Von G.M. 19.8.2026
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als vertreten hier selbstbewußte Beschäftigte mit ihrer starken Gewerkschaft ihre Interessen gegenüber den Hafenunternehmen.
Nun will ich die Bedeutung von Lohnerhöhung gerade in einer Zeit steigender Lebenshaltungskosten nicht schmälern. Wo aber ist die Kampfkraft bei den zentralen Themen der Arbeitsplatzvernichtung, der Arbeitsverdichtung, der Gefährdung der Gesamthafenbetriebe, des Abwanderns vieler Bereiche der Hafenarbeit in prekäre Beschäftigungsverhältnisse? Wo ist da unsere Gewerkschaft ver.di? Die Warnstreikrituale, die wir auch aus den Tarifrunden der IG-Metall kennen, täuschen darüber hinweg, wo sich die Unternehmer das Geld, das in den Lohnrunden erstritten wird durch Rationalisierungsmassnahmen und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen mehr als zurückholen.
Kurz vor der Ankündigung des Warnstreiks erreichte mich ein Info des Gemeinschaftsbetriebsrates der HHLA für den Umschlagsbereich. Dort wird eine Betriebsvereinbarung über ein ‚Stabilisierungspaket’ angekündigt. Die HHLA hat den Arbeitsplatzabbau so weit getrieben, dass sie Abfertigungsprobleme feststellt. (Siehe unten).
Die sollen jetzt durch enorme Mehrarbeit der Kolleginnen und Kollegen gelöst werden. Der Betriebsrat stimmt pauschal der Leistung von 90 Überstunden pro Monat zu. Das ist mehr als die Hälfte der monatlichen Pflichtarbeitszeit von 173 Stunden. Es können 4 Überstunden vor der Nachtschicht geleistet werden, nach der 1. und 2. Schicht sowieso. Mehrarbeit soll nicht mehr in Freizeit umgewandelt werden, an freien Tagen durch die Arbeitszeitverkürzung (35-Std-Woche) soll gearbeitet werden. Und es sollen statt 50 gleich 75 Neueinstellungen erfolgen. Das ist ein Tropfen auf einen glühend heißen Stein. Das ganze mit finanziellen Anreizen, die das Ergebnis einer Lohnerhöhung deutlich übersteigen.
Als Gewerkschafter frage ich mich, warum wir für die 35-Std.-Woche gekämpft haben, wir Arbeitsplätze im Hafen erhalten wollten, die Arbeit auf viele Schultern verteilen wollten. Was ist davon in meiner Gewerkschaft geblieben? Wo ist der Wille in die Veränderung der Hafenarbeit durch Digitalisierung und Automatisierung einzugreifen, dass Arbeitsplätze wenigstens erhalten und so gestaltet werden, dass es noch Freude macht zu arbeiten?
Wenn die Warnstreiks wirklich eine machtvolle Gewerkschaft und Arbeitnehmerschaft repräsentieren, dann sind das die zentralen Kampffelder, der Kampf um Einfluss auf das Handeln der Unternehmer.
Sonst macht irgendwann der Letzte das Licht aus, wenn auch, zumnindest in den Containerterminals, gut bezahlt.
Info vom Betriebsrat der HHLA:
Euer Betriebsrat informiert
HAFENKLAPPE
24.07.2026 2530/ 029
Betriebsrat Umschlag/Planung,
HPSG, HVCC, FKZ, Schwimmkran
Vorsitz: Jens Paasch / Silvio Zepcan (Stellv.)
E-Mail: br-up@hhla.de / Tel.: folgt
Moin liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir wollen euch über die neue Betriebsvereinbarung zum Stabilisierungspaket (BV UP 8) informieren, die wir mit dem Arbeitgeber abgeschlossen haben. Dort wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen, was der HHLA mehr Personal zu Peak-Zeiten bringen soll. Der Betriebsrat und der Arbeitgeber wollen damit versuchen, die schwierige Abfertigungssituation an der Wasserseite zu „entspannen“.
