Der Bürgerkrieg im Iran und die europäische Pseudo-Linke

Eine Argumentation gegen Karin Leukefeld und KO (Kommunistische Organisation)

Die beiden Texte, auf die sich der Verfasser, Kamal Salehezadeh, bezieht:

Karin Leukefeld: Was geschieht im Iran. Ein Blick hinter die Schlagzeilen
https://globalbridge.ch/was-geschieht-im-iran-ein-blick-hinter-die-schlagzeilen/
Kommunistische Organisation (KO)
https://kommunistische-organisation.de/stellungnahmen/solidaritaet-mit-der-islamischen-republik-iran/

Der folgende Beitrag ist vor allem an diejenige gerichtet, die sich auf Informationen der Sicherheitsorgane des islamischen Regimes im Iran und gelegentlich auf Informationen ehrwürdiger, renommierter Experten stützen, die nie das Land von innen gesehen oder zumindest einmal bereist haben und damit sich selbst und andere in die Irre führen. Denn die Situation im Iran ist keine Frage von „wie es scheint“, sondern „wie es ist“.

Und diesem zwingend notwendigen Hintergrundwissen dient mein Artikel, will man eine realistische Betrachtung vornehmen. Denn seit mehr als 25 Jahren hört man von den eben besagten Quellen ständig und immer wieder die alarmistische Warnung, dass Iran demnächst von bestimmten Ländern angegriffen wird. Also mehr als 25 Jahre Fehlalarm solcher Experten und ihrer
Anhängerschaft in der Welt.
Im Iran hat der Bürgerkrieg schon begonnen. Das Problem ist, dass die unterdrückten Menschen, die bisher Massen an Opfer zu beklagen hatten, keine anderen Waffen besitzen als Küchenmesser. Diese haben sie bisher üblicherweise zum Schälen von Zwiebeln benutzt und wissen nicht, wie man damit ins menschliche Fleisch sticht. Aber ihr Zorn wird sie geschwind und über Nacht schulen. Sie haben keine Gewehre und Panzer. Die NATO-Imperialisten und die Unterdrückungsapparate des Regimes im Iran haben diese Waffen und viel mehr.
Für die „Philanthropen“ sind selbst diese Worte giftig und bösartig, dabei drücken sie nichts anderes aus als die bittere Wahrheit.
Der Bürgerkrieg hat begonnen, und wir sind lediglich Zeugen der blutigen Ereignisse.
Diese Rolle, nämlich sich der Wahrheit zu widersetzen, machten sich die Philanthropen vor Jahrzehnten zu eigen, als sie das Regime im Iran „antiimperialistisch“, „fortschrittlich“ bezeichneten und bezeichnen.

Heute attestieren sie dem Regime sogar „moralische“ und „humanistische“ Überlegenheit,
entsprechend islamischer Lehre, weshalb das Regime in Tehran keinen Präventivkrieg startet.
Sie ignorierten das Morden an tausenden Kommunisten und fortschrittlichen Kräften im Iran. Stattdessen redeten sie sich vieles schön. Sie waren nicht bereit, Initiative zu ergreifen und auf das Feld zu ziehen, um die Wahrheit zu erkunden und wenigstens zu vermitteln, bevor es eskaliert. Denn sie vertraten ihre fehlerhaften Positionen und wähnten sich auf der richtigen Seite. Dabei verfügten sie allenfalls über Halbwissen, nicht aber über grundlegende Kenntnisse zu den sozioökonomischen Verhältnissen und Klassenunterschieden im Iran. Einige beabsichtigten, in Windeseile nach Tehran zu fliegen, um zu vermitteln, sobald sie meinten, das Land werde von den USA und ihren Verbündeten attackiert (ohne auf die Leute zu hören, die den Fehlalarm
erkannten).

Ich frage mich seit Jahrzehnten, warum Länder wie die VR China und die Russische Föderation mit besten Beziehungen zum Iran ihren Einfluss nicht nutzen, um das Regime zu einer vernünftigen Wirtschaftspolitik mit sozialem Mindeststandard zu bewegen und darüber hinaus sich von der religiösen Last zu befreien.
Mir ist nicht verborgen geblieben, wie schlecht beispielsweise die Vertreter der VR China in Tehran schon behandelt wurden. Nach dem Atom-Abkommen in Wien, 2015 schlug die VRC dem Iran vor, nach jahrelangen westlichen Sanktionen gegen das Land nun eine langfristige planmäßige Zusammenarbeit in Gang zu setzen.
Präsident Hasan Rohani lehnte den Vorschlag mit dem Hinweis ab, dass die Marschrichtung nach Westen geht: „Wenn wir mit dem Osten kooperieren wollten, hätten wir schon vor Jahren und ohne diese Krisen das getan.“ Dennoch sind solche Einflussnahmen zur Durchsetzung fundamentaler sozialer Mindeststandards, von mir aus hinter den Kulissen und ohne Zeigefinger, in internationalen Beziehungen keine Seltenheit. Dadurch würde im Iran ein Staat regieren, der als stabiler
Geschäftspartner für BRICS-Länder kein Schrecken und Schwankungen unterbreitet. Ein Staat ohne miserablen Ruf.
Wenn manche Pseudo-Linke in westlichen Ländern, die die Islamisten im Iran ohne Kritik hübsch frisieren, wenigstens begründen würden, dass sie dies aus globalen und strategischen Gründen tun, könnte man sie vielleicht besser verstehen. Aber sie präsentieren ein falsches Bild vom Land ohne Korrektur und Kommentar. Damit belügen sie alle außerhalb Irans, inklusive Intellektueller und Aktivisten. Wenn sie die Widersprüche Irans offenlegen würden, dann müssten sie die Klassenunterschiede und die sozioökonomisch gespaltene Gesellschaft darlegen und erklären. Und das zerkratzt das Bild der Herrschaft des Klerikers des theokratischen Staates.
Wie können solche Pseudo-Linke in Europa sich überhaupt als kompetent bezeichnen, andere zu informieren, wenn sie über die Klassenwidersprüche der iranischen Gesellschaft schweigen? Sie zeichnen seit Jahrzehnten ein einseitiges Bild von einem Regime, das von Millionen verarmter Menschen dieser Gesellschaft angeblich unterstützt wird. Und fälschlicherweise wird als Gegenpol, nur der Westen und seine Agenten ins Visier genommen.

