In der Tageszeitung Junge Welt erschien am 03.03.26 ein Beitrag mit der Überschrift: »Das iranische Volk entscheidet über die Zukunft des Iran«
Der Hintergrund: „Tudeh-Partei“ beinhaltet einige Ungereimtheiten in Bezug auf diese Partei (TPI). Beispielsweise heißt es da: „Nach einem Attentat auf den Schah wurde die Tudeh-Partei 1949 verboten, arbeitete aber im Untergrund weiter.“ Dies suggeriert, dass die Beteiligung der Tudeh-Partei der Grund für ihr Verbot war. Aber TPI beteuerte in unzähligen Stellungnahmen und Aufsätzen, dass sie nie an dieser Aktion beteiligt oder vorher davon gewusst hat. Noch untrefflicher, ja absolut falsch ist: „Ende der 1970er Jahre war die illegale Tudeh-Partei zwar die größte und bestorganisierte Partei in der Massen- und Streikbewegung, die zum Sturz des Schahs führte.“
Die Frage an dieser Stelle soll erlaubt sein: Wenn diese Partei maßgeblich an Massen- und Streikbewegungen beteiligt war und damit den Sturz des Shah-Regimes herbeiführte, wieso erklärte die TPI die Führerschaft von „Ayatollah Khomeinie“ im Kampf gegen „Estekbar-e Jahnie“ (eine religiöse Erfindung, um den Begriff Imperialismus nicht zu verwenden, welcher von TPI als Gefälligkeit gegenüber Klerikern übernommen wurde)? Das zeugt alles von Anbiederung dieser Partei an Islamisten, die noch nicht fest im Sattel saßen. Diese Politik der TPI führte sogar zur Denunziation der revolutionären und kommunistischen Parteien und Organisationen. Eine Partei, die bis 1953 eine revolutionäre Partei war, wandelte sich mehr und mehr in eine revisionistisch verräterische Partei an Interessen der Arbeiterklasse. TPI bezeichnete sich nie in ihrem Status und in ihren Satzungen als kommunistisch, marxistisch oder wie üblich für Arbeiterparteien: marxistisch-leninistisch.
Ebenfalls falsch ist die Behauptung: „Doch schnell sahen sich die Tudeh-Mitglieder wie auch andere marxistische Kräfte einer scharfen Verfolgung […]“. Während die revolutionären Arbeiterparteien schon vor der Installation des islamischen Regimes 1979 verfolgt wurden, wurde die TPI erst Jahre später, nach den Informationen des sowjetischen KGB Überläufers Wladimir Kusitschkin, die entscheidenden Auskünfte über die Tudeh-Partei lieferte, der Spionage für den nördlichen Nachbarn bezichtigt und verfolgt. Und das, obwohl diese Partei das Regime jahrelang ohne „Wenn“ und „Aber“ unterstützte. Offiziell hieß diese Politik „Ettehad va Enteghad“, übersetzt so viel wie: Zusammenarbeit und Kritik: „Einheitsfront unter der Führung von Imam Khomeini“.
Nüchtern betrachtet war die TPI nicht die bedeutende Partei mit dem Anspruch einer Partei der Arbeiterklasse (auch nicht zahlenmäßig), spielte sie in den revolutionären Jahren im Iran neben der „Ranjbaran Party of Iran“ eine verheerende, destruktiv spalterische Rolle in der Arbeiterbewegung.
Sie verharmloste die Unterdrückung des sozialen Widerstandes im Iran. Beispielsweise in Turkmensahra, einer Region im Nord-Iran, wo die Bauern sich in Bauernräten organisierten; in Kurdistan, wo ein Bündnis linksrevolutionärer Kräfte die Selbstverwaltung organisierte; die Selbstorganisationen in den Betrieben und Fabriken sowie Schulen und Universitäten… … bis zur Denunziation von Kommunisten.
Bemerkenswert war es, dass die TPI, als Schwesterpartei der DKP, sich im Ausland und in entsprechenden Publikationen als einflussreiche „kämpferische Widerstandspartei“ präsentierte, während sie sich dem Regime anbiederte. Die dunkle Bilanz dieser Partei ist sehr lang und weist viele Defizite auf. Dennoch empfehle ich diesen Beitrag. Das sind völlig neue Töne aus dieser Partei und wirklichkeitsnahe Betrachtungen.
Viele Jahrzehnte später gestand die TPI, dass die Politik dieser Partei im Grunde genommen konterrevolutionär war. Neulich sagte Navid Shomali Führungsmitglied der TPI, mit Fug und Recht, dass „die Islamische Republik nie eine echte antiimperialistische Politik betrieben – auch nicht im Hinblick auf das anhaltende Leiden des palästinensischen Volkes“.
Eine Ansicht, die die Organisationen wie Volksfedaijen, als größte revolutionäre linke Struktur im Nahen Osten, schon ab 1979 vertraten. Hoffen wir, dass die Tudeh-Partei die Phase opportunistischer Politik tatsächlich überwunden und den Weg zur revolutionären Neustrukturierung gefunden hat.