Information vom Gewerkschaftsforum Hannover
Liebe Kolleginnen & Kollegen!
Während die Proteste gegen Israels anhaltenden Krieg und Genozid gegen die Palästinenser im Gaza-Streifen auf der Straße in Form von Demonstrationen leider kaum noch stattfinden, kommt es immer wieder zu betrieblichen Protesten gegen die Kolonialpolitik der rechtsextremen Regierung Netanjahu.
Nachdem am 6. Februar 2026 in diversen Mittelmeerhäfen Hafenarbeiter gegen Waffentransporte nach Israel streikten, traten am Freitag in Belgien Metallarbeiter der Rüstungsfirma Fabrique Nationale Herstal (*) in den Ausstand, um gegen den Besuch des israelischen Militärattaches in dem Unternehmen zu protestieren.
Dazu aufgerufen hatte der sozialistische bzw. sozialdemokratische Gewerkschaftsbund ABVV/FGTB. Er ist mit ca. 1,5 Millionen Mitgliedern, neben der gleich großen christlichen ACV/CSC, eine der beiden wichtigsten Dachverbände in unserem Nachbarland. Dort herrscht mit 39% noch einen relativ hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad und eine starke Kampfbereitschaft, obwohl auch dort ein rückläufiger Organisationsgrad unverkennbar ist. (2016 lag er nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft – IW – noch bei 52,4%.)
Beigetragen zu dem politischen Streik bei FN Herstal hat offenbar auch die Kritik von Friedensgruppen an der Produktion und den Geschäftsbeziehungen der Firma in der Vergangenheit.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsender „BRF“ brachte zu der Aktion eine deutschsprachige Kurzmeldung auf seiner Homepage:
https://brf.be/regional/2049907/
Ausführlicher ist der Bericht der liberalen Tageszeitung „Le Soir“ vom 13.2.2026, den wir für Euch übersetzt haben.
Bei dem Offizier handelt es sich offenbar um Oberst Moshe Tetro. Gegen ihn hat die Hind Rajab Foundation nach Aussagen ihres Generaldirektors Dyab Abou Jahjah dem Internationalen Strafgerichtshof bereits vor längerer Zeit Beweismaterial für eine Anklage übermittelt. Daraus gehe hervor, dass Tetro eine Schlüsselrolle bei Angriffen auf Krankenhäuser und bei der Politik des Aushungerns der Bevölkerung von Gaza gespielt hat. Außerdem fordert die Stiftung von der belgischen Regierung die Ausweisung des Offiziers als unerwünschte Person.
Dies meldete das Onlineportal „Middle East Monitor“ ergänzend am 14.2.2026 um 12:41 Uhr sowie der flämische Sender „VRT“ bereits am 3.12.2024:
https://www.middleeastmonitor.com/20260214-workers-halt-production-at-belgian-arms-factory-over-israeli-officer-visit/
https://www.vrt.be/vrtnws/de/2024/12/03/klage-gegen-israelischen-oberst-in-unserem-land-kriegsverbreche/
Siehe auch:
https://www.hindrajabfoundation.org/posts/hind-rajab-foundation-urges-belgium-to-deny-accreditation-to-moshe-tetro-amid-icc-complaint
Mit antimilitaristischen Grüßen,
Gewerkschaftsforum Hannover
Auszug/Zitate aus:
„Le Soir“ 13. Februar 2026 (11:12)
24-stündiger Streik bei FN Herstal: Die Gewerkschaft FGTB protestiert gegen den Besuch eines israelischen Militärattachés. „Diese Anwesenheit ist inakzeptabel!“
Am Donnerstag, dem 12. Februar 2026, wurde bei FN Herstal von der Gewerkschaft FGTB ein 24-stündiger Streik ausgerufen, nachdem ein israelischer Militärattaché dem Betrieb einen umstrittenen Besuch abgestattet hatte. Die Beschäftigten protestierten gegen diese Anwesenheit, die sie als inakzeptabel empfanden.
Camille Jahier
Bei FN Herstal herrscht Aufruhr. Nachdem die Arbeiterdelegation der FGTB über die Anwesenheit eines hochrangigen israelischen Vertreters in ihren Räumlichkeiten informiert worden war, beschloss sie, Maßnahmen zu ergreifen. Nach einer Versammlung der Teams für die Schichten von „7:30 bis 15:00 Uhr” und von „13:00 bis 20:00 Uhr” stimmten die Beschäftigten dafür, die Tore ab Donnerstag, dem 12. Februar 2026, um 20 Uhr für 24 Stunden zu schließen.
Auslöser für die Wut war die Teilnahme eines israelischen Offiziers an einem von der belgischen Armee organisierten Besuch der Unternehmensanlagen am selben Tag.
…
„Am 12. Februar befand sich jedoch ein israelischer Offizier, der kürzlich zum Militärattaché Israels in Brüssel ernannt worden war, in unseren Räumlichkeiten. Für uns ist diese Anwesenheit inakzeptabel. Der sofort beschlossene Streik spiegelt die tiefe Kluft wider, die zwischen unserer Vorstellung von Ehre und Würde und derjenigen der politischen Verantwortlichen auf föderaler und regionaler Ebene besteht“, fügt die Gewerkschaft hinzu und präzisiert, dass gegen den Militärattaché „von einer Brüsseler Vereinigung beim Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag Anzeige erstattet wurde“.
Die Protestaktion soll bis Freitag, 13. Februar, um 20 Uhr andauern.
(Übersetzung: Gewerkschaftsforum Hannover)
Französischer Originaltext:
https://www.lavenir.net/regions/liege/herstal/2026/02/13/greve-de-24-heures-a-la-fn-herstal-la-fgtb-proteste-contre-la-visite-dun-attache-militaire-disrael-cette-presence-est-inacceptable-TWTSZIK5PJAELFLUPNXVOX4Z6E/
(*) Fabrique Nationale Herstal bildet den Kern der Unternehmensgruppe FN Browning Group. Deren Belegschaft umfasst 4.100 direkt Beschäftigte. Sie produzieren Pistolen, Revolver, Maschinenpistolen und Gewehre bis hin zu schweren Maschinengewehren sowie die entsprechende Munition. Der größere Teil davon sind Kriegswaffen. Beim etwas kleineren Teil handelt es sich um Faustfeuerwaffen und Gewehre für Sport und Jagd.