Die neoliberale Klasse im Iran begriff schon vor langer Zeit, wie sie unter den Sanktionsbedingungen das beste Geschäftsmodell mit der Zustimmung und Beteiligung der klerikalen Kräfte durchsetzen kann. Gerade diese Entwicklung begünstigte den Einfluss des Westens mehr und mehr.
Es werden nicht nur die fehlenden Klassengegensätze des Irans verschwiegen, auch ihre politischen Repräsentanten kamen nicht zu Wort.
Bei der eben beschriebenen Haltung der quasi Linken sind alle „Guten“ und Glaubwürdigen innerhalb der islamischen Regierung. Die andere Seite besteht aus Kontrarevolutionären und Agenten. All die politischen Organisationen und autonomen gewerkschaftlichen Einigungen gibt es für sie nicht. Die Kommunisten, oder solche, die sich auf Klassiker des Marxismus berufen, revolutionäre Linke beispielsweise werden totgeschwiegen.
Nicht nur, dass die Pseudo-Linken über die Revolutionäre im Iran ein Schweigegelübde abgelegt haben, sie fallen noch der iranischen Arbeiterklasse in den Rücken, indem sie die Verbrecherkaste dort als antiimperialistisch und fortschrittlich darstellen. Ein Hauptwiderspruch, der nie überwunden wurde.

Der Iran startete schon im 18. Jahrhundert in die neuzeitliche Industrialisierung. Bis zu dieser Zeit entwickelte sich die Handelsbourgeoisie ungemein stärker als alle anderen Zweige der Wirtschaft. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Iran war ein wichtiger logistischer Knotenpunkt mit entsprechender Infrastruktur auf der damaligen Handelsroute Seidenstraße. Also von Ost nach West (Nordafrika) und umgekehrt. Eine parallele und harmonische Entwicklung aller Wirtschaftszweige
wurde vor allem durch den Einfluss, ja sogar die Dominanz der damaligen Kolonialmächte behindert und zerstört. Da waren die iranischen königlichen Höfe, Provinzhäuptlinge und Warlords, die von ausländischen Kräften geschmiert oder unterdrückt wurden.
Wichtig ist an dieser Stelle zu betonen, dass die Gesellschaft einen neuen Weg in die Moderne eingeschlagen hatte, der ungemein widersprüchlich und schmerzhaft war.
Es lag im Interesse der westlichen Mächte, diese Handelsroute (Ost-West) zu zerstören. Süd-Nord war angesagt – aus den warmen Gewässern des persischen Golfs bis in den Norden am Kaspischen Meer, über Tehran und Ressourcengebiete des Landes. Die Industrialisierung und gewisse persönliche Freiheiten erlebten eine sprunghafte Entwicklung im 20. Jahrhundert. Dafür waren vor allem verantwortlich die konstitutionelle Revolution 1905–1911, revolutionäre und

antiimperialistische Aufstände in diversen Landesteilen bis hin zur Errichtung säkular republikanischer Staaten mit sozialistischen Ansätzen, die immer wieder von der Reaktion, namentlich Schah, islamische Kleriker, Landbesitzer v.a., und ihren ausländischen Garanten
niedergeschlagen wurden. Die Forderungen und fortschrittlichen Programme mancher neu gegründeten Republiken beeinflussten zwangsweise sogar die Politik des Schahs im Rahmen der sogenannten „Weißen Revolution“, aber auch die Prosperität des Landes, die historisch und kapitalistisch bedingt unstetig blieb.

Man muss sich die Städte so vorstellen, dass die Mittel- und Oberschicht sich nach neuester westlicher Mode kleidete, die eventuell durch eine Einkaufstour in Europa besorgt wurde, moderne Elektronik und Musik ein Muss war, mit Familienkutsche etc. Für deren Anschaffung war das Familienpaar an reichlich vorhandenen Arbeitsplätzen, beschäftigt. Und in unmittelbarer Nähe solcher Städte sind Slums entstanden: Pauperismus iranischer Art. Industriekolosse und Slums dicht
beieinander.
Doch im Gegensatz zur westlichen Welt waren soziale Artikulation und freie Meinungsäußerung absolut tabu. Für die Missachtung dieser Regeln gab es modernste Folterkammern und Gefängnisse, von ausländischen Geheimdiensten ausgebildetes Personal sowie einen gigantischen Sicherheitsapparat mit tausenden Mitarbeitern. Es galt die Direktive: „Alle müssen Mitglied der Partei Rastakhis (Auferstehung) sein!“ Also die einzig legale Partei, genannt: Schahs Partei;
gegründet im März 1975.

Der Schah forderte in einer pompösen Veranstaltung all jene auf, die mit seiner Partei nicht einverstanden sind, das Land zu verlassen oder mit Verfolgung und Verhaftung zu rechnen (übrigens drohte Reza Pahlvis Gefolgschaft dies heute wieder, ohne seinen Widerspruch). Aber eben dieser Sicherheitsapparat und der abergläubische Mohammad-Reza Pahlavi förderten die Mullahs und die religiösen Einrichtungen wie die Moscheen und ihre Ausbildungsstätten. Kurzum: eine sozioökonomisch gespaltene Gesellschaft in jeder Hinsicht, mit nationalistisch (seitens der Monarchie) religiösem Überbau.

Doch die Jugend will (damals wie heute v. a. in den Städten) studieren, die moderne Welt entdecken, Fortschritt und Freiheit erleben. All das war die explosive Mischung für den revolutionären Aufstand 1978 und Folgejahre mit einem Wendepunkt im Februar 1979 (siehe: Kamal Salehezadeh; Beitragsreihe in diversen Ausgaben der Zeitschrift „Gefangenen Info“ 2016–2017).

