
Einladung zum 241. Jour Fixe am 01.10.2025 um 18:30 Uhr
Panama: Große Kämpfe in einem kleinen Land
Referent: Hinrich Schultze
Warum machen wir ein Jour Fixe zu einem kleinen Land am anderen Ende des Globus?
Über Panama wurde jüngst auch hier viel berichtet, als bekannt wurde, daß Trump nicht nur Ansprüche erhob gegen Grönland, Kanada und Mexico sondern auch gegen Panama.
Es wurde auch bei uns über massive gewerkschaftliche Kämpfe berichtet und die Verfolgung der Gewerkschaftsführer und auch RentnerInnen wehrten sich gegen die Zerschlagung des Rentensystems, was hier Nachhall fand.
Unser Referent, Hinrich Schultze, Fotograph und Filmemacher, ist seit 2007 auf Einladung der dortigen Gewerkschaft öfter in Panama, manchmal monatelang.
Worüber er uns berichten wird, kann als beispielhaft gelten für die Kämpfe im Trikont, wo sich die Menschen wehren gegen den Hegemon USA und die einheimische Ausbeuterklasse.
Seit 500 Jahren sind die Ressourcen der Meerenge Amerikas Objekt der Begierden auswärtiger Mächte. Verschärft durch aktuellen Ansprüche der USA stehen soziale Organisationen im neoliberal regierten Panama stark unter Druck. Die grösste Gewerkschaft des Landes kämpft um ihr Überleben.
Gewerkschaftsführer sind im Gefängnis oder auf der Flucht. Nach massiven Streikmassnahmen wurden tausende Chiquita Arbeiter entlassen, neue Arbeitsmöglichkeiten werden unter schlechteren Bedingungen durch den Konzern erpresst.
Der Fotograf Hinrich Schultze berichtet von einem kleinen Land, seiner wechselvollen Geschichte und den aktuellen Ambitionen der US-Regierung.

Einladung zum 240. Jour Fixe „Draußen-Jour Fixe“ am 3. September 2025
Stadtteilführung durch Wilhelmsburg. Industrieentwicklung ehemals und heute. Wilhelmsburg alt & neu
Mit Andromeda v. Prondzinski, im Stadtteil eingeboren, aber zwischenzeitlich leider weggentrifiziert.
Start am 3.9.2025 18:45 Uhr, S-Bahnhof Wilhelmsburg. Es geht pünktlich los!
Was ist aus dem hafennahen Industriestandort und dem Hafenarbeiter-Stadtteil geworden?
Auf einer Wanderung vom Wilhelmsburger S-Bahnhof über das alte Bahnhofsviertel, das teils langzeitbrache Korallusviertel (ein nicht funktionierendes Investorenparadies!) über die neue Wilhelmsburger Reichsautobahn, die nur noch als Ruine vorhandene alte Reichsstraße ersetzt, und über die erste befestigte Überlandstraße Norddeutschlands gelangen wir zum Vering-Kanal, einst prosperierendes Industrie-Areal mit aktuell wenigen noch vorhandenen Resten der ehemaligen Nutzung (die Katzenkocherei!), aber viel hinterlassener Altlast.
Hier können wir den Relikten der ‚Indu‘, der späteren Hafenbahn, nachtrauern, die dem LKW weichen musste.
Über das „quirlige“ Reiherstiegviertel – so wird es gerne vermarktet – mit den schön gestiegenen Mieten
gelangen wir zur abschließenden Einkehr im Biergarten „Zum Anleger“ am Ernst-August-Kanal,
der seinen Namen nicht vom Prügelprinzen hat, sondern von einem seiner Vorfahren.
Von dort können wir dann den Blick auf den Wilden Wald genießen – der noch steht, obwohl die untote IBA-GmbH ihn gerne betonieren möchte.

Einladung zum 239. Jour Fixe am 06.08.2025 um 18:30 Uhr
In Kooperation mit Olmo, Kulturverein Fuhlsbüttel
Die Spaltung der Gesellschaft, der damit verbundene Rechtsruck und die Rolle der AfD und anderer rechter Organisationen…
am Beispiel von Sebnitz, einer deindustriealisierten Kleinstadt in Sachsen
Referent: Rainer Böhme
Rainer Böhme legte in Sebnitz sein Abitur ab, versah danach in Berlin seinen 3jährigen Dienst bei der NVA, war Volontär beim Fernsehen der DDR, wurde dann aber in der Hauptstadt der DDR Kriminalist u. a. Kripochