Kollegenbericht vom Besuch am 21.9. beim Autoaktionstag in Braunschweig

Ich war gestern beim „Autoaktionstag“ der IGM in Braunschweig. Es war natürlich ernüchternd. Ich war am Hauptwerk mittags beim Schichtwechsel und habe die „Aktionszeitung“ verteilt. Vor dem Tor tummelten sich ein Betriebsrat und gleich vier IGMler, die Flyer für die zentrale Demo des DGBs am Samstag gegen die Sparpläne der Bundesregierung und Gummibärchen verteilten. Die Aktivisten begrüßten gefühlt jeder fünften mit Handschlag, eine recht familiäre Atmosphäre. Es fahren wohl Busse vom Werk und sie haben versucht Unterschriften zu sammeln, als Reservierung für Plätze im Bus. Einer erzählte, er wäre den ganzen Vormittag rumgelaufen und hätte nicht eine Unterschrift bekommen. Er war recht frustriert ob der Zaghaftigkeit der IGM. Die IGM-Versammlung habe am Morgen beschlossen am Hauptwerk ruhig zu bleiben und erstmal nix zu machen um „Dialogbereitschaft“ zu signalisieren…

Eine Minderheit wollte zumindest einen Sternmarsch wie in Wolfsburg machen. Dort hatten sie die unterbrochene Betriebsversammlung offiziell fortgesetzt und haben einen Sternmarsch organisiert.

Im von der Schließung bedrohten Werk in Hannover sind sie vor das Tor gegangen. Im Hafen und an der A2 bei Braunschweig sind in zwei Zweighallen immerhin Versammlungen zustande gekommen. Vor dem Tor standen noch zwei MLPDler. Der eine meinte, er stünde seit 40 Jahren vor dem Tor… Sie haben vergeblich Adressen für die einen Ratschlag zur Koordination des Widerstandes gegen den Umbau, also Entlassungen und Rüstungsproduktion gesammelt.

Der eine Betriebsrat war erst recht abweisend, da ich sein Gesicht aber von Veranstaltungen kannte, habe ich ihn angesprochen und dann meinte er es wäre gut, dass wir da wären.

Ansonsten gab es mehrheitliches Abwinken an der Zeitung. Zum Teil wohl, weil sie uns für IGMler hielten, denen auch relativ viel Ablehnung entgegen stieß. Meine Anregung ein Plakat „Willkommen zum Autokapitulationsgipfel“ aufzustellen war nicht konsensfähig.

Statistisch sterben Autoproduktionsarbeiter in Dreischicht ( mit Nachtschicht) acht Jahre früher… Okay – dafür werden sie in Festanstellung einigermaßen gut bezahlt, aber das ist der Preis. Die Kollegen ab 50 laufen nach drei Tagen Nachtschicht nur noch wie Zombies herum. 7 Uhr ins Bett und ab 9 Uhr nicht mehr schlafen können… Es gibt Stimmen von Älteren, dass die geplante Abschaffung der Altersteilzeit für sie persönlich eine Katastrophe ist. Sie können einfach nicht mehr.

Eine politische Einschätzung der Situation: Das deutsche Kapital hat erkannt, dass es in den nächsten Jahren nicht mehr genug Facharbeiter für die Produktion in Deutschland haben wird und betreibt daher strategisch vorausblickend die Deindustrialisierung im Verbund von Regierung und IGM!

Vom Klassenseite stehen sie hier auf verlorenen Posten, wenn es nicht gelingt solidarisch die Löhne in den ausgelieferten Werken in und am Rande der EU und auch weltweit nach oben anzugleichen. Also das Gegenteil der gegenwärtige Standortpolitik der IGM. Diese unterscheidet sich kaum von AFD – Positionen. Daher tut sie sich argumentativ ja auch so schwer gegen sie, besonders auch im Osten. Es braucht direkte Kontakte zu Arbeitern, (Basis-)Gewerkschaftern in diesen Ländern, gegen den Widerstand der IGM.

Nachsatz:

Es gibt wieder eine Autokoordination bei T.I.E., von der Stiftung Menschenwürde mit zwei Hauptamtlichen initiiert. Auch gibt es bei VW jetzt eine Vernetzung zwischen BS, WOB und Kassel. Emden, Hannover und Zwickau sind nicht dabei, es gibt keine Kontakte!

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