Konzernbetriebsausschuss von VW stimmt „schmerzvollen Stellschrauben“ der Konzernleitung zu

Von Alwin Altenwald

Es ist informativ, diesen Brief des Konzernbetriebsausschusses von VW zu lesen! (link siehe unten). In dem Brief steht: „Kolleginnen und Kollegen, wir als Eure Belegschaftsvertretungen wissen nur zu gut, wie hart der wirtschaftliche Druck derzeit ist, wie eng der Wettbewerb und wie zwingend die Notwendigkeit, Dinge grundlegend zu ändern – und zwar auch mittels Stellschrauben, die schmerzvoll sein werden. Die entscheidende Frage aber ist: Wofür, also mit welchem Langfristziel, und in welchem Gesamtzusammenhang soll das passieren?“

Die Arbeit“nehmer“-Vertreter muten ihren Kolleginnen also schmerzvolle Maßnahmen durch die Geschäftsleitung zu. Sie schreiben weiter: „…Also die Kolleginnen und Kollegen, die leider immer öfter Gefahr laufen, den Glauben an ihren Arbeitgeber und ihre Motivation zu verlieren.“

Da fragt man sich, was für ein Bild dieser Konzernbetriebsausschuss vom Verhältnis von Lohnabhängigen zum Kapitalisten hat! Es ist wohl das Verhältnis, das dieser Konzernbetriebsausschuss selbst zum Arbeit“geber“ hat. Er glaubt an seine kapitalistischen Herren, die in seiner Imagination Partner und keine Ausbeuter sind.
Diese Interessenvertreter können den Belegschaften keine andere Perspektive aufweisen als die der Anpassung und letztlich des Kuschens vor der Konzernleitung.
Für Widerstand brauchen die KollegInnen ein Narrativ, hinter dem sie sich scharen können. Kollegen wie Lars Hirsekorn (VW Braunschweig) und Thorsten Donnermeier (VW Kassel) haben Vorlagen gegeben: Weg von der reinen Autoproduktion, Umstellung auf gesellschaftlich nützliche Produkte wie Busse, Straßenbahnen, Züge. Und gemeinsamer Kampf der Arbeiter- mit der Umweltbewegung. (links zu Hirsekorn und Donnermeier siehe unten!).

Falls die VW-KollegInnen ihren Existenzkampf unter dieser Devise führen, besteht die Aussicht, daß sich die KollegInnen aller anderen Autohersteller und auch der Zulieferer diesem Kampf mit der Perspektive der Vergesellschaftung anschließen. Und auch die KollegInnen aus allen anderen in ihrer Existenz bedrohten Betrieben. Daß eine Bewegung entsteht.

Die Methoden, mit denen Kapitalisten gegen Lohnabhängige vorgehen (dürfen), sind in ihrer Brutalität unbegrenzt. Bei VW sind es Existenzvernichtung, die Zumutung, Mordwaffen gegen die eigene Klasse zu produzieren. Die Methoden der Arbeiterklasse, sich dagegen zu wehren sind vom Staat, als kollektivem Interessenvertreter des Kapitals, auf den Tarifbereich und die zahnlose „Mit“bestimmung festgelegt. Hinzu kommt, daß die DGB-Gewerkschaften, in ihrem grundsätzlichen JA zu dieser kapitalistischen „Demokratie“, unfähig sind, diese vom Staat gesetzten Grenzen der Gegenwehr zu überschreiten. Das müssen die ArbeiterInnen schon selber tun.

Das setzt allerdings voraus, daß sie die Vorstellung einer anderen Gesellschaft haben in der nicht die Kapitalbesitzer sondern sie selbst als Produzenten die Gesellschaft bestimmen. Und es setzt weiter voraus, daß sie die Methoden des Kampfes bestimmen, vom politischen Streik bis zur Entfachung einer Rebellion von Teilen der Gesellschaft.
Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Aber es ist DER Weg.

Brief des Konzernbetriebsausschusses – IG Metall bei Volkswagen
https://www.igm-bei-vw.de/meldung/arbeitnehmervertretungen-schreiben-brief-an-die-belegschaften

VW-Arbeiter Thorsten Donnermeier: Arbeiter- und Klimabewegung sind eine Bewegung!
Video 5 Minuten
https://www.youtube.com/watch?v=EdwAaydNwnw

VW-Arbeiter Thorsten Donnermeier: Konversion pervers
Video 3 Minuten
https://www.youtube.com/watch?v=8RSKjLhc660

Autokritische Rede von VW-Arbeiter Lars Hirsekorn auf Betriebsversammlung in Braunschweig (Von 2019!)
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2019/09/10/autokritische-rede-von-vw-arbeiter-lars-hirsekorn-auf-betriebsversammlung-in-braunschweig/

Von der Fabrik ins Wohnzimmer?: Die »dritte Welle« der Vergesellschaftung
Von Ralf Hoffrogge
https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/von-der-fabrik-ins-wohnzimmer/
Anmerkung:
Der Genosse Hoffrogge fragt: Wie kommt „Vergesellschaftung“ in die Betriebe? Das ist die Frage aller Fragen und jetzt eine ganz aktuelle, besonders für die Betriebe der Autoindustrie!
Die Antwort ist ansatzweise schon da, durch die Kollegen Lars Hirsekorn (VW Braunschweig) und
Thorsten Donnermeier (VW Kassel), die bei ihren KollegInnen für eine Umstellung von der Auto- auf zivile Produktion eintreten. (siehe oben). (DW)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*