Was ist vereinbart?
Freiwillige Wochenendverpflichtung am CTB
Es sollen wieder Verträge für die freiwillige Wochenendverpflichtung angeboten werden:
– Angebote erhalten Kollegen am CTB im Betrieb Umschlag, die derzeit keinen Teamvertrag haben, vor allem: Kaiarbeiter, Teamleiter, stellvertretende Teamleiter und Umschlagsteuerer.
– Die monatliche Pauschale beträgt wie bei den alten Verträgen: 546,07 Euro.
– Vereinbart wird in jedem Vertrag eine Wochenendschicht (I. + 5 Stunden oder III. + 5 Stunden).
– Am Montag der Pflichtwoche kann eine Umsetzung in eine andere Wochenendschicht erfolgen (Nachtschichtler bleiben auf Nachtschicht).
– Kollegen mit bestehenden Teamverträgen behalten ihre Regelungen.
– Mehrarbeit wird ausbezahlt und soll nicht mehr abgebummelt werden.
– Meldet Euch bei Interesse bei Eurem Teamleiter/Vorgeordneten. Zulage für Aufsichten (gewerbliche Beschäftigte)
– Gewerbliche Beschäftigte mit Aufsichtsfunktion erhalten eine Zulage je tatsächlich geleisteter Schicht in Höhe von 16,41 Euro (wie bisher schon bei
CTA).
– Ausgenommen sind Brücken-, LKS- und HO-Aufsicht. Ableisten von 4 Früh vor der Nachtschicht am CTB
– Am CTB ist es möglich, 4 Frühstunden vor der Nachtschicht zu leisten.
– Befristet bis 31.12.2027.
24.07.2026 2530/ 029
Betriebsrat Umschlag/Planung,
HPSG, HVCC, FKZ, Schwimmkran
Vorsitz: Jens Paasch / Silvio Zepcan (Stellv.)
E-Mail: br-up@hhla.de / Tel.: folgt
Freiwillige Wochenendverpflichtung am CTT
Beim CTT bleibt es im Großen und Ganzen bei den alten Regelungen nach der bestehenden „BV68-Freiwillige Verpflichtung am Wochenende“. Folgende Punkte sind
neu:
– Die Pauschale für die freiwillige Verpflichtung wird auf 375 € erhöht.
– Die 2 zusätzlichen AZV-Tage in Arbeitgeberverfügung entfallen.
– Kollegen mit Schichtbefreiung (Spät- und Nachtschicht ab 55 Jahren) dürfen weiterhin nicht an der Freiwilligen Wochenendverpflichtung teilnehmen, können allerdings zukünftig wieder nach Belieben Mehrarbeit leisten.
– Alle Kollegen mit einer bestehenden WE-Verpflichtung können zwischen dem neuen und dem alten Modell wählen.
– Meldet Euch bei Interesse bei Eurem Teamleiter/Vorgeordneten. Pflichtsamstag, Flexiprämie, AZV-Verkauf am CTA
– Die Pflichtschicht am Samstag wird für CTA-Beschäftigte ab 1. September 2026 ausgezahlt und nicht mehr ins Arbeitszeitkonto gebucht (außer jemand wählt die Einbuchung ins AZK).
– Die Flexiprämie (580 Euro) ist einmalig tarifdynamisch.
– Bei CTA soll – wie bei CTB und CTT – die Arbeit an AZV-Tagen ermöglicht werden. Dafür wird demnächst eine Regelung zum Verkauf der AZV-Tage vereinbart werden. Bezahlung von Mehrarbeit über 60 Überstunden
– Im Rahmen dieser Vereinbarung ist Mehrarbeit für alle 3 Terminals bis 90Ü freigegeben.
– Bezahlung von Mehrarbeit Ü-60 nach CTT-Regel BV40:
Jede Stunde Ü-60 wird künftig ausgezahlt und mit 10 Minuten Grundlohn extra vergütet (die Gutschrift jeder 2. Stunde auf einem Zeitkonto +20 Minuten entfällt am CTT).
