Nachtrag von Kamal Salehezadeh zum Jour Fixe am 21. 01.206: „Der Aufstand im Iran“

Bei unserem Jour Fixe am 21.01.2026 referierte Kamal Salehezadeh mittels eines power point-Vortrages zum Thema: „Der Aufstand im Iran“. https://gewerkschaftslinke.hamburg/veranstaltungen/archiv/
In der anschließenden Diskussion wurde ihm auch, eher beiläufig, die Frage nach der Rolle der Tudeh-Partei beim jetzigen Aufstand gestellt. Der Genosse Kamal geht anhand eines Interviews in der Jungen Welt mit Navid Shomali, Internationaler Sekretär im ZK der kommunistischen Tudeh-Partei des Iran, in einem Nachtrag ausführlich auf diese Frage ein. Ebenfalls noch auf einen anderen Aspekt der lebhaften und langen Diskussion.
Wir erhalten noch einen Mitschnitt der Veranstaltung und reichen den nach.

Nachtrag von Kamal Salehezadeh zum Jour Fixe am 21. 01.206: „Der Aufstand im Iran“
Nach dem Jour Fixe bei euch bekam ich einige Reflexionen und interessante Fragen zu der Veranstaltung. Sie alle sind Ansporn für mich, weiterzumachen. Dafür bedanke ich mich sehr herzlich.
Die Tageszeitung Junge Welt führte ein Interview mit Navid Shomali, internationalem Sekretär im ZK der Tudeh-Partei des Iran (TPI), mit gleicher Fragestellung wie bei unserer Veranstaltung. Die Tudeh-Partei ist die Schwesterpartei der DKP u.a. Hier der Link zum Interview mit Navid Schomali:
»Wir wollen die Diktatur und den US-Imperialismus konfrontieren«
Ursachen, Zusammensetzung und Perspektiven der Protestbewegung im Iran. Ein Gespräch mit Navid Shomali
Von Philip Tassev
https://www.jungewelt.de/artikel/515984.proteste-im-iran-wir-wollen-die-diktatur-und-den-us-imperialismus-konfrontieren.html?sstr=navid%7Cshomali
Ganz neue Haltung der Tudeh-Partei
Diejenigen, die Positionen dieser Partei aus der Vergangenheit gegenüber der islamischen Regierung des Irans kennen, werden beim Lesen dieser Lektüre sehr überrascht sein. Denn diese Partei unterstützte das Regime jahrzehntelang ohne „Wenn“ und „Aber“. Offiziell hieß es: „Ettehad va Enteghad“, übersetzt so viel wie: Zusammenarbeit und Kritik: „Einheitsfront unter der Führung von Imam Chomeini“.

Obwohl die TPI nicht die bedeutende Partei mit dem Anspruch einer Partei der Arbeiterklasse war (auch nicht zahlenmäßig), spielte sie in den revolutionären Jahren im Iran neben der „Ranjbaran Party of Iran“ eine verheerende, destruktiv spalterische Rolle in der Arbeiterbewegung. Sie verharmloste die Unterdrückung des sozialen Widerstandes im Iran. Beispielsweise in Turkmensahra, einer Region im Nord-Iran, wo die Bauern sich in Bauernräten organisierten; in Kurdistan, wo ein Bündnis linksrevolutionärer Kräfte die Selbstverwaltung organisierte; die Selbstorganisationen in den Betrieben und Fabriken sowie Schulen und Universitäten… … bis zur Denunziation von Kommunisten. Bemerkenswert war es, dass die TPI sich im Ausland und in entsprechenden Publikationen als einflussreiche „kämpferische Widerstandspartei“ präsentierte, während sie sich dem Regime anbiederte. Die dunkle Bilanz dieser Partei ist sehr lang. Und ich habe nicht vor, all das hier darzulegen. Dennoch empfehle ich diesen Beitrag.
Das sind völlig neue Töne aus dieser Partei und wirklichkeitsnahe Betrachtungen, die ich gut und gern begrüße. Hoffen wir, dass diese Partei die Phase opportunistischer Politik tatsächlich überwunden und den Weg zur revolutionären Neustrukturierung gefunden hat.
Navid Shomali erwähnt mit Fug und Recht, dass „die Islamische Republik nie eine echte antiimperialistische Politik betrieben – auch nicht im Hinblick auf das anhaltende Leiden des palästinensischen Volkes“. Eine Ansicht, die die Organisationen wie Volksfedaijen, als größte revolutionäre linke Struktur im Nahost, schon ab 1979 vertraten.

War/ist die iranische islamische Republik bestrebt, eine „mittelalterlichere Herrschaft“ zu errichten?
Ein Kapitel in meinem Vortrag lautete: „Rückständiger Islamismus vs. Moderne“.
Das wurde als ein wichtiger Grund der Protestbewegungen im Iran genannt. Anscheinend fanden einige diese Beschreibung nicht passend, ja sogar eine Übertreibung. Ich nutze die Gelegenheit hier, anstelle einer Gegenüberstellung zweier völlig diametraler Kulturen inklusiver Lifestyles, in kürzer allein die Rückständigkeit der Scharia gegenüber neuzeitlichen Strafgesetzen zu nennen. Im Iran wurden als Strafe für kleine Diebstähle Finger, Hände und Arme abgehackt. Für andere Straftaten gibt es die Beseitigung von Augen-Iris und Pupille bis hin zur Steinigung. Die ganz großen Haie, die von der Staatskasse Beträge im Wert von hunderten Millionen USD raubten oder in der Privatwirtschaft in unglaubliche Dimensionen betrügen, bekamen nie (!) solche Strafen.

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