Nicht nur, dass dieser dominante, moderne säkulare Teil der Gesellschaft auf die Straße ging, um imperialistische Einflüsse zu unterbinden, und soziale Gerechtigkeit sowie bessere Lebensbedingungen zu erschaffen. Auch die Radikalisierung der Bewegung auf der Straße schulte rasant die Demonstranten politisch.
Diese Entwicklung ist die Stunde für Kommunisten, die bis dahin kaum eine Rolle in der
Gesellschaft spielten, weil sie i. d. R. im Untergrund agierten (mit hunderttausenden intellektuellen Anhängern). Das war das Warnsignal für westliche Imperialisten, allen voran: die USA, GB, die BRD und Frankreich.

Die Islamisten unter dem Anführer Khomeini sollten für sie die Kastanien aus dem Feuer holen:
Den Einfluss des Kommunismus unterbinden, indem sie zehntausende Kommunisten eliminierten,
soziale und autonome Entwicklungen in Turkmansahra und Kurdistan, aber auch in
Betrieben und Universitäten niederschlagen und verboten. Der Krieg, provoziert vom
Regime in Tehran, gestartet und verantwortet vom Irak, war das erfolgreiche Instrument, um diese Ziele zu erreichen und die Gesellschaft zu disziplinieren, um die Kontrarevolutionäre auf beiden Seiten der Landesgrenze zu stabilisieren.
Der Widerspruch zwischen säkularer, fortschrittlicher Gesellschaft und rückständig
islamistischem Überbau mit kapitalistisch neoliberaler Grundordnung bekam einen neuen Schub. Um das zu veranschaulichen, wird statt einer Gegenüberstellung zweier völlig diametraler Kulturen im einzelnen inklusiven Lifestyle in Kürze allein die Rückständigkeit der Scharia gegenüber neuzeitlichen Strafgesetzen genannt.

Im Iran wurden erst ab 1979 die für die Gesellschaft völlig unbekannten Scharia-Gesetze eingeführt. Als Strafe für kleine Diebstähle werden Finger, Hände oder Arme abgehackt. Für andere Straftaten gibt es die Beseitigung von Augen, Iris und Pupille, bis hin zur Steinigung.

Die ganz großen Haie, die von der Staatskasse Beträge im Wert von hunderten Millionen USD rauben oder in der Privatwirtschaft in unglaublichen Dimensionen betrügen, bekommen nie (!) solche Strafen. Das heißt, nicht allein die rückständigen Gesetze wurden eingeführt, sondern ungerechterweise bleibt die Elite der kapitalistischen Ordnung von diesen Strafen verschont.

Aber auch die Unterdrückung der Frauen kam per Gesetz und Willkür: Kopftuchzwang. Bei
betriebsbedingten Kündigungen werden zuerst Frauen entlassen. Die Benachteiligung der Frauen ist gesetzlich und in vielen Fragen, wie beispielsweise Familienrecht verankert. Gleichzeitig blühte das Geschäft mit exklusivem Schmuck und teuren Luxusgütern. Das islamische Regime war für Frauen ein weiterer Schritt rückwärts ins Patriarchat, wogegen sie am 8. März 1979, wenige Monate nach
Installation des islamischen Regimes, massenhaft auf die Straße gingen.

Bis 1988, das Ende des Krieges und Massenhinrichtungen an Kommunisten (u. a.), konnte diese allgemeine Haltung der Gesellschaft durch eben diese fortschrittlichen Kräfte mobilisiert und adressiert werden. Ab dieser Zeit fanden die beinahe zyklischen und wiederkehrenden Aufstände der Massen nur spontan, unorganisiert und führungslos statt. Unmittelbar nach den großen Hinrichtungswellen ist die Gesellschaft erschrocken, eingeschüchtert und still. Erst ab Mitte der 90er Jahre drücken die Menschen ihren Unmut wieder auf der Straße aus. Wie bereits dargelegt, besitzen die Aufstände gleiche Merkmale, unabhängig von dem Auslöser wie Wahlbetrug (wiederholt), Verteuerung des Kraftstoffs, Wassermangel und falsche Planung und Verteilung … Ab 2018 werden diese Intervalle dichter, ihre Ausdrucksformen radikaler und massenhafter.
Das wiederholte Handlungsmuster des iranischen Sicherheitsapparats

Mahmud Ahmadinejad, der ehem. Präsident des Irans, erzählte in diversen Interviews, dass die Paramilitärs im Auftrage der Sicherheitsorgane selbst die staatlichen Gebäude angreifen, Privateigentum zerschlagen und Moscheen in Brand setzen, um eigene Mitläufer emotional zu mobilisieren. Demonstranten sind zu diskriminieren und zu bestrafen, um eine Atmosphäre von Angst in der Gesellschaft zu erzeugen.
Dr. Mahmud Sadeghi, ein Reformer und ehem. Abgeordneter des Parlaments (Majles), drückte seinen Unmut über das Vorgehen der Sicherheitsorgane gegen Demonstranten von der Tribüne des Parlaments aus. Er agierte quasi als Whistleblower. Dafür büßte er eine Haftstrafe ein. Sadeghi berichtete von einer nicht öffentlichen Sitzung der Sicherheitskommission des Parlaments, bei der Ali Shamkhanie, als Sekretär des „obersten Sicherheitsrats“ und Sicherheitsberater von Ali Khamenei befragt wurde. Es ging um den Aufstand im Oktober/November 2019: „Aban-e Khoonin“ (Blutiger Monat Aban – Sonnenkalender). Der Auslöser der Massenproteste war die
Verteuerung des Spritpreises. Hunderte Menschen wurden durch Paramilitärs (Bassij) erschossen. Nach diesen Ereignissen wurde Ali Shamkhanie als verantwortlicher Befehlsgeber befragt: Wie der Befehl an Bassij und die NoPa (Sondereinheit) gelautet habe, wollten die Kommissionsmitglieder wissen. Shamkhanie: Auf die Beine der Demonstranten Schießen. Frage: Und wie weiter, wenn die Demonstranten nicht nach Hause gingen? Shamkhanie: Alle Demonstranten erschießen. „Wir werden auf alle Demonstranten schießen, ohne Ausnahme, bis wir die Lage im Griff haben.“