– Befristet bis 31.12.2027.
Leistung der Nachtschicht von Freitag auf Samstag (befristet bis 31.12.2027)
– Wer am Freitag für Nachtschicht eingeteilt ist und in sein freies Wochenende reinarbeitet, erhält eine zusätzliche Überstunde.
– Diese Stunden kommen nicht in den Mehrarbeitszähler.
– Diese Regelungen gelten nicht für Dauer-Nachtschichtler.
24.07.2026 2530/ 029
Betriebsrat Umschlag/Planung,
HPSG, HVCC, FKZ, Schwimmkran
Vorsitz: Jens Paasch / Silvio Zepcan (Stellv.)
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Freiwilliges Umsetzen in die Spätschicht auf allen Terminals (befristet bis 31.12.2027)
– Voraussetzung: Freiwilliges Umsetzen nach betrieblichem Bedarf am Donnerstag oder Freitag in die Spätschicht oder Samstag in III. + Stunden
– Vergütung: eine zusätzliche Überstunde pro Umsetzerschicht.
– Diese Stunden kommen nicht in den Mehrarbeitszähler.
– Diese Regelungen gelten nicht für Dauer-Spätschichtler.
Neueinstellungen von Hafenarbeitern
Wir konnten erreichen, dass anstelle der geplanten 50 nun 75 Hafenarbeiter eingestellt werden.
Ausbildung von neuen FHLern
2027 fangen 15 Azubis (Fachkraft für Hafenlogistik) bei der HHLA an.
Stellvertretende Teamleiter
– Die Namen der stellvertretenden Teamleiter stehen fest. 66 (statt planerisch nur 60) Kollegen sind ausgewählt. Damit haben wir auch hier erreicht, dass mehr Kollegen ein Angebot erhalten.
– Stellvertretende Teamleiter sind in TA 2 A eingruppiert, sobald sie über ein
Aufsichtenpatent verfügen.
Die Verhandlungen zu diesem Paket waren aus unserer Sicht längst überfällig.
Am Ende sind wir der Meinung: Das ist ein erster, kleiner Schritt in die richtige Richtung. Mehr aber auch nicht. Um die Abfertigungslage wirklich dauerhaft zu verbessern, braucht es weiterhin klare Vereinbarungen, verlässliche Arbeitsbedingungen und vor allem ausreichend Personal auf allen Terminals.
Sofern ihr dazu Fragen habt:
Kommt zu uns – sprecht mit uns!
Da ist einiges Wahres dran, insbesondere der Punkt, was das Warnstreiktheater bringen soll angesichts der massiven Kürzungsangriffe der Regierung. Die Gewerkschaftsführungen tönen teilweise laut, aber ohne Taten, sprich Streiks, wird es nicht gehen. Das Krasse an der momentanen Situation ist, dass die Kollegen garnicht erwarten, dass die Gewerkschaften wirksam gegen die Angriffe vorgehen werden. Die Sache mit der freiwilligen Mehrarbeit, ich kann falsch liegen, aber solange freiwillig, wo ist da das große Problem? Das Lustige ist, dass die Kollegen so sauer sind über die nicht funktionierende Technik/Automatisierung, dass keiner anbeißt. Überstunden werden momentan massenhaft abgelehnt bei der HHLA. Bei der Tarifrunde gibt es eine gewisse Dynamik. Die „Arbeitgeber“ haben mit ihrer Ablehnung weiterer Verhandlungen uns geradezu genötigt zu streiken. Sehr viele Kollegen bestehen auf 12 Monate Laufzeit (Angebot liegt bei 19). Irgendjemand muss quasi nachgeben. Dazu kommt, dass die Tarifkomission an eine Befragung der Kollegen gebunden ist. Sie dürfen nichts unterschreiben ohne das OK der Mitglieder.