Aufbruch zur Erneuerung der Arbeiterbewegung
Von Alwin Altenwald
Wenn wir als Jour Fixe Gewerkschaftslinke seit unserer Gründung im Kampf um die Köpfe der KollegInnen gegen die Sozialpartnerschaftspraxis der DGB-Führungen und Gewerkschaftsapparate agitieren, ist eine Nachricht wie diese, daß ArbeiterInnen bei Mercedes Untertürkheim von der IG Metall den Abschied von der Sozialpartnerschaft fordern, Balsam für unsere Seele. Nicht mehr nur wir und andere Gruppen und Schreiber sondern Kolleginnen aus den Betrieben, noch dazu aus dem zentralen Bereich der Autoindustrie fordern von ihrer Gewerkschaft „den Abschied von der Sozialpartnerschaft“. Was wir schon immer offenlegen, daß die DGB-Führungen ins Lager ihrer Partner von Kapital und Staat gewechselt sind, machen nun Führungsfiguren wie die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, deutlich, die zusammen mit dem Vors. der IGBCE, Michael Vassiliades und P. Leibinger vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) im Handelsblatt erklärte, „Notwendig ist jetzt eine Haltungsänderung im Land, wir müssen mehr wollen und leisten“! Die Empörung der Autowerker ist nachvollziehbar! Benner müsse erklären, ob sie „sich öffentlich gegen uns betrieblich Aktiven und an die Seite unserer Gegner“ stelle. Sie fordern konsequente Arbeitskämpfe gegen die Profitlogik. Und diese konsequenten Arbeitskämpfe müßten dann politische Streiks einschließen, die von den Führungen der DGB-Gewerkschaften seit den 50er Jahren vermieden werden!
Der Brief von den Kolleginnen von Mercedes aus Untertürkheim ist ein befreiender Akt: „Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat“. (Rosa-Luxemburg, 1916, Junius-Broschüre). Es ist die Voraussetzung für Klassenkampf und ein Schritt zur Entmachtung der Gewerkschaftsspitzen.
Klarheit in den Köpfen der Werteschaffenden (den Lohnabhängigen) ist die wichtigste Voraussetzung, um wirksam gegen Kapital und Staat kämpfen zu können, angetrieben von Wut und Desillusionierung. Zur Klarheit gehört eben auch die Erkenntnis, daß die DGB-Gewerkschaftsführungen und große Teile des Apparates mit ihrer Sozialpartnerschaftsideologie auf der Gegenseite stehen.
Der Brief der KollegInnen kann ein weiteres Signal sein für den Aufbruch der Arbeiterklasse zum Widerstand gegen den Sozialabbau und die Aufrüstung und das Entstehen einer neuen Arbeiterbewegung!
Genau dies wollen Kapital, Staat und ihre Heloten, dh Massenmedien, Kirchen, Parteien verhindern – und eben die DGB-Gewerkschaftsführungen eben auch.
Die Methoden der Letzeren sind: Beschränkung auf Kritik der Regierung wegen der Kürzungsmaßnahmen und die Nichtbenennung der Aufrüstung. Eine weitere Methode in den DGB-Gewerkschaften ist, Kanonen und Butter zu fordern. Obwohl beides nicht geht, wie von Kapital- und Regierungsseite festgestellt. Aber die DGB-Gewerkschaften wollen mit dieser Methode ihrer Mitgliedschaft Sand in die Augen streuen. Auch sie sind für die Aufrüstung und den Krieg gegen Rußland.
Und Peter Vlatten, früher selbst bei Mercedes in Untertürkheim, befürchtet als Methode der IGM:
„Das Problem sei allerdings, dass die IG-Metall-Führung bislang nichts unternommen habe, um Folgeaktionen für die Zeit nach den geplanten Protesttagen Ende September vorzubereiten. Genau davon hänge es jetzt jedoch ab, ob die Unruhe am Ende wieder in Frustration umschlage“.
In beiden Texten, der von Raul Zelik https://www.nd-aktuell.de/artikel/1202102.gewerkschaften-mercedes-vw-die-stimmung-kippt.html als auch dem von Mattis Molde https://arbeiterinnenmacht.de/2026/08/28/dgb-gewerkschaften-und-sozialabbau-dafuer-oder-dagegen/ wird deutlich, daß die in Bewegung geratenden KollegInnen eine andere Gewerkschaft brauchen als die jetzige es ist! Mattis Molde wird ganz deutlich, wenn er schreibt: „Für eine wirklich andere Führung müssen demokratische Strukturen eingeführt werden, wie jederzeitige Abwählbarkeit und Bezahlung nach dem Durchschnittslohn der Mitglieder, aber auch eine andere Programmatik durchgesetzt werden“.
In der sich neu formierenden Arbeiterbewegung wird der Gewerkschaftsapparat ein demokratisches Kampforgan zur Interessendurchsetzung der Arbeiterklasse sein!
Jetzt geht es um die Bildung einer Gewerkschaftsopposition (GO) – die zugleich eine gesellschaftliche Opposition ist – die alle Gruppen und KollegInnen sammelt zu einer Einheitsfront gegen Kapital, Regierung und soziapartnerschaftlichen DGB-Vorständen, um eine Gegenmacht zu bilden gegen Aufrüstung und Kriegskurs und soziale Verelendung! Eine GO, die gegen die Westbindung Deutschlands (und Europas) ist und für Neutralität und Blockfreiheit. In den noch unkoordinierten überall aufflackernden Protesten gegen Betriebsschließungen und Massenentlassungen sehen wir Frühlingsboten für das Entstehen einer neuen Arbeiterbewegung!
Unsere Aufgabe ist es, dabei zu sein und unsere Inhalte einzubringen.
Wenn man die jetzigen Kräfteverhältnisse betrachtet zwischen Arbeiterklasse und Kapital, kann man Angst vor Übermacht von Kapital und Staat bekommen. Doch gegen eine geeinte Macht der Arbeiterklasse, die 90 Prozent der Bevölkerung ausmacht, auch hier in Deutschland, und die die Werte der Gesellschaft erzeugt, sind auch diese Übermächte unterlegen, wenn eine neue Arbeiterbewegung entsteht, mit einer Einheitsfront gegen Kapital und Staat. Das ist ein langer und schwerer Weg und unsere Aufgabe ist es dabei zu sein! Denn die Grundtatsache des Kapitalverhältnisses bleibt: Die Arbeiterklasse ist werteerzeugend und hat die potentielle Macht. Die Klasse der Kapitalisten hat ihre Interessenvertreter, den Staat mit Justiz, Polizei, Bundeswehr, Medien usw. – aber sie sind nicht unbesiegbar wie die Geschichte zeigt.
*Ja, wir sind zum Kampf geboren! Nicht nur geboren zur Lohnarbeit im Kapitalismus sondern zum Kampf gegen die Lohnarbeit und für eine sozialistische Gesellschaft
Worauf wir fußen: Marx, Rosa und Karl:
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf!
Zum Kampf sind wir geboren!
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf!
Zum Kampf sind wir bereit!
Dem Karl Liebknecht, dem haben wir’s geschworen,
Der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand.