
Einladung zum 224. Jour Fixe am Mittwoch, 08. Mai um 18 Uhr 30
Ariane Müller, Krankenschwester im Klinikum Bremen Mitte und Betriebsrätin, nach 40 Jahren vom Dienst suspendiert! Warum?
Bericht von Ariane Müller über 50 Jahre Berufserfahrung im Krankenhaus und Gewerkschaftspraxis und die Beendigung ihres Arbeitslebens durch Suspendierung vom Dienst.
Die Krankenschwester Ariane Müller hat auf ihrer Arbeitsstelle, dem Bremer Klinikum Mitte eine Betriebsgruppe mitgegründet, ist als Listenführerin der Gruppe „uns reicht’s“ im Betriebsrat. Kürzlich hat sie als Privatperson am Tag der politischen Gefangenen eine Kundgebung vor der JVA in Vechta angemeldet. Dort sitzt seit ihrer Verhaftung das ehemalige mutmaßliche RAF-Mitglied Daniela Klette ein (die RAF hatte sich 1998 aufgelöst). Da der Geschäftsführung und der Betriebsrat die gewerkschaftlichen Aktivitäten der Kollegin Müller seit Jahrzehnten offensichtlich ein Dorn im Auge war, sah sie jetzt einen willkommenen Anlass sie von der Arbeit am Patientenbett freizustellen. Sie darf das Krankenhaus nur am Mittwoch zu den Betriebsratssitzungen betreten, darf aber keinen Kontakt zu den Kolleg*innen aufnehmen, ihre E-Mail-Adresse wurde gesperrt und sie bekommt vom Betriebsrat keine Tagesordnung mehr zugeschickt. Es ist ein Berufsverbot durch die Hintertür. So schlimm dieser Fakt ist, skandalös ist es, dass sich der Betriebsrat nicht hinter Ariane Müller stellt sondern regelrecht die Geschäftsführung aufgefordert hat, gegen Ariane Müller vorzugehen. Der Betriebsrat hat in einer Sonderbetriebsratssitzung sie als freigestellte Betriebsrätin abgewählt. Dies war überhaupt die Voraussetzung, dass die Geschäftsführung sie anschließend freistellen konnte. Hier wird deutlich, wie der Betriebsrat und die Krankenhausleitung Hand in Hand zusammenarbeitet. Da sich Ariane Müller seit Jahrzehnten vehement für die Belange der Kolleg*innen einsetzt, ist sie genau deswegen vom Bremer Landesfrauenrat zur „Bremer Frau des Jahres 2021“ gewählt worden.
Und bisher hat verdi sich nicht öffentlich solidarisch hinter sie gestellt.
Ariane Müller ist auch eine von drei Sprecher*innen der verdi-Betriebsgruppe im Klinikum Bremen Mitte. Drei Betriebsratsmitglieder haben sogar verdi aufgefordert, Ariane Müller aus der Gewerkschaft rauszuschmeissen.
Sie berichtet nicht nur über den aktuellen Stand ihres Konfliktes mit der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat sondern auch über 50 Jahre Erfahrungen im Krankenhaus und über 50 Jahre gewerkschaftliches Engagement.
Einladung zum 223. Jour Fixe am Mittwoch, 10. April um 18 Uhr 30
Warum protestieren die Bauern? – Ursachen und Perspektiven
Jour Fixe mit Matthias Stührwoldt, Bauer aus Stolpe, Kreis Plön
Der Kollege Stührwoldt referiert zu Hintergründen der Situation in der Landwirtschaft in Deutschland und der bisherigen jahrzehntelangen Agrarpolitik. Erst aus dem Verständnis der Lage der Landwirtschaft lassen sich die Proteste der Bauern die bis heute andauern erklären!
Wenig bekannt ist, dass allein in den vergangenen 15 Jahren mehr als 5 Millionen bäuerliche Betriebe aufgegeben haben. Vor allem die kleinen und mittleren Betriebe fürchten um ihre Existenz, während Finanzinvestoren groß in die industrielle Landwirtschaft einsteigen und Lebensmittelkonzerne die Abnahmepreise diktieren.