Am 7. Februar 2026 tauchte ein Mitschnitt einer Sitzung auf, der inzwischen verifiziert und von unzähligen Sendern verbreitet worden ist. Darin ist die Stimme von Ali Shakoorie-Rad zu hören. Er war Mitbegründer der Partei „Ettehad-e Mellat“ (Die Union der Nation). Auch er war Abgeordneter im Parlament und wurde mehrmals verhaftet. Bis vor wenigen Tagen gehörte er dem Beraterteam des Präsidenten Masoud Peseshkian an. Nach der Veröffentlichung dieser Tonaufnahme ist er
verschwunden. Die regierungsnahen Medien berichteten am 8. Februar 2026, dass er zusammen mit drei weiteren Personen verhaftet worden ist. Aber jetzt (seit 12. Februar) sind selbst diese Seiten, die die Nachricht seiner Verhaftung veröffentlicht haben, nicht mehr erreichbar.
Shakoorie-Rad beklagt in seinem mehr als 22-minütigen Vortrag wieder einmal, dass die Sicherheitsorgane die Gesellschaft polarisierten: in „Umstürzler-Lager“ und „Erhalter-Lager“.

Dazwischen gibt es nichts. Reformer haben keinen Platz. Er nennt das Beispiel eines Medizinpaares. Das Paar (Dr. Hamid Ghareh-Hassanlou und seine Frau) war seit Jahren bekannt, als Freiwilliger mitzuhelfen, wo im Lande Katastrophen-Not herrschte. Sie unterstützten auch während der Aufstände die Verletzten, ohne jegliche politische Stellungnahme. Bei dem Aufstand im Herbst- Winter 2022 wurde das Paar in seiner Heimatstadt Karaj verhaftet und kurz danach
zum Tode verurteilt (inzwischen aufgehoben, Haftende ungewiss). Sie wurden beschuldigt, ein Mitglied der Bassij-Milizen (Ruholla Ajamian) in Karaj getötet zu haben. Jetzt plaudert Shakoorie-Rad, immerhin von Präsidenten mit geheimdienstlichen Aufgaben beauftragt, über die Umstände der Tötung des Mitglieds der Bassij-Milizen. Er berichtet, dass er gezielt von den Sicherheitsorganen erschossen wurde, um diesen Mord den Aktivisten auf der Straße in die Schuhe zu schieben.
Eine weitere bittere historische Wahrheit kommt ans Licht: der aktuelle Aufstand
Die Beschreibung im ersten Abschnitt ist die allgemeine Grundtendenz in der
iranischen Gesellschaft in den letzten 47 Jahren. Also: rückständiger Islamismus vs. moderne säkulare Lebensweise. Aber nun zu dem Hintergrund des neuerlichen Aufstandes. Iran ist eines der reichsten Länder der Welt. Er besitzt die größten Öl- und Gasreserven unseres Planeten, aber auch Kupfer, Uran, Eisenerz, seltene Erden und Aluminium. Von diesem Reichtum profitiert eine kleine Oberschicht von etwa einem Prozent, die in unverhältnismäßigem Luxus lebt, durch Korruption und
Vetternwirtschaft auf Basis einer neoliberalen Wirtschaftspolitik. 45 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, 90 v. H. in bitterer Armut.
Während des Iran-Irak-Krieges schickte das verbrecherische Regime der Islamischen Republik Iran Teenager und junge Menschen mit dem Versprechen und der Täuschung vom „Paradies“ auf die Minenfelder an den Kriegsfronten. Der faschistoide Reza Pahlavi und seine westlichen Befehlsgeber, Donald Trump u. a., lockten am 8. und 9. Januar 2026 mit dem Versprechen einer militärischen Intervention und der Konfrontation mit dem iranischen Regime noch die letzte und
zusätzliche Reserve der unzufriedenen Gesellschaft v. a. die jungen Menschen mit leeren Händen auf die Straße, wo sie am Ende durch sogenannte Revolutionswächter und Bassij abgeschlachtet wurden. Diese jungen Menschen hätten lernen müssen, dem verbrecherischen Feind die Waffen zu entreißen, um ihn zu besiegen, statt ihre Hoffnungen auf jene Länder zu setzen, deren einziges
Anliegen die Plünderung von Ressourcen ebenso wie der kapitalistische Profit ist und niemals die Befreiung und Freiheit der iranischen Völker!

Der Auslöser dieses Aufstandes war der Währungsverfall. Wie bereits erwähnt, wiederholen sich die Aufstände in einer Regelmäßigkeit, aber auch in stärker werdender Radikalität und Teilnahme weiterer Gesellschaftsschichten. Bei früheren Protestbewegungen waren „Basaris“ (Kleine- und Mittelschicht der Handelsbourgeoisie) bestenfalls mit der Schließung ihrer Läden beteiligt. Jetzt gehen sie selbst auf die Straße. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Basaris nicht als homogene Gesellschaftsschicht betrachtet werden können. Allgemein sind sie als konservativ zu bezeichnen. Allerdings unterscheiden sich diejenigen Zünfte, die mit elektronischen Waren aus dem Ausland zu tun haben, von den Basaris, die traditionelle Produkte aus dem Iran anbieten. Eben die ersteren waren vom Währungsverfall unmittelbar betroffen.

