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Die nächsten Jour Fixe

Sofern nicht anders angegeben finden die offenen Treffen der Gewerkschaftslinke Hamburg regelmäßig am 1. Mittwoch des Monates im Curio-Haus statt.

Jour Fixe 204

Datum: 07/12/2022
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Curiohaus. Rothenbaumchaussee 15, Hofdurchgang, 20148 Hamburg
Jour Fixe
Werner Rügemer

Einladung zum 204. Jour Fixe am 7. Dezember um 18 Uhr 30

„Fachkräfte“-Mangel in Deutschland?

Referent: Werner Rügemer, Köln, Publizist


Natürlich haben wir einen riesigen Fachkräfte-Mangel in Deutschland!

Zum Beispiel im Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt: Um endlich gegen den hilflos herumstochernden grünen Umweltminister „ökonomischen Sachverstand“ in die Regierung zu bringen, wurde jetzt die BlackRock-Managerin Elga Bartsch zur Leiterin der Grundsatzabteilung „Wirtschaft“ berufen. Sie soll den sozial-ökologischen Umbau in Deutschland voranbringen.

Und für die vier Hartz-Gesetze musste McKinsey ran. Und für die Zurichtung der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter muss Accenture ran. Undsoweiter.

In Deutschland sind für die wichtigen Aufgaben offensichtlich keine Fachkräfte zu finden.

Und auch ein paar Etagen drunter fehlen in Deutschland die Fachkräfte, zu hunderttausenden: in den Krankenhäusern, in den Alten- und Pflegeheimen, in den Schulen und Kindergärten, beim Bau, als LkW-Fahrer, bei Software und IT und im Handwerk.

Das könnte damit zusammenhängen, dass die zuerst genannten Fachkräfte dafür die wichtigen Vor-Entscheidungen gefällt haben: Der Staat „spart“, wie es heißt, jedenfalls bei den Einkommen und den Arbeitsverhältnissen und der Ausbildung in den Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen undsoweiter. Und die vielen Arbeitslosen und Unter- und Teilbeschäftigten werden nicht weitergebildet und umgeschult wie zum Beispiel jetzt beim Umstieg in die e-Mobilität. Stattdessen werden neue Zulieferfirmen in Niedriglohnstaaten gegründet.

Einige Jahrzehnte lang haben Unternehmen mithilfe der EU dafür das Reservoir billiger Migranten in den verarmten osteuropäischen EU-Staaten und aus den Balkanstaaten ausgeschöpft.

Mit der Corona-Politik hat die Bundesagentur für Arbeit aber nun Abkommen mit Drittstaaten abgeschlossen, also mit Indien, Vietnam, Kolumbien, Philippinen, Bosnien, Tunesien undsoweiter: Jetzt kommen die Fachkräfte aus noch ärmeren Staaten, und deshalb sind die Fachkräfte noch billiger, und noch williger.

Die zuerst genannten hochbezahlten, von weit her geholten Fachkräfte auf der obersten Ebene verursachen die Herholung der vielen schlecht bezahlten Fachkräfte auf der unteren Ebene.

Gleichzeitig verarmen der Staat, die soziale, kommunale und industrielle Infrastruktur und die Mehrheit der Bevölkerung.

Es ist eine verdammt schwierige Aufgabe, in der EU und den betroffenen Staaten demokratische und menschenrechtliche Verhältnisse herzustellen. Fangen wir in Deutschland an: Was muss sich ändern? Wer kann das tun?

Literatur:
Werner Rügemer: Imperium EU – ArbeitsUnrecht, Krise, neue Gegenwehr. Köln 2020
Werner Rügemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriß zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. Köln 2021

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