Sogar Gabriele Gysi kann rechts und links nicht mehr unterscheiden!

Von Alwin Altenwald

Als ich diesen Artikel von ihr las, erinerte ich mich an meine Oma, die zu mir als Kind sagte: Rechts und links darfst du verwechseln, aber nie Mein und Dein.
Was rechts und links ist, bekam ich dann als junger Mensch mit im Arbeitsleben, nachdem ich in die Gewerkschaft und eine politische Gruppe eintrat – und einen Kompaß kriegte, der rechts und links anzeigt. Gabriele Gysi läßt sich von der Lifestyle-Linken anstecken und sieht ein Verkehrschaos der Begriffe. Ernst Jandl würde von lechts und rinks sprechen.
Auch Massen von ArbeiterInnen fallen aus Mangel an Klassenbewußtsein auf die Propaganda der AfD herein, verwechseln also rechts mit links, sodaß die AfD sich zu Recht vor der CDU und weit vor der SPD als stärkste Arbeiterpartei bezeichnen kann. Und G. Gysi läßt sich von den irregeleiteten Proletariern anstecken!
In bezug auf Rechts und Links gibt es für uns einerseits grundsätzliche Tatbestände und andererseits taktisches Verhalten. Grundsätzlich: Links ist Klassenkampf, Internationalismus und Sozialismus. Rechts ist Sozialpartnerschaft (Volksgemeinschaft) mit dem Kapital, Ablehnung von Gewerkschaften und Nationalismus. Taktisch: Wie gehen wir mit KollegInnen um, die auf die AfD-Propaganda hereingefallen sind? Sie sind Lohnabhängige/Ausgebeutete wir wir! Die Antwort dürfte sich erübrigen! Anders ist es mit AfD-Kadern, denen gegenüber ist klare Kante zu zeigen.

Gabriele Gysi: „Die aktuelle Rechts-links-Diskussion schafft ein Verkehrschaos der Begriffe“
Von Felicitas Rabe
https://linkezeitung.de/2026/01/25/gabriele-gysi-die-aktuelle-rechts-links-diskussion-schafft-ein-verkehrschaos-der-begriffe/

Die Genossin Gysi definiert „Links-Sein“ als im „eigenen Gefühl verortet“. Das kann man machen, aber man kann „Links-Sein“ auch als klassenkämpferisch, internationalistisch und den Sozialismus anstrebend definieren.
Sie jedenfalls senkt den Daumen: „Theoretisch gesprochen, ist die Linke nicht mehr links, weil sie jegliche Form des Klassenstandpunkts aufgegeben hat, weil sie Internationalismus dem globalen Verwertungsanspruch des Kapitals unterordnet und im Kampf gegen nationale Bezüge und Forderungen globale US-amerikanische Herrschaft legitimiert und unterstützt.“
Im Moment werde deshalb „Links-Sein“ meist im eigenen Gefühl verortet und als Lifestyle gepredigt.
Und damit werde der Begriff „Links-Sein“ ganz aufgehoben.
In ihrer Kritik an Linken in ihrer Gesamtheit hat sie Recht. Aber sie weist nicht konkret auf, wo sich als „links“ oder sogar „radikal links“ Bezeichnende in den letzten fünf Jahren total versagt haben. Wir tun es, wir waren auch dabei, sowohl als Akteure als auch als Betroffene: 1. Bei den Demos gegen die Coronamaßnahmen haben die von G. Gysi gemeinten Linken (mit wenigen Ausnahmen
wie bei den sogenannten Kunsthallendemos in Hamburg, die linke Demos waren!) das Feld bürgerlichen Organisatoren bis hin zu AfD-Sympathissanten das Feld überlassen. 2. Im Ukraine-Krieg haben sich Teile der Linken auf die Seite der Regierung geschlagen, für Waffenlieferungen an die Ukraine und Sanktionen gegen Rußland. Und folgerichtig dann auch die Zustimmung zur Erhöhung des Rüstungsetats auf 5 Prozent des BIP (BruttoInlandProdukt). Und 3. Die Unterstützung der Regierung im Völkermord an den Menschen in Gaza durch die Staatsraison zu Israel.
In der Tat, das ist die Aufgabe des Klassenstandpunktes!

Aber die Genossin Gysi muß sich fragen lassen, ob alle Linken ihren Klassenstandpunkt aufgegeben haben, ob es nicht sogar einen Zulauf angesichts der gesellschaftlichen Bedrohungen gibt?!

Sie sagt: „… Das ist tragisch, weil die Linke ihre Wirkung im medialen Schaukampf erschöpft und die wirklichen Verteilungskämpfe nicht mehr zur Kenntnis nimmt.“ Warum übersieht sie dabei die realen Kräfte, die sich an den „wirklichen Verteilungskämpfen“ beteiligen? Hat sie noch nie was gehört vom „Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin“, vom „Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg“, vom „Gewerkschaftsforum Dortmund“, von Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken, von Nachdenkseiten, von labournet und vielen anderen? Es besteht eine Vernetzung von Widerstandgruppen, denen es allerdings noch an Organisation mangelt. Da hätte eine Kritik anzusetzen und mit dabei zu sein bei der Schaffung dieser Organisation.

Aber alle Gruppen in den Topf mit den Lifestyle-Linken zu werfen ist politisch ignorant und daneben! Es heißt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Und sie schüttet nicht nur die oben aufgeführten Gruppen mit dem Bade aus sondern auch noch Marx/Engels/Luxemburg. Gabriele Gysi sagt: „Die aktuelle Rechts-links-Diskussion schafft ein Verkehrschaos der Begriffe“. Sie trägt selbst zu diesem Verkehrschaos bei. Nachdem sie rechts und links abgeschafft hat weil ja nicht mehr zeitgemäß, steht sie ratlos da.

Es zeigt den Zustand bei Linken auf, wenn es für sie keinen Antagonismus mehr gibt zwischen links, dh, Sozialismus und rechts, dh Nationalismus.

Wer rechts und links nicht mehr unterscheiden kann befindet sich in einer großen Verunsicherung. Vielleicht wäre es für die Schauspielerin Gabriele Gysi nützlich gewesen, mit dem kürzlich verstorbenen Schauspieler Rolf Becker zusammen gekommen zu sein. Vielleicht hätte sie wieder eine linke Verortung bekommen.

 

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