Er ist aktiv bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Unser Treffen soll einen Beitrag zur öffentlichen Aufklärung über die heterogenen Strukturen und Probleme in der Landwirtschaft leisten. Auch die von diesem Verband formulierten Forderungen für Veränderungen sollen dabei Raum bekommen.
Zur Vorbereitung auf das Treffen:
Wer ist Herr auf dem eigenen Hof?
Vom langen Sterben der bäuerlichen Familienbetriebe. Ein Ortsbesuch
Von Jürgen Roth
https://www.jungewelt.de/artikel/470622.wer-ist-herr-auf-dem-eigenen-hof.html
Arg muss sich der Bauer quälen. Agrarkrise, Höfesterben und Bauernproteste
Von Gregor Kritidis
https://www.labournet.de/branchen/landwirtschaft/arg-muss-sich-der-bauer-quaelen-agrarkrise-hoefesterben-und-bauernproteste/
Anmerkung: Eine umfassende und genaue Analyse der Situation der Landwirtschaft, sehr nützlich, um die Rebellion der Bauern zu verstehen.
Einladung zum 222. Jour Fixe am Mittwoch, 06. März um 18 Uhr 30
Gewerkschaftsführungen auf Seiten von Regierung und Kapital – Was tun WIR?
Jour Fixe mit Dejan Lazic und Felix Feistel – Referat mit anschließender Diskussion
Es passiert eine Verschlechterung der Lebenslage immer größerer Schichten der Bevölkerung, von Jahr zu Jahr.
Die Unruhe in den Belegschaften wächst, auch wenn noch keine flächendeckende Protestbewegung dagegen entstanden ist. Nur, wenn einzelnen Firmenketten (wie Galerie-Kaufhof jetzt), Firmen oder Abteilungen das Aus droht, rührt sich Widerstand – wir können es täglich in der Jungen Welt oder bei labournews lesen. Eine bundesweite Rebellion wie bei den Bauern und Handwerkern findet nicht statt.
Die Regierung macht mit Kapitalisten und DGB-Spitzen mal wieder eine Konzertierte Aktion, um die Krisenkosten auf die Lohnabhängigen inclusive Rentner abzuwälzen, wobei den DGB-Gewerkschaften die Aufgabe zukommt, die Massen ruhig zu halten. Und das hat ja bisher recht gut geklappt.
Und jetzt steht allen Lohnabhängigen und Rentnern eine weitere Welle an Kürzungen bevor, es muß „gespart“ werden zugunsten der Aufrüstung, Hochschrauben auf 2% des Bundeshaushalts.
Diese Lage in Gesellschaft und Gewerkschaft erheischt von uns als aktiven GewerkschafterInnen eine Antwort.
Wir sind für starke, klassenkämpferische Gewerkschaften, wie sie Mitte des 19. Jahrhundert entstanden sind. Ihre Aufgabe war damals die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen und sie hatten das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft.
Unsere heutigen DGB-Gewerkschaften haben den Klassenkampf aufgegeben zugunsten einer „Sozialpartnerschaft“ mit dem Kapital. Den Antagonismus von Kapital und Arbeit leugnen sie.
Was können aktive GewerkschafterInnen tun, die sehen, daß die Lage der KollegInnen immer bedrängender wird und der Unmut wächst?
Die DGB-Gewerkschaften haben sich auf die Seite der Herrschenden, der Regierung gestellt. Wir haben es bei ihrer Unterstützung der Coronamaßnahmen gesehen, bei der Befürwortung der Sanktionen gegen Rußland, der Unterstützung der israelischen Regierung beim Massenmord an Palästinensern. Der Gipfel ist jetzt, und deutlicher geht’s nicht, das Vornewegmarschieren von DGB, SPD vor allen anderen politischen Kräften in Sachen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung:
https://www.igmetall.de/presse/pressemitteilungen/verteidigungsindustrie-zukunftsfaehig-machen
Wie reagieren wir als aktive, wütende, besorgte GewerkschafterInnen darauf? Indem wir den Widerstand von KollegInnen dagegen für eine oppositionelle Strömung in den Gewerkschaften organisieren!