Die tägliche Entwertung des „Rials“ bedeutete, dass sie die verkauften Waren am nächsten Tag viel teurer einkaufen mussten als gestern verkauft. Also lieber gar nichts verkaufen. Bankrott!
Die schweren Sanktionen der imperialistischen Länder zwingen den Iran, nur mit den Ländern Transaktionen zu betreiben, die diese Sanktionen nicht ernst nehmen: also China (VRC), Russland (RF) … Nun bot die VRC dem Iran stets Tauschgeschäfte an. Das heißt, keine Abwicklung der Geschäfte in fremder Währung. Aber die neoliberalen iranischen Geschäftsleute (große Handelsbourgeoisie), die auch die höchsten Ämter im islamischen Staat bekleiden oder mit solchen verbunden („Aghazadeh-ha“) sind, lehnten die Tauschgeschäfte ab und verlangten zB von China die Transaktionen mit ausländischen Währungen – am besten den USD. Also die Imperialisten wussten ganz genau, was sie mit ihren Sanktionen im Iran bewirken und wen sie fördern. Haben aber unsere „Linken“ das verstanden? Wo boten sie uns einmal eine Analyse über die mächtigen Trusts, die das Land beherrschen? Damit könnten sie die Pläne der Imperialisten für die Bevölkerung in westlichen Ländern entlarven.

Diese Geschäftsleute bilden Handelskonglomerate und agieren als Trusts. Fast der gesamte Außenhandel des Irans wurde im Laufe der Jahre privatisiert und befindet sich in deren Händen. Eine reguläre strategische Reserve an wichtigen Waren gibt es nicht. Iran ist das neoliberalstes Land schlimmste Sorte. Die Trusts erhalten vom Staat subventionierte Währungen, v.a. US-Dollars für eine Frist über mehreren Monaten. Und sie schöpfen die Fristen voll aus. In dieser Zeit werfen sie ihre USD auf den Markt über finanzstarke Wechselstuben. Eigentlich sollte man meinen, dass
durch das große Angebot an Fremdwährung der Preis für Dollar gegenüber der Landeswährung „Rial“ fallen müsste. Aber die Dollar-Anbieter sind so mächtig und bestimmend, dass sie einen viel höheren Rial-Preis für ihre Dollars verlangen. Das war immer die relevanteste Ursache für stetigen Fall der Landeswährung und damit die Inflationsrate über 30 v. H. Also dauerhafter Verlust der Kaufkraft der kleinen Leute, aber vor allem, die der abhängig Beschäftigten, die Arbeiter beispielsweise.

Wie die Praxis zeigt, verschwinden diese gigantische Einnahmen der neoliberalen Handelsbourgeoisie auf Privatkonten im westlichen Ausland: Kanada, Australien … Nicht ohne Grund besitzen sie unbefristete Aufenthaltserlaubnis in diesen Ländern sowie Luxus-Immobilien, Yachten; ihre Familien leben dort. Die verschärften Sanktionen scheinen ihr paradiesisches Leben nicht im Geringsten zu beeinflussen. Während die iranische Bevölkerung erlebt, wie sie täglich verarmt, betrogen und beraubt wird.
In den Nullerjahren wurde von den stark zensierten Medien im Iran stets die Gewaltlosigkeit bei den Protesten propagiert. Die Gesellschaft verstand dies damals als eine Art besseren Umgang als bei den blutigen Revolutionsjahren der 70er und 80er Jahre, sodass ein Grundkonsens, auch wenn falsch, als allgemeine Haltung galt. Aber die Erfahrungen der Menschen auf der Straße änderten mehr und mehr diesen Standpunkt.

Das radikale Vorgehen der Demonstranten heute ist überwiegend das Ergebnis dieses Prozesses.
Die Demonstrierenden wussten aus all diesen Erfahrungen, dass sie der Brutalität der Paramilitärs unterlegen sind. Was sie aber diesmal noch zusätzlich ermutigte, war Trumps Versprechen, militärisch zu intervenieren; dazu Statements aus dem Munde westlicher Politiker wie Friedrich Merz während seines Aufenthaltes in Indien:
„Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen“. (Tagesschau; 13.01.2026). Diese Botschaften ließen bei den in Not geratenen Menschen im Iran keinen Zweifel daran, dass dies das letzte Gefecht sein würde, und mobilisierten die unzufriedene Masse, die bis jetzt abwartend die Demonstrationen als unwirksam erachtet hatte und deswegen nicht daran teilnahm. Damit erhöhte sich die Zahl der teilnehmenden Demonstranten, die sonst diesem Aufstand ferngeblieben wären. Laut internen offiziellen Angaben der islamischen Regierung gingen 1,5 Millionen Menschen in 400 Städten und 900 Orten auf die Straße. Andere Angaben sind viel höher.

Dr. Ali Schakoori-Rad zitiert einen aktuellen Beitrag eines Studenten im Fach Sicherheitsdienst mit Promotionszulassung: „Um die Anwendung schwerster [staatlicher] Gewalt zu legitimieren, müssen vorher eigene Personen [der Sicherheitsorgane] erschossen werden“, um das den Demonstranten anzulasten. Schakoori-Rad fügt das Beispiel von einer Miliz in Karaj hinzu (siehe oben). Er meint,
dass das Szenario der aktuellen Straßenschlacht von den Sicherheitsorganen vorbereitet und umgesetzt wurde. Denn sie wussten, dass unter diesen krisenhaften Zuständen ein Aufstand unabwendbar sein würde. Sie planten das für just zwei Tage nach dem Beginn der Universitätsferien und starteten das mit ihren Verbindungen durch Basaris, die besonnen auf die Straße gehen. Aber die weiteren Entwicklungen mit Trumps Rede und Reza Pahlavis Aufruf konnten sie nicht mehr kontrollieren (ebenda). Schakoori-Rad schließt die Beteiligung ausländischer Agenten bei den
Auseinandersetzungen nicht aus. Er verlangt eine Untersuchung hierzu und sagt: „Es ist keineswegs glaubwürdig, dass alles durch Israelis angetrieben wurde, und wenn schon, dann muss es auf höchster Ebene bei der Planung und Inszenierung geschehen sein.“

Was sagen die Verteidiger des islamischen Regimes?
Aus dem Kreis der Verteidiger des islamischen Regimes setzen wir uns mit der Haltung von Karin Leukefeld (KL) und „Kommunistische Organisation“ (KO) stellvertretend für solche Pseudo-Linke auseinander.
Diese Pseudo-Linke ist verliebt in eigene selbstgebastelte Antiimperialismus-Märchen. Allein in den letzten 25 Jahren ließ sie über 50-mal alarmistisch die Kriegssirenen gegen den Iran heulen. Aber nicht einmal erklärte sie, welchen Klassencharakter das Mullah-Regime besitzt.
Warum wurde Khomeini während der letzten Tage der Revolution im Iran aus der kaum bekannten Stadt Najaf im Irak nach Paris gebracht, um später, eskortiert von NATO-Kampfjets, nach Tehran zu fliegen?
Welche konspirativen Abmachungen gab es zwischen einem abtrünnigen Schah-General namens Gharanei mit Verbindung zur US-Administration und Khomeini?
Welchen Deal machte Khomeini in Paris mit Imperialisten, und zwar vor den Kameras und Mikrofonen aller Nationen? Warum gab es dort tägliche Briefings von US-Agenten und dem Beraterteam von Khomeini?… von geheimen Waffen-Deal (Iran-Kontra-Affäre) und mehr als 20-jährigen „Atom-Verhandlungen“ hinter den Kulissen ganz zu schweigen.

Zur Haltung von Karin Leukefeld: zu viel Politkrimi anstatt Gesellschaftsrealität
Durch lange Erfahrung kann man feststellen, dass die quasi antiimperialistische Linke eine irreführende Haltung annimmt. Sie beschäftigt sich entweder zu sehr mit den Aussagen der westlichen Militärs und Sicherheitsexperten oder mit der Propaganda des islamischen Regimes im Iran und nehmen diese für bare Münze.
Die ersteren Aussagen dienen dazu, externe Faktoren als relevante Faktoren der Entwicklungen darzustellen. Schon nach dem militärischen Angriff der Länder der sog. „internationalen Gemeinschaft“ auf den Irak wurde eben diese Linke laut: „Kein Krieg gegen den Iran“, hieß es. Solche Linken warnte bereits 2007 im „Kasseler Friedensratschlag“ vor dem dritten Weltkrieg, welcher bald mit dem Angriff auf Iran beginne. Solche Warnsignale wurden im Wochentakt gesendet.
Dieser Alarmismus stärkte bestimmt die Glaubwürdigkeit der Friedensbewegung nicht. Experten und Thinktanks wurden zitiert, die detaillierte Pläne präsentierten: Welche und wie viele Kampfjets aus welchen Stützpunkten aufsteigen, welche Ziele im Iran bombardiert werden… Eine Darstellung, die diesen Behauptungen widersprach, war nicht erwünscht. Auch der Hinweis, dass die hochrangigen Militärs solche Pläne in den Schubladen für solche Szenarien bereithalten müssen, um ihren gut dotierten Sold legitimieren zu können, bedeutet ja nicht, dass sie alle real stattfinden werden. Und das ist die Achillesferse der Externalisten: Das Land und ihre sozialen Gefüge und Widersprüche zählen für ihre Argumentation ebenso wenig wie die Klassenauseinandersetzung in Iran seit fast fünf Jahrzehnten. Aber wie ein Scholastiker will diese Linke die Realität dennoch erkannt haben, indem man der Logik der Militärs folgt. Und wenn sie eine Ansicht aus dem Land holen möchten, „lassen [sie] Minister der iranischen Regierung und Analysten zu Wort kommen“
(Karin Leukefeld: Was geschieht im Iran? Ein Blick hinter die Schlagzeilen GlobalBridge; 16.01.26)

Ein persisches Sprichwort besagt: „Den Fuchs fragte man, wer sein Zeuge sei; der antwortete: Mein Schwanz.“ Das ist genau der Kritikpunkt, nämlich die einseitigen Nachrichtenquellen, die KL den Journalisten der Medien in Deutschland vorwirft. Mit Recht. Aber warum sie selbst den journalistischen Kodex nicht beachtet, bleibt ihr Geheimnis. Anders gesagt: KL ist Opfer der Cyber- und Propaganda-Armee der islamischen Regierung geworden. Nicht einmal die Demonstranten wurden zitiert. „Demonstranten“ sind laut KL genehm. Sie unterscheidet gemäß dem obersten Schiitenführer Khamenei zwischen Aufständischen und Demonstranten. Erinnern Sie sich? Die Demonstranten sind die konservative Basaris, die im Rahmen der Pläne der Sicherheitsorgane auf die Straße gehen. Und die Aufständischen sollten mit Gewehrkugeln der Paramilitärs durchlöchert werden. KL übernimmt fast wortwörtlich die Beschuldigungen von Khamenei: Die
„Aufständischen, die sich landesweit unter Demonstranten mischten und rohe Gewalt einsetzten“ schossen „aus den hinteren Reihen oder von seitwärts der Demonstrationen“ „auf die iranischen Sicherheits- und Polizeikräfte“. Beweise, Quelle? Fehlanzeige! Eine lächerliche Behauptung, die hier und gleich entlarvt wird.

Bei den Auseinandersetzungen in diesen Tagen kamen tatsächlich Personen der Paramilitärs (Bassij) ums Leben oder wurden verletzt. Diverse iranische Fernsehsender zeigten Bilder unzensiert. Die Verletzten wurden im Krankenhausbett interviewt. Sie alle trugen schlimme Narben, blutige Abschürfungen und Verletzungen am ganzen Körper. Das widerlegt aber eindeutig die Behauptungen der Regierung und von Frau KL. In Wahrheit wurden die beschriebenen Personen durch von Zorn gepackte Demonstranten überwältigt und malträtiert. Nur in seltenen Fällen
gab es Schussverletzungen durch Gewehre. Es erklärt sich von selbst, dass die von
überwältigten Scharfschützen abgenommenen Gewehre in den Händen der Demonstranten gefallen sind. Daher wiederhole ich eingangs gesagte Sätze: Im Iran hat der Bürgerkrieg schon begonnen. Das Problem ist, dass die unterdrückten Menschen, die bisher Massen an Opfer zu beklagen hatten, keine anderen Waffen haben als Küchenmesser. Diese haben sie bisher üblicherweise zum Schälen von Zwiebeln benutzt und wissen nicht, wie man damit ins menschliche Fleisch sticht.
Die Sache kann mit anderer Logik betrachtet werden. Ist das verhältnismäßig, dass mehrere tausend Demonstranten abgeschlachtet werden, weil ein Polizist und einige Paramilitärs (Bassij) erschossen wurden?

