Von Alwin Altenwald
Diese Entwicklung wird besonders deutlich in einem Artikel der ZEIT über die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Daniela Cavallo (*). Auch ihr Kollege, Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali (*) bei Mercedes Benz denkt genau so.
Volkswagen-Betriebsratschefin Cavallo wirft Arbeitgebern Verrat vor
Die VW-Betriebsratvorsitzende sieht die Sozialpartnerschaft durch die Arbeitgeber in Deutschland bedroht.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-09/daniela-cavallo-vw-sozialpartnerschaft-autoindustrie-standorte-beschaeftigung-gxe
Frau Cavallo schlägt Alarm. Der Supergau ist eingetreten. Die Kapitalisten, hier bei VW, beenden die Sozialpartnerschaft. Sie zerstören damit eine Illusion, denn eine Sozialpartnerschaft zwischen Fuchs und Gans kann es nicht geben. Aber diese Fiktion ist den Lohnabhängigen von den Herrschenden und den DGB-Gewerkschaftsführungen eingeredet worden. Und nun wird sie von oben aufgekündigt. Es stellt sich raus: FÜCHSE FRESSEN GÄNSE! Dh, Kapitalisten sind keine Vegetarier und keine Pazifisten!
Und da setzt jetzt ein großes Jammern ein über dieses Naturgesetz, das für Frau Cavallo kein Naturgesetz sondern eine schlimme Moral ist!
Und sie „droht mit Widerstand“. Man kriegt einen Lachkrampf – wie soll das gehen? Politischer Streik und Klassenkampf zur Einhaltung der Sozialpartnerschaft?!
Und jetzt passiert auch noch die Aufkündigung der Sozialpartnerschaft „von unten“! Gerade dazu hat sich bei VW eine „IG Metall von unten“ gegründet!
Jedenfalls wird durch das Verschwinden der Traumideologie von einer Sozialpartnerschaft die Voraussetzungen für Interessendurchsetzung und Klassenkampf geschaffen. Und Gewerkschaftsführungen, die dieser Traumideologie weiter anhängen, werden von keiner Seite mehr gebraucht, weder von den Kapitalisten noch den ArbeiterInnen. Aber das heißt noch kein:
Tschüß Frau Cavallo, tschüß Frau Benner, tschüß Frau Fahimi! Das heißt nur, ein beschleunigtes Abschiednehmen von dieser Ideologie! Und für Frau Cavallo, Frau Benner, Frau Fahimi &Co. heißt es wohl erstmal sogar das Gegenteil, sie werden vermehrt Klagen und Schimpfen auf die bösen Sozialpartner, die sie „verraten“. Mit ihrem Geschimpfe glauben sie zu punkten bei den Belegschaften, weil sie ja beweisen, daß sie auch kämpferisch sein können gegen den Arbeit“geber“. Nicht nur Frau Cavallo praktiziert dies sondern auch der Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali bei Mercedes Benz in Sindelfingen (siehe Jour Fixe Info 39-2026 unter 06)!
Daß gerade Frau Cavallo und Herr Lümali sich in dieser Weise äußern, ist kein Zufall, war doch die Propaganda für die Sozialpartnerschaftsideologie angesichts der Spitzenlöhne für große Teile der Belegschaft in der Autoindustrie recht erfolgreich. Und diese Ideologie bricht zusammen.
Alle anderen Betriebe und Branchen, wo die Sozialpartnerschaftsideologie propagiert wird, werden mit ihrer Desillusionierung der Autoindustrie, hier VW und Daimler, folgen. Auch die Betriebe im Bereich der IG BCE, die von allen DGB-Gewerkschaften am lautesten und krassesten die Sozialpartnerschaft raustönt!
Die DGB-Gewerkschaften haben drei wesentliche Merkmale: außer der Progagierung der Sozialpartnerschaft mit Kapital und Staat sind es Antikommunismus und Westbindung. (Westbindung heißt Unterordnung unter die Interessen der USA).
Wenn jetzt unter KollegInnen verstärkt ein Prozeß einsetzt über die Ideologie der Sozialpartnerschaft (andere nennen es Burgfriedenspolitik) so ist zu hoffen, daß auch eine Kritik einsetzt am Antikommunismus und an der Westbindung.
(* )Eine kleine Erläuterung: Grundsätzlich sind alle Lohnabhängigen für mich KollegInnen, also auch Daniela Cavallo und Ergun Lümali. Und werden von mir mit Kollege/Kollegin angeredet! Wenn ich sie, wie in diesem Fall mit Herr und Frau tituliere, ist das ein Zeichen von Ablehnung und Distanz. Sobald ich bei ihnen Anzeichen sehe, daß sie von der Sozialpartnerschaftsideologie abrücken, werden sie für mich wieder KollegInnen sein!
In diese Zusammenhang ein Hinweis auf die Broschüre von Uwe Gertz: Wie die Faust in eine Bettelhand verwandetl wurde. Zur Entstehung des DGB nach 1945
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2025/11/02/wie-die-faust-in-eine-bettelhand-verwandelt-wurde/
Der Genosse Gertz schildert die Zeit unmittelbar nach Kriegsende, als die DGB-Gewerkschaften noch nicht auf Sozialpartnerschaft, Antikommunismus und Westbindung festgelegt waren, weildie Kräfteverhältnisse auch in den Westzonen noch andere waren als zwölf Jahre später.