Darüber wollen wir nach ihrem Referat mit den Kollegen Lazic und Feistel nach ihrem Referat diskutieren.
Zu dem Thema hatten sie dieses Referat veröffentlicht:
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2024/01/19/jfi-03-2024/#a2

Einladung zum 221. Jour Fixe am Mittwoch, 07. Februar um 18 Uhr 30
Eine Gesellschaft ohne Opposition. Versuch einer Analyse der aktuellen Situation
Jour Fixe mit Dr. Klaus-Jürgen Bruder(*). Referat mit anschließender Diskussion
Die desaströse Situation der Opposition in Deutschland erlaubt den politischen Eliten, den Neoliberalismus als Garant von Demokratie und Freiheit zu präsentieren und durchzusetzen. Demonstrationen im Namen der Regierung und unter Beteiligung von Regierungsmitgliedern – gegen die Folgen ihrer eigenen Politik – sind das letzte Stadium der „Paralyse der Kritik“, einer Gesellschaft ohne Opposition. Die Paralyse der Kritik tritt aktuell im Diskurs der Macht in verschiedenen Formen auf: als Bestätigung des positiven Denkens oder aktuell unverhüllt als Repression in Form von Sprachvorgaben, Sprachverboten etc. Nachdem Kritik und Protest während des Corona-Regimes als rechts, antisemitisch etc. diffamiert, strafrechtlich verfolgt und damit auszulöschen versucht worden waren, werden sie nun zur Bestätigung der Regierungspolitik „umfunktioniert“. Die Diagnose von Marcuse: „Wir sind eine Gesellschaft ohne Opposition“, scheint sich bewahrheitet zu haben.
Gleichzeitig findet der Wunsch nach einer Alternative, dem guten Leben jenseits der Unterwerfung unter die jetzigen herrschenden Verhältnisse, seinen Ausdruck in vielen Bewegungen und Projekten, in denen neue Formen der Kritik, aber auch der Zusammenarbeit und des Gemeinsinns ausprobiert werden. Aber: welche Opposition ist unter den gegenwärtigen Bedingungen in der Lage, jene Gegenöffentlichkeit herzustellen, in der das »unglückliche Bewusstsein« seine Stimme erheben und die punktuellen Aktionen aus ihrer Vereinzelung befreien kann? Wie können wir wieder eine Opposition schaffen, die die Verhältnisse zum Tanzen bringt?
Diese Fragen wollen wir nach dem Referat mit dem Referenten diskutieren.
(*) Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder ist Psychoanalytiker, Psychologe, Hochschullehrer und war bis 2023 Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP)

Einladung zum 220. Jour Fixe am Mittwoch, 24. Januar um 18 Uhr 30
Hamburg, ein Zentrum des deutschen militärisch-industriellen Komplexes – Unser antimilitaristischer Kampf!
Jour Fixe mit Martin Dolzer, seit Jahren aktiv in der Friedensbewegung und Verfasser des Buches (zusammen mit Mehmet Yildiz) „Krieg und Frieden. Welche Rolle spielt Hamburg?“
Referat von Martin Dolzer und Diskussion.
Bei unserem Jour Fixe wollen wir uns mit der Rolle Hamburgs als weltweitem Drehkreuz des Waffenhandels und einem zentralen Ort für den bundesdeutschen Militärisch-Industriellen-Komplex befassen.
In Hamburg produzieren mehr als 93 Unternehmen Rüstungsgüter wie Airbus, Blohm&Voß, Rheinmetall, Siemens, IBM, MTU, Krauss Maffei Wegman.
Über den Hafen werden massiv Waffen und Munition aller Art verschifft.
Mit der Bundeswehr-Universität und der Führungsakademie der Bundeswehr befinden sich zwei Zentren der Bildung und Ideologieentwicklung in Hamburg.
Vor diesem Hintergrund soll auch die Rolle der Hansestadt in der Entwicklung der Außen und Verteidigungspolitik der letzten zwanzig Jahre eingeordnet und Vorschläge für eine konsequente Friedenspolitik gemacht werden.
