Von Alwin Altenwald
Selten wurde in der Vergangenheit so deutlich, daß auf eine Bekundung, daß die Gewerkschaftsführung sich auf der Seite der Kapitalisten befindet, von KollegInnenseite so drastisch reagiert wurde.
Deutlich beschreibt hier Christoph Kapalschinski (Welt) in prägnanter Weise diesen jüngsten Zusammenprall:
Gewerkschafter attackieren IG-Metall-Chefin Christiane Benner
https://www.welt.de/wirtschaft/article6a955472d88567044d84b2fe/klassenkampf-von-oben-mercedes-gewerkschafter-attackieren-ig-metall-chefin-christiane-benner.html
Fau Benner tat kund: „Notwendig ist jetzt eine Haltungsänderung im Land. Wir müssen mehr wollen und leisten.“ Erzürnt konterten die KollegInnen, Benner müsse erklären, ob sie „sich öffentlich gegen uns betrieblich Aktiven und an die Seite unserer Gegner“ stelle.
Dann konstatierensie: „Wir erleben in unserem Betrieb jeden Tag, dass wir in einer Klassengesellschaft leben“. Und ihre Interessenvertreterin sehen sie im Lager der Gegenseite.
Diese Erkenntnis ist Voraussetzung für kommende Klassenkämpfe, für die Entstehung einer neuen Arbeiterbewegung! Daß es nicht nur gegen den Hauptfeind geht, sondern auch den nahen Gegner in den eigenen Reihen, die Gewerkschaftsführer und Teile des Apparates. Es geht darum, beim jetzigen Stand der Kräfteverhältnisse, den Gewerkschaftsvorständen den Willen der Basis aufzuzwingen und später dann den Gewerkschaftsapparat zu einem demokratischen Instrument zu machen.
Die KollegInnen stellen fest: „Wenn wir den Sozialabbau nicht entschlossen bekämpfen und in der Gesellschaft nicht unmissverständlich deutlich wird, dass die Gewerkschaften eine konsequente Gegenmacht zu Regierung und Kapitalseite sind, dann werden wir zwangsläufig einen weiteren Aufstieg der AfD bekommen.“ Das trifft den Nagel auf den Kopf! Diese DGB-Gewerkschaften sind eben keine „Gegenmacht zu Regierung und Kapitalseite“ und so lange keine wirkliche Gegenmacht in Gewerkschaft und Gesellschaft entsteht, wird die AfD weiter im Trüben fischen können und noch stärker werden.
Frau Benner reagiert auf die empörten Kolleginnen, indem sie in einem Brief an sie appelliert, die Debatte intern zu führen.
Wir sind genau gegenteiliger Meinung und den AutowerkerInnen aus Untertürkheim dankbar für ihr Vorgehen! Frau Benner will den Konflikt unter der Decke halten, den sozialen Frieden bewahren – wie alle Vorstitzenden der DGB-Gewerkschaften, schon immer!
In der Perspektive ist zu folgern: Erst wenn in einer erneuernden Arbeiterbewegung eine Gegenmacht zu Regierung und Kapital entsteht, wird damit Wirkung bei den zur AfD verirrten KollegInnen zu erzielen sein. Die neue Arbeiterbewegung hat also vier Gegner: Kapital, Regierung, AfD und die Führungen der DGB-Gewerkschaften.