Auch wenn die Quelle von KL als glaubwürdig eingeschätzt wird und „die türkische Armee […] den Iran über bewaffnete Aufständische“ informierte, „die aus dem kurdischen Nordirak über Kermanshah in den westlichen Iran vordrangen“. Wie erklärt sich dann, dass tausende Demonstranten weit weg von der Grenzregion über tausende Kilometer entfernt im Inneren des Landes erschossen wurden? Wenn man den iranischen Alltag kennt, weiß man, dass immer und überall spontan Kontrollposten errichtet werden. Die Sicherheitsorgane bekamen die Information aus der Türkei, dass bewaffnete Kurden in den Iran eindringen, und sie konnten sich binnen kurzer Zeit (zwei Tage) landesweit (an über 900 Orten!) in Stellung bringen und die Regierung konnte sie nicht neutralisieren und festhalten?
KL begibt sich wagemutig auf Glatteis, wenn sie sich ausführlich der Interpretation einer Szene aus einem Videoclip widmet, der propagandistisch von der Regierung verbreitet wurde. KL suggeriert uns, dass das Mädchen auf einem Foto ihr Leben durch gewalttätige Demonstranten verlor. Kann es nicht sein, dass der von KL beschriebene Mann, der das Bild hochhält, um den verlorenen Vater des Mädchens trauert und nicht um das Mädchen selbst? Denn einen Tag vor dem von der Regierung veranstalteten Trauerzug in der Stadt Isfahan veröffentlichte sie die Namensliste aller getöteten Regierungsanhänger in der gesamten Provinz Isfahan in mehreren Publikationen: 19 Namen stehen auf der Liste. Kein einziger davon ist ein Mädchenname. Schützenhilfe bekommen Sie, Frau KL, von dem US-Botschafter Waltz. Er „griff die Forderungen auf und erklärte, „im Weißen Haus seien „alle Optionen auf dem Tisch, um das Gemetzel zu stoppen“. Präsident Donald Trump sei ein Mann der Tat und nicht des nutzlosen Geredes“. Und Ihr Zeuge, oder um mit Fabelsprache zu sprechen Ihr Schwanz „Außenminister Aragchi erklärte, angebliche Hinrichtungsbefehle durch Erhängen im Schnellverfahren werde es nicht geben.

Die folgenden Aufnahmen von Dutzenden LKWs voller Leichen der Hingerichteten und vom Regime getöteter Menschen sind mehrere Wochen nach den Aussagen Ihrer Zeugen, vor wenigen Tagen entstanden: Frau KL, können Sie eigentlich die wenigen Särge der Regierungsanhänger von
denen der Demonstranten unterscheiden? Die Särge der Regierungsanhänger werden mit vollen Ehren auf geschmückten Fahrzeugen unter einem Berg von Blumen transportiert. Das staatlich organisierte Begräbnis wird von Regierungsmedien live und wiederholt übertragen. Kontrast dazu die Leichen der Demonstranten! Massenweise auf riesigem Gelände in schwarzen Säcken gestreut
oder in Lagerhäusern gestapelt. Die Aufnahmen solcher Leichensäcke sind auf lediglich wackligen Aufnahmen privater Mobiltelefone zu sehen!
Merkwürdig! Hat es eine Verwechslung gegeben? Waren all diese leblosen Körper ausländische Agenten? Warum zählt das Regime diese nicht zum Volk und verwehrt es diesen eine menschenwürdiges Begräbnis? Weil es sich nicht um Agenten handelte, sondern um das zornige, aufgebrachte Volk, das sich wehrte gegen das Regime!
Deshalb zahlen Familienangehörige Unsummen für die Kugel, mit der der Mensch erschossen wurde. Es sind diverse Fälle bekannt, dass das Regime den Angehörigen, die diese Summen nicht aufbringen konnten, die Alternative anbot, die Getöteten als Bassij-Mitglied zu deklarieren, das durch Demonstranten ums Leben gekommen ist. Das ist zynisch und menschenverachtend! Eine Schande sondergleichen.
Im Gegensatz zur herbeigesehnten Beendigung des aktuellen Aufstands nach dem Begräbnis der Getöteten, wie KL es so behandelte, gehen die Proteste weiter.

KO allein zu Hause
In den vorherigen Kapiteln wurde ein ziemlich klares Bild der iranischen Gesellschaft und der aktuellen Situation und Krise aufgezeichnet, welches auch zur Korrektur der Darstellung der KO gilt. Hier werden konkret die Verwirrungen und Täuschungen der KO behandelt.
Ko ruft unverhohlen zur „Solidarität mit der Islamischen Republik Iran!“ auf.
Sie beruft sich auf unseriöse Quellen. Tasnim News Agency z. B. ist das
Propagandaorgan der sog. Revolutionsgarden. Also diejenigen Militärs, die bei der
Unterdrückung aller bisherigen Aufstände im Iran, also an Mord und Totschlag, beteiligt waren. NoPa ist eine Sondereinheit dieses Organs, dessen Aufgabe die Bekämpfung der Demonstrationen ist.
Die sog. Massenmobilisierung seitens der Regierung ist nicht während der Auseinandersetzung auf der Straße zustande gekommen, die KO darstellt. Für das Niederschießen der Demonstranten benutzt das Regime die Paramilitärs (Bassij) und NoPa. Da ist aus der Sicht der Sicherheitsorgane kein Platz für Frauen, Kinder und ältere Menschen als ihrer Anhängerschaft. Aber auch die Anhänger des Regimes, die durch brutales und hinterhältiges Vorgehen der Paramilitärs erschüttert werden können und das Handwerk des Mordens nicht gelernt haben, kommen nicht infrage.
Diese „Massen“ sind für die Shows vor den Kameras nützlich und tauchen nach Abruf mit einem Meer aus islamischen Flaggen und Bildern inszeniert auf die Straße. Das iranische Volk besteht nicht aus Regierungsanhängern. Das sollte die KO eigentlich wissen. Die Anhängerschaft des Regimes besteht hauptsächlich aus einer Mittelschicht, die konservativ islamistisch ist, mehr oder minder von der Wirtschaftspolitik der Regierung, aber vor allem durch direkte Zuwendungen des
Regimes, profitiert. Insgesamt sind die Regierungsanhänger zahlenmäßig und prozentual nicht so groß, sondern eine absolute Minderheit. Im Falle eines Krieges kann die Regierung überhaupt nicht auf diese menschliche Ressource zurückgreifen.