Hinweis auf das Buch von Mehmet Yildiz und Martin Dolzer:
booklooker: Yildiz, Mehmet, Dolzer, Martin – Krieg und Frieden

Einladung zum 219. Jour Fixe am Mittwoch, 13. Dezember um 19 Uhr
Ursachen und Hintergründe des Wilden Streiks bei der HHLA
Eine kritische Betrachtung
Jour Fixe mit Sonja Petersen, Betriebsrätin bei der HHLA und Gerd Müller, ehem. BR und 38 Jahre bei der HHLA
Der Wilde Streik im November 2023 im Hamburger Hafen hat nicht nur in Hamburg sondern deutschlandweit und international viel Aufsehen erregt.
Bei vielen Linken sorgte er für Begeisterung, ja Euphorie, war es doch endlich mal wieder ein Beweis für den alten Spruch der Arbeiterbewegung: Wenn dein starker Arm es will, stehen alle Räder still..
Die HafenarbeiterInnen sorgten sich angesichts der drohenden Privatisierung um ihre Arbeitsplätze. 49,9 der Anteile der HHLA sollen vom Senat an die dubiose Schweizer Firma MSC verkauft werden.
Ver.di, als zuständige Gewerkschaft, spielte eine widersprüchliche Rolle. Auf der einen Seite gibt es Erklärungen der Bundeskongresses und des Bundesvorstandes den Verkauf abzulehnen. Der Landesverband Hamburg hat dazu auch klare Beschlüsse gefasst.
Als jedoch Vorstand und Aufsichtsrat, einschließlich der in ver.di organisierten Arbeitnehmervertreter am 06.11.2023 dem Verkauf zustimmten, war die Empörung groß und es kam am Containerterminal Burchardkai zum Streik.
Dabei war der Belegschaft noch nicht bekannt, dass es bereits am 01.11.2023 eine Verhandlungsaufforderung der Ver.di Vorsitzenden Christine Behle an den HHLA-Arbeitsdirektor Seebold gegeben hatte, den Verkauf in einem Überleitungstarifvertrag zu regeln. Gleichzeitig veröffentlichte Ver.di eine Presseerklärung „HHLA-Verkauf – Wichtige Punkte durchgesetzt“.
„Nach dem Verkauf von Anteilen der HHLA an die mächtige Reederei MSC habe Ver.di die Beschäftigten in wesentlichen Punkten absichern können. Diese müssten nun in einem Tarifvertrag festgehalten werden“.
Als die HHLA beabsichtigte, die stellvertretenden Betriebsratsvorsitzende wegen ihrer Rolle im Streik zu kündigen widersprach der Betriebsrat am 20.11.2023. Überraschend war dann, dass die Kollegin auf der Betriebsversammlung am 21.11.2023 begleitet vom ver.di Betreuungssekretär erklärte: „Die abgelaufenen Arbeitsniederlegungen waren zu diesem Zeitpunkt das falsche Instrument.“
Als Ergebnis sprach die HHLA die Kündigung nicht aus.
Gerd und Sonja werden versuchen, eine Einschätzung über die Kampfkraft, aber auch die Schwächen im Streik, der auf den Burchardkai beschränkt blieb, zu geben. Die Streikenden beendeten den Streik gemeinsam am 07.11.2023 mit Forderungen an Senat und Vorstand und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat.
Die Frage bleibt: „Wie geht es weiter?“ Was ist von dieser Demonstration der Stärke geblieben und kann sie sich auf die anderen Terminals ausweiten?
Setzt Ver.di die Erklärungen und Beschlüsse, den Verkauf abzulehnen in ein konsequentes Handeln um oder bleibt es bei Worten?
Stellt sich Ver.di hinter die Streikenden und setzt sich für die Rücknahme der erteilten Abmahnungen ein?
Im Januar wird es ernst, wenn die Senatsvorlage in die Bürgerschaft kommt.
Spätestens im März/April wird dann die Entscheidung der Bürgerschaft fallen.
