Trump hat sich in eine Sackgasse manövriert und weiß nicht, wie er da wieder herauskommt

„il manifesto“  18. März 2026

DER GROSSE KRIEG. Die Sicherung des Handels ist ein Mantra für jede Supermacht: Wenn sie darauf verzichtet, könnte jeder auf die Idee kommen, die USA herauszufordern, vom Suez-Kanal bis zur Malakka-Straße. China inklusive.

Von Alberto Negri

Warum geschieht all das? Der Chef der amerikanischen Anti-Terror-Behörde, Joe Kent, ist zurückgetreten und hat damit den Unsinn, den Trump von sich gab, aus der Welt geschafft: „Der Iran stellte keine Bedrohung für uns dar, wir haben diesen Krieg auf Druck Israels und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen.“ Vielleicht muss Kent, der längst bekannte Wahrheiten ausgesprochen hat, nun auf der Hut sein, sonst läuft er Gefahr, das gleiche Schicksal wie Larijani und der gerade von Israel eliminierte Chef der Basiji zu erleiden: Entweder bist Du für sie oder Du bist gegen sie

Die messianische und geschäftsmännische Elite, die in der westlichen Welt das Sagen hat, neigt nicht zu Vergebung und zu Verhandlungslösungen: Mit Larijani, einem der wahren Anführer des Regimes, wurde ein Pragmatiker eliminiert, der zwar für Sicherheit und Unterdrückung verantwortlich, aber auch in der Lage war, eine mögliche politisch-diplomatische Lösung anzuregen. Die Eliminierung der iranischen Führungsspitze durch Israel und die USA erfolgte systematisch und unter Missachtung jeglicher internationaler Regeln, doch ist überhaupt nicht klar, ob es eine Strategie für einen Regimewechsel gibt

Um ehrlich zu sein, ist – wie die „New York Times“ schreibt – gar keine amerikanische Strategie klar, und wir sind am Kern der Angelegenheit angelangt, der weder das Atomprogramm noch die Raketen betrifft, sondern die einzige Atomwaffe in den Händen der Islamischen Republik: die Straße von Hormus.

Es hat keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden: Entweder übernimmt Trump die Kontrolle über den Hormuz-Kanal – mit allen militärischen Konsequenzen, die das mit sich bringt – oder dieser Krieg droht außer Kontrolle zu geraten. Und genau das haben die wichtigsten europäischen Staaten (sowie Kanada) begriffen, die beim G7-Gipfel zur Mission zur Wiederöffnung des Golfs für die Schifffahrt von Öltankern Nein gesagt haben. Dies würde bedeuten, nicht nur vom Meer aus, sondern auch vom Land aus in den Krieg zu ziehen: Die Meerenge ist nur auf sechs Kilometern in beide Richtungen befahrbar; sie zu sichern bedeutet, an der iranischen Küste zu landen und am Red Beach zu kämpfen, wo der Sand und auch das Meer, durchdrungen von Eisenoxid, bereits blutrot sind.

Von dort aus kann man aber nicht einfach aufhören. Sobald man den Fuß an Land gesetzt hat – immer vorausgesetzt, dass das überhaupt gelingt –, wäre es lächerlich, auf den Regimewechsel zu verzichten, den er übrigens selbst gar nicht mehr erwähnt. Was macht man dann? Man besetzt ein Stück von Hormuz und haut anschließend wieder ab? Um Himmels willen, alles ist möglich, wenn man mit Trump in sein Theater des Absurden eintritt.

Deshalb haben die Europäer ihn, zumindest vorerst, im Stich gelassen. Auch wenn der Golf für die amerikanische Versorgung nicht wichtig ist, so ist er doch aus energiepolitischer und wirtschaftlicher Sicht einer der wichtigsten Korridore der Welt. Und hier kommen die Golf-Monarchien ins Spiel, die Kunden der US-Waffenindustrie und große Investoren in den Vereinigten Staaten sind. Die Gewährleistung der freien Schifffahrt und des Handels ist eines der grundlegenden Mantras für jede Supermacht: Wer darauf verzichtet, muss damit rechnen, dass seine weltweite Führungsrolle untergraben wird und dass jeder auf die Idee kommen könnte, die USA herauszufordern, vom Suez-Kanal bis zur Malakka-Straße. China inklusive.

Es istoffensichtlich, dass Trump sich in Schwierigkeiten gebracht hat. Deshalb ist er wütend, und wie auch immer der Rest seiner Amtszeit verlaufen mag, wird er mit allen Mitteln versuchen, es den Europäern heimzuzahlen, die sich weigern, die Verantwortung für einen Krieg zu teilen, der gegen das Völkerrecht verstößt und zu dem sie nicht einmal konsultiert wurden. Für ihn – das war schon lange klar – sind wir weitaus schlimmer als Putin, da wir als „Verräter“ gelten. Was die Ukraine unter Selenskyj, einem Freund Europas, angeht, so wird er mit dem Gedanken spielen, sie in Stücke zu reißen. Er wird nur dadurch gebremst, dass die amerikanische Rüstungsindustrie dank des Krieges an der Börse boomt und Milliarden einnimmt.

Auf Wiedersehen, Träume vom Ruhm für den amerikanischen Präsidenten. Wenn er dachte, er könne diesen Krieg von oben lösen, indem er den Obersten Führer Khamenei ausschaltet, bedeutet das, dass er sich erneut von Netanjahu hinters Licht führen ließ, dem das Schicksal des Iran völlig egal ist.

Auch der Regimewechsel ist für den israelischen Ministerü zweitrangig: Wichtig ist, dass das alte Persien in Stücke zerfällt und im Chaos versinkt wie der Irak und wie Syrien. Sein Ziel ist es, den Libanon dem Erdboden gleichzumachen und ihn in ein weiteres Gaza zu verwandeln, wie „Il manifesto“ gestern titelte, und das Westjordanland durch eine Armee von Terroristen zu verschlingen, die ganze Familien ermorden. Und wir tolerieren Netanjahu und seine Regierung weiterhin…

Gibt es eine Ausstiegsstrategie für Trump? Die einzige ist die, die die Chinesen anbieten: Er verkündet einen Waffenstillstand, und die Straße von Hormus wird wieder befahrbar. Vorausgesetzt, die Iraner stimmen zu. Aber allen ist klar, dass dies ein Duell ohne Ausweg ist: Das iranische Regime setzt wie üblich aufs Überleben, selbst um den Preis blutiger Unterdrückung, wie es bereits mehrfach bewiesen hat. Trump will eine bedingungslose Kapitulation, die für die Islamische Republik eine fatale Demütigung bedeuten könnte.

So könnte sich jene fröhliche Brigade finsterer Geschäftemacher, die Trump umgibt, mit dem Rücken zur Wand wiederfinden. Einen Krieg mit ungewissem Ausgang bis zum Ende fortzusetzen, mit katastrophalen Auswirkungen auf die Zwischenwahlen.

Hätte es anders kommen können? Nein, das wurde sehr deutlich und schon lange im Voraus bei dieser unwürdigen Inszenierung des Board of Peace klar, wo eine Schar von Dienern, die darauf bedacht waren, dem großen Chef zu gefallen, auf den Trümmern von Gaza und eines ganzen Volkes sang und tanzte. Leider beginnt alles bei Gaza: Wir haben hier im Herzen Europas einen Völkermord miterlebt, ohne etwas zu unternehmen – nicht einmal eine zaghafte Sanktion gegen Israel. Aber jetzt ist die ganze Welt Gaza. Das haben wir mit kaum wahrnehmbarer Verspätung bemerkt.

(Übersetzung: Gewerkschaftsforum Hannover)

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