar nicht mehr auf dem europäischen Kontinent, sondern in sämtlichen Weltteilen und Ozeanen.« In Europa herrsche Frieden, »weil europäische Fragen und Interessen jetzt auf dem Weltmeer und nicht in dem europäischen Krähwinkel ausgefochten werden.« 12
Luxemburgs Kristallkugel warnt uns:
»[D]ie Losung des europäischen Zusammenschlusses kann objektiv innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft nur wirtschaftlich einen Zollkrieg mit Amerika und politisch einen kolonialpatriotischen Rassenkampf bedeuten. Der Chinafeldzug der vereinigten europäischen Regimenter mit dem […] Hunnenevangelium als Panier – das ist der wirkliche und phantastische, der einzig mögliche Ausdruck der ›europäischen Staatenföderation‹ in der heutigen Gesellschaft.«

Deutsche Militärs (stehend) 1900 beim Chinafeldzug, der nach westlichen Lehrbüchern kein Krieg war, sondern eine Aufstandsbekämpfung.13 Die Massenmorde verübten die Deutschen im Auftrag Wilhelm IIs, der in seinem »Hunnenevangelium«, der Auftaktrede zum Krieg, ungefähr gesagt hatte: »Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!« 14
Liegt als Friedens- und Sicherheitsmaßnahme nicht die Sozialisierung des Finanzkapitals nahe? 15
Diese brächte größere Herausforderungen mit sich, denn auch mit einer Wirtschaft, deren Außenbeziehungen auf dem Prinzip Ware – Geld – andere Ware beruhen, muss man etwas zu bieten haben und entsprechend investieren. Zudem dürften im fairen Handel Arbeitsstunde gegen Arbeitsstunde Bananen und Spargel nochmals deutlich teuer werden. Bei den Autos und Staubsaugern aus China dürfen wir auf baldige KI-Vollautomatisierung hoffen, sollten aber den technologischen Anschluss nicht verpassen. Immerhin hätte es Deutschland ungleich leichter als heute zum Beispiel Burkina Faso, Kuba oder Venezuela, denn wenn Deutschland aus der kapitalistischen Logik ausschehren wird, liegt unser nordatlantische oder atlantisch↔europäische 1 Prozent-Sozialverein wohl schon so gründlich am Boden, dass mit ernst zu nehmenden »Sanktionen« und militärischen Drohungen kaum noch zu rechnen wäre.
1 Zwei Wichtig-zu-wissen-Videos: »The Secret US Plan to Bomb Japan Before the Pearl Harbor Attack« — »The real reason Japan attacked Pearl Harbor«
2J M Jensen, K K Patel: Defining Alternatives: Nazi Social Policies and the New Deal. In S Kott, K K Patel (Hg.): Nazism across Borders: The Social Policies of the Third Reich and their Global Appeal (Oxford: Oxford University Press, 2018), pp. 285-308, ISBN: 978 0 19 882896 9, S. 297f. Zitat Völkischer Beobachter vom 11.5.1933. Zur Unterstützungspolitik der Roosevelt-Regierung gegenüber dem NS-Regime vor dem Zweiten Weltkrieg siehe auch Jewish Virtual Library.
3 Rote Revue Heft 2 Oktober 1932, S. 50
4 Parker Abt: The Nazi Fiscal Cliff: Unsustainable FinancialPractices before World War II. University of Pennsylvania 2017, S. 20f, und Germà Bel: Against the Mainstream: Nazi Privatization in 1930s Germany. The Economic History Review 63, no. 1, February 1, 2010
5 Parker Abt: The Nazi Fiscal Cliff: Unsustainable FinancialPractices before World War II, S. 32f. Was mit Rumänien gemacht wurde, sah auf Steroiden die EU-Anbindung der Ukraine vor: politische Zurichtung der ukrainischen Wirtschaft für die Übernahme durch EU/US-Kapital; »Freihandel« zur Zerschlagung der eigenständigen ukrainischen Industrieproduktion; Übernahme der ukrainischen Energie-Infrastruktur und landwirtschaftlichen Ressourcen; wirtschaftliche Abschottung gegen Russland, damit keine für die ukrainische Bevölkerung günstigen Konkurrenzen zwischen ihren großen Nachbarn entstehen; Bereitstellung einer Riesenarmee von Billigsoldaten. Siehe z.B. J Becker: Assoziierung Teil des Problems, nicht der Lösung. Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung (W&E), Luxemburg 25. März 2014
6 Arthur L. Smith Jr: A Commentary on Europe’s Looted Gold, 1938–45. In: Avi Beker (Ed.): The Plunder of Jewish Property during the Holocaust. Palgrave Macmillan, London 2001
7 In einer Konkurrenzwirtschaft entsteht die Möglichkeit, am Markt Preisaufschläge auf die Produktionskosten durchzusetzen (anstatt dass sie auf Null niederkonkurriert werden oder bloß inflationäre Makulatur darstellen) im Prinzip daraus, dass hinter ihnen unbezahlte Lohnarbeit steckt. Aber dieses marxistische Zeug lasse ich mal weg.
8 J Hickel, M Hanbury Lemos, F Barbour: »Unequal exchange of labour in the world economy«. Nat Commun 15, 6298 (2024)
9 2011 waren das rund 8 % der Gesamtstromerzeugung, 2022 mehr. Zahlen von Energie & Management 28.12.2021: Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung; Wikipedia: Atomausstieg; Statistisches Bundesamt: Bruttostromerzeugung in Deutschland
10 C Rusche: Deindustrialisierung. Eine Analyse auf Basis von Direktinvestitionen. IW-Kurzbericht, Nr. 43 / 2023, Köln
11 Zum Vergleich: Würde eine Million Menschen ein Monatseinkommen von 1500 US-Dollar pro Person erhalten, wären 18 Milliarden US-Dollar in einem Jahr aufgebraucht, 130 Milliarden nach 7 Jahren.
12 Dieses und das folgende Zitat aus R Luxemburg: Friedensutopien
13 Bildquelle: PhotographieChina 1900, Deutsches Historisches Museum, BerlinF 66/2891 – https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/hingerichtete-chinesen-1900.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43873346.
14 Es sind unterschiedliche Varianten der Rede überliefert. Wikipedia: Hunnenrede – https://de.wikipedia.org/wiki/Hunnenrede
15 Innovationen, für die der Kapitalismus so gerne gelobt wird, gibt’s spätestens seit Beginn des Zweiten Weltkriegs fast nur noch auf Staatskosten, während Garagen-Düsentriebs ohne gute Beziehungen zum (von der neuen CIA-Chefin so genannten) »Deep State« über den Tisch gezogen werden, weil sie sich den Patentkram nicht leisten können.