Als Hintergrund-Info:
Auf der ver.di-Kundgebung der Hafen-Kolleg/innen auf dem Rathausmarkt am 11.11.2023 hat der Historiker Jürgen Bönig (Museum der Arbeit) eine sehr fundierte und vielbeachtete Rede zu den Hintergründen des HHLA-MSC-Deals und der berechtigten Kritik an diesem Deal gehalten.
https://www.sozonline.de/2023/11/die-interessen-von-msc-sind-nicht-die-interessen-der-stadt-hamburg-und-ihres-hafens/

Einladung zum 218. Jour Fixe am Samstag, 2. Dezember um 17 Uhr 15, zusammen mit Atif (Föderation türkischer ArbeiterInnen)
Migration ist in der Geschichte Deutschlands: Verbunden mit Marginalisierung, Rassismus Unterdrückung. Und Widerstand und Integration!
1973, das Jahr des Ford-Streiks und des Pierburg-Streiks war ein wichtiges Jahr für die westdeutsche Arbeiterbewegung. Die Streikenden in diesen beiden Werken setzten ein Fanal, daß sie nicht mehr die fügsamen Billigarbeitskräfte seien, sondern KollegInnen, die für ihre Interessen kämpfen! Auch in den DGB-Gewerkschaften mußte man umlernen! Diese Streiks waren ein erster Schritt zu Emanzipation und Integration.
Bei dem Jour Fixe soll kein Referat aus deutscher Sicht zum Gelingen oder Mißlingen der Integration de MigrantInnen gehalten werden, sondern es sollen fünf KollegInnen aus der Türkei, Äthiopien und Nordafrika berichten, warum sie ihre Heimat verlassen haben oder verlassen mußten und wie sie in Deutschland aufgenommen wurden, wie sie Arbeit gefunden haben, eine Wohnung, wie sich eingelebt haben, was für Hindernisse es gab!
Wir zeigen zuerst den Pierburg-Film (42 Minuten). Dann folgen die Berichte der fünf KollegInnen und Diskussion.
Wir hoffen auf einen informativen, spannenden und diskussionsfreudigen Abend
Diese beiden Texte geben einen guten Einblick in die beiden wichtigen Arbeitskämpfe von 1973!:
Fünfzig Jahre Migration und Arbeitskampf
Zum Tod von Baha Targün – Ein Nachruf auf den Sprecher der Streikleitung des Ford Streiks 1973
Von Götz Schmidt
https://gewerkschaftsforum.de/50-jahre-migration-und-arbeitskampf-zum-tod-von-baha-targuen-ein-nachruf-auf-den-sprecher-der-streikleitung-des-ford-streiks-1973/#more-17223
Pierburg 1973: Der migrantische Streik
https://diefreiheitsliebe.de/politik/pierburg-1973-der-migrantische-streik/
Einladung zum 217. Jour Fixe am 08.11.2023 um 18 Uhr 30
zusammen mit Olmo Kulturverein und Naturfreunde Hamburg
Werner Rügemer: Verhängnisvolle Freundschaft
Wie die USA Europa eroberten, zunächst vom 1. zum 2. Weltkrieg.
Gewidmet Julian Assange
„Es ist gefährlich, Amerikas Feind zu sein. Aber Amerikas Freund zu sein, ist verhängnisvoll“, so Henry Kissinger, langjähriger Berater von US-Präsidenten. So wurde die alliierte Sowjetunion sofort nach 1945 vom Freund zum Todfeind. Dies geschah auch der Volksrepublik China, die in den 1970er Jahren von Kissinger selbst umworben worden war. Die wichtigsten Unternehmen der nach 1945 umworbenen westeuropäischen Staaten wurden seit der Jahrtausendwende von US-Investoren aufgekauft, Staaten und abhängig Beschäftigte wurden verarmt, auch Regierungen werden überwacht – und die geschwächten Vasallen müssen seit Obama aufrüsten, beschleunigt durch den Stellvertreterkrieg in der Ukraine. In der EU trifft es den besten Freund Deutschland am härtesten.
Die Gene des US-Staates:
*Der Staat baute nach der Gründung Sklavennutzung und Sklavenhandel aus und praktiziert seit dem Bürgerkrieg bis heute die geopolitics of modernized slave labor rund um den Globus.
