Pressemitteilung von Aktion Würde&Gerechtigkeit
Weltweiter Menschenhandel für moderne Sklaverei vor Ort
Das Ehepaar aus Vietnam arbeitet in einer großen Putenschlachterei im Landkreis Oldenburg. Untergebracht ist es mit vielen anderen für eine Wuchermiete in einer Bruchbude mitten im Nirgendwo. Die Agentur, die sie für viel Geld aus Vietnam hierhergebracht hat, bedroht sie aktuell mit körperlicher Gewalt und fordert ein monatliches Schutzgeld. Peter Kossen, Vorsitzender des Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“: „Das Beispiel zeigt: Die Fleischindustrie, aber auch die Paketdienste, die Gebäudereinigung und der Bausektor suchen mittlerweile weltweit nach Arbeitskräften, die sie wie Maschinen anmieten, verschleißen und dann entsorgen.“ Kossen weist hin auf das Schicksal von Männern aus Indien, die mit einem Akademiker-Visum von mafiösen Agenturen gegen 15.000 € nach Deutschland vermittelt werden und sich vor Ort in der Fleischindustrie wiederfinden. „Häufig werden sie bereits in den ersten Wochen gekündigt und dann auch sofort aus den Unterkünften geworfen. Hochverschuldet können sie weder vor noch zurück.“
Gesellschaftliches und kirchliches Desinteresse
Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ beklagt das gesellschaftliche und auch kirchliche Desinteresse an diesem Massenphänomen. Und er beruft sich auf Papst Leo, der in seiner Ende Mai veröffentlichten ersten Enzyklika schreibt: „Menschenhandel ist als eine zeitgenössische Form der Sklaverei und als schwere Verletzung der Menschenwürde anzusehen; nicht entschlossen zu reagieren oder diese Praktiken in irgendeiner Weise zu dulden, bedeutet dies in gewisser Weise, sich heute an Sünden mitschuldig zu machen, wie sie in der Vergangenheit begangen wurden, als die Sklaverei verschwiegen oder gerechtfertigt wurde.“ (MH 175) Papst Leo bekennt in der Enzyklika, dass die Kirche 1800 Jahre gebraucht habe, um die völlige Unvereinbarkeit von Sklaverei und christlichem Menschenbild festzustellen. „Genau aus diesem Grund wird die Erinnerung an die Komplizenschaft und an die Blindheit von gestern im Hinblick auf die Sklaverei zu einem Aufruf zur Wachsamkeit.“ (MH 177)
Sehen – Urteilen – Handeln
Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ fordert die Gesellschaft und auch die Kirchen dazu auf, hinzuschauen und das Unrecht zu verurteilen. Peter Kossen nennt die Zwangsprostitution als besonders grausame Form von Menschenhandel und Sklaverei. Er berichtet: „Jeden Tag kaufen in Deutschland eine Million Männer den Körper einer Frau. Deutschland gilt als das „Bordell Europas“. Fast der ganze deutsche Straßenstrich wird bedient durch Mädchen und Frauen aus Rumänien und Bulgarien. Oft sind es Roma, oft Analphabetinnen, nicht selten sind es Minderjährige. Sie werden hierher gelockt mit dem Versprechen einer Arbeit in der Gastronomie oder einem anderen Dienstleistungssektor. Einmal in Deutschland angekommen, werden sie jedoch in großer Zahl zur Prostitution gezwungen und gefügig gemacht mit Drogen und angedrohter und mit ausgeführter körperlicher und psychischer Gewalt; und dies nicht selten von den gleichen Leuten, die im Hauptgeschäft Männer und Frauen als Billiglöhner in die Fleischfabriken schleusen.“ Und er zitiert noch einmal Papst Leo XIV., der in seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ schreibt: „Wenn wir in Zukunft nicht um Vergebung bitten wollen, weil wir dem Schatz der Menschenwürde, der unserem Glauben innewohnt, nicht treu geblieben sind, dann liegt es jetzt an uns, den Menschenhandel in seinen vielfältigen Erscheinungsformen direkt und entschieden anzuprangern und gemeinsam mit all jenen, die sich für dieses Anliegen einsetzen, Schritt für Schritt konkrete Maßnahmen zur Prävention, zum Schutz, zur Befreiung und zur Rehabilitation zu unterstützen.“ (MH 177)
Die Dimensionen des Unrechts – weltweit und vor Ort – dulden kein Wegschauen und kein Schweigen, davon sind Kossen und die Aktivisten der „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ überzeugt. Sie fordern dazu auf, keine Kompromisse auf Kosten der Opfer zu machen, sondern mutig Menschenhandel und Sklaverei zu bekämpfen.
kossen@bistum-muenster.de
https://www.wuerde-gerechtigkeit.de/