Wenn dieses „Volk“ zu zahlreich gewesen wäre, hätte die islamische Republik in den letzten 40 Jahren wenigstens eine einzige demokratische Wahl abhalten können.
Das heißt, die Massenmanipulationen der Regierung sind für die breite Masse, wie es in den westlichen Ländern üblich ist, nicht tauglich. Daher betreiben die Medien im Iran eine spezielle Art der Manipulation für eine begrenzte Zahl, nämlich für ihren Anhänger. Das bedeutet nicht, dass die Regierung die Gesellschaft nicht beeinflusst.
Aber die Gesellschaft ist gegenüber der Regierungspropaganda sehr widerstandsfähig.
Auch KO bedient sich des absolut verfälschten Bildes der beteiligten Kräfte und
Proteste, welches von Sicherheitsorganen des Regimes propagiert wird. Dies wurde bereits behandelt und in richtiges Licht gerückt.
KO definiert sich selbst als ML: „Unsere weltanschauliche Grundlage ist der wissenschaftliche Sozialismus, der Marxismus-Leninismus.“ Wie gut kennt die KO die iranische Parteienlandschaft? Anscheinend weiß die KO wenigstens, dass es in Deutschland „linke und kommunistische Kräfte“ gibt. Frage an KO: Gibt es im Iran „linke und kommunistische Kräfte“? Kennt die KO eine einzige Partei aus dem kapitalistischen Iran mit fast 90 Millionen Einwohnern, die den Marxismus-Leninismus für sich beansprucht und nicht den Sturz des islamischen Regimes fordert? Kennt
KO eine fortschrittliche Organisation aus diesem Land, die das islamische Regime für reformierbar hält? Eigentlich muss die KO konsequenterweise beide Fragen verneinen, obwohl auch der Iran mehr als ein Dutzend kommunistische, linksrevolutionäre und unzählige fortschrittliche Parteien hat. Keine einzige dieser Parteien fand einen Weg zur Besserung der Ordnungsmacht im Lande, keine Reformmöglichkeit. Daher bleibt für all diese Parteien nur eine Wahl: die Beseitigung des Regimes. Das müssen erst alle Pseudo-Linken in Europa begreifen.
Der Auslöser der aktuellen Proteste im Iran wurde vorhin ausreichend behandelt.

Nun konstatiert die KO, dass die Proteste „durch hohe Inflationsraten und vor allem den plötzlichen Kollaps des Rial ausgelöst wurden, der wohl auf gezielte Währungsmanipulation zurückzuführen ist.“ Und ob dies „von den ‚Reformern‘ im Iran selbst oder aus dem imperialistischen Ausland“ verursacht wurde, „wird noch zu klären sein“. KO nahm sich vollmundig vor, die aktuellen Entwicklungen im Iran zu erklären, und zwar mit der Darstellung des „Charakters der Islamischen Republik Iran“, kann aber nicht erklären, ob der „plötzliche Kollaps des Rial“ durch „Reformer“
(sie meint die ir. Islamische Trusts – siehe oben) oder Sanktionen aus dem Ausland ausgelöst wurde. Das ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung. KO kennt die Rolle der Neoliberalen im Machtzirkel des Irans überhaupt nicht; sonst müsste sie das beschreiben können. Aber sie weiß genau, dass alles andere als ihr Standpunkt „Narrative und vermeintliche Fakten des Imperialismus“ sind, die von „den meisten linken und kommunistischen Kräften in Deutschland“ propagiert werden.
Und eine Weile später ist sie plötzlich sicher, dass „bestimmender Faktor für die Hoffnungslosigkeit und schwierige ökonomische Lage – und damit die Proteste „die westlichen und UN-Sanktionen gegen das Land“ sind. Also die neoliberale Politik der Regierung und die Vetternwirtschaft sind nicht die bestimmenden Faktoren. Sondern die äußeren Faktoren sind für innere Entwicklungen bestimmend und nicht die inneren.

Eine Meisterleistung für dialektische Erkenntnisse der KO, dass sie vom „wissenschaftlichen Sozialismus“ geleitet wird.
Auch die KO (wie KL) übernimmt die Schreibweise des islamischen Regimes,indem sie sagt: „Die Regierung […] unterschied zwischen Demonstranten und terroristischen Elementen“ und macht wiederholt die aktiven „Randalierer und Terrorzellen“ für die Eskalation verantwortlich.
Aber spätestens, wenn die KO „die blutige Geschichte der Niederlage aller linken und kommunistischen Bewegungen nach der Revolution durch die neue Staatsführung unter Khomeini“ in der „Sichtweise“ eben dieser Parteien sieht und nicht in verbrecherischer Handlung des islamischen Regimes im Dienste des Kapitalismus und letztendlich Imperialismus, muss gezwungenermaßen an Souveränität und Eigenständigkeit der KO ernsthaft gezweifelt werden.

Kamal Salehezadeh
5. Februar 2026, Hamburg

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