*Der Staat hat kein Außen- sondern nur ein Staatsministerium: Das „nationale Interesse“ erstreckt sich tendenziell auf jede Person, Organisation, Regierung, jedes Unternehmen, jeden Staat der Erde.
*Die US-Verfassung nennt nirgends die Demokratie. Die USA sind eine Kapital-Demokratie, global offen auch für Faschismus, Rechtsradikalismus, Diktaturen, Oligarchen.
*Der US-Kapitalismus ist ein Militär-Kapitalismus, Investoren und Militär operieren gemeinsam. Wirtschaftliche und militärische Globalisierung bilden seit dem 19. Jahrhundert eine Einheit – nach 1945 mit Marshall-Plan und NATO, ebenso bei der Osterweiterung von NATO und EU.
*Alternativ zu internationalen Organisationen wie Völkerbund, UNO, WTO, Internationaler Gerichtshof bauen die USA ihre eigenen „regelbasierten“ Systeme auf, mit wechselnden Partnern.
Die Praxis zeigte sich zunächst mit der Durchdringung der Hinterhöfe Nordamerikas, Lateinamerikas und Asiens, dann mit der finanziellen Abhängigkeit der europäischen Verbündeten im Ersten Weltkrieg. Danach förderten die USA alle faschistischen Diktaturen: Mussolini, Franco, Metaxas, Salazar, Chiang Keishek – und Hitler: die Zerschlagung der Demokratie- und Arbeiterbewegungen war die Freude der US-Kapitalisten. Hollywood machte Wahlwerbung für Hitler, schon vor 1933. NS-Deutschland war der größte Abnehmer von einvernehmlich zensierten Hollywood-Filmen. US-Konzerne machten Hitlers Wehrmacht zum modernsten Militär der damaligen Welt, auch im Weltkrieg produzierten sie weiter für Hitler-Deutschland. Die US-geführte Bank for International Settlements (BIS/Schweiz) wusch NS-Raubgold aus den besetzten Staaten. 1945 praktizierten die USA den nuklearen Erstschlag. Diese Doktrin, zuletzt bekräftigt unter Präsident Obama, bedeutet: Der mögliche Schauplatz wäre Europa, wo die guten Freunde leben. Der „Kalte Krieg“ war für die USA auch ein „heißer Krieg“: 64 regime change-Operationen.
Täuschungs-Industrie: So wurde 1947 das US-War Department nach 158 Jahren in Defense Department umbenannt: Globale Kriege und ihre Vorbereitungen heißen seitdem „Verteidigung“.
Weltgesellschaft: Der Autor plädiert im Kontext des sich kooperativ neu organisierenden „Restes“ der Weltgesellschaft für das ursprüngliche UN-Völkerrecht und die Universellen Menschenrechte einschließlich der Arbeits- und Sozialrechte. Auch die demokratische Loslösung Europas vom vorherrschenden US-Kapitalismus ist nur in Kooperation mit dem „Rest“ der Welt möglich.
Quellen: Das Buch zieht v.a. US-Quellen heran, auch französische, die nie ins Deutsche übersetzt wurden. Die bundesdeutsche Historiker- und Medienzunft lebt von Legenden und Blindstellen.
Autor: Seit den Veröffentlichungen 1984 zu Akteuren und Praktiken des Silicon Valley gilt Werner Rügemer als bester Kenner des Innen- und Außenlebens der USA. www.werner-ruegemer.de

Einladung zum 216. Jour Fixe am 04. Oktober 2023 um 18 Uhr 30
Zum israelisch-palästinensischen Konflikt in Geschichte und Gegenwart
Wir freuen uns, Fuad Hamdan (München) als Referenten begrüßen zu können.
Er wird einen etwa eine Stunde dauernden Vortrag halten und freut sich auf eine sich anschließende lebhafte Diskussion.
Dabei kommt es ihm besonders darauf an, auf die Wurzeln dieses bereits viele Jahrzehnte andauernden Konflikts einzugehen. Seiner Meinung nach liegt dort der Schlüssel zu seinem Verständnis.
Selbstverständlich wird er auf die sich zunehmend massiv verschärfende Sicherheitslage in den von Israel besetzten Gebieten im Westjordanland sowie im Gazastreifen und Jerusalem eingehen; auch eine Einschätzung der innenpolitischen Verwerfungen im Staat Israel selbst wird beleuchtet.
Ob auch nur ein Fünkchen Hoffnung, etwas Licht am Ende des Tunnels erkennbar ist und wenn ja, in welche Richtung hin, wird sicher Gegenstand der Diskussion sein.
Fuad entstammt selbst einer palästinensischen Bauernfamilie, 1948, im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels, von ihrem Land vertrieben, kam er im Flüchtlingslager Kalandia am Rande von Ramallah zur Welt. Als junger Mann nach Deutschland gekommen, baute er sich hier eine Existenz auf und lebt seit vielen Jahren in München.
Den regelmäßigen Kontakt zu seiner Familie, zu seiner Heimat, hat er nie aufgegeben und er kämpft unermütlich dafür, dass authentische Informationen ‚aus erster Hand‘ über die Lage in Palästina in Deutschland Verbreitung finden.
Fuad Hamdan ist Geschäftsführer im Dritte Welt Zentrum München e.V.
http://dritteweltzentrum.de/

Einladung zum 215. Jour Fixe am 06. September 2023 um 18 Uhr 30
Trucker-Streik: Last Exit Gräfenhausen
Ein bedeutsamer Streik für die Arbeiterbewegung und die internationale Solidarität
Kollegen einer Solidaritätsgruppe aus Kiel, Bremen und Hamburg waren in Gräfenhausen und haben mit den Streikenden gesprochen, dank des schwedischen Gewerkschafters Pelle Sunvisson, der russisch spricht.
Der Transportsektor ist ein Musterbeispiel für Gobalisierung und die Prekarisierung der Arbeitsbedingungen.
Mit der Just-in-Time-Produktion verlegte die Autoindustrie ihre Lager auf die Autobahnen. Sie und andere Großbetriebe lösten ihre Fuhrparks auf, sourcten sie aus. Unter dem enormen Hunger der Wirtschaft nach immer billigeren Transporten enwickelte sich ein System von Sub-Sub-Subunternehmen und es setzte ein freier Fall der Arbeitsbedingungen der Berufskraftfahrer ein. Die Transportwirtschaft beklagt seit Jahren einen Fahrermangel.
Sie besorgte sich Fahrer aus Osteuropa, doch inzwischen ist auch dieser Markt erschöpft und es werden zunehmend asiatische Fahrer (aus ehemaligen Sowjetrepubliken, aber auch von den Phillipinen) für Transporte in Westeuropa angeheuert. Denen zahlt man nicht nur Hungerlöhne um die 5 €, man betrügt sie oft um einen Teil dieses Lohns, es gibt Abzüge oder er wird gar nicht ausgezahlt. Das ist seit Jahren bekannt, Medien sprechen von „moderner Sklaverei“, doch es blieb ohne Konsquenzen für den deregulierten Transportsektor.
Nun beginnen die Sklaven der Straße zu rebellieren.
Ende März versammelten sich etwa 60 georgische und usbekische Fahrer zu einem wilden Streik auf dem Rastplatz Gräfenhausen (A5). Nach 6 Wochen Streik endete der Arbeitskampf mit einem Sieg der Fahrer.
Kein viertel Jahr später versammelten sich wieder Fahrer aus zentralasisatischen Republiken auf dem gleichen Parkplatz, um ihre ausstehenden Löhne einzufordern. Dieses Mal trat eine weitaus größere Zahl Fahrer mit einem halben Dutzend verschiedener Nationalitäten in den wilden Streik. Die Bedingungen sind bei diesem zweiten Streik schwieriger. Der Arbeitskampf dauert schon seit mehr als fünf Wochen an und es ist kein Ende in Sicht.
Die Kollegen berichten, wie die Streikenden auf der Raststätte leben, durchhalten und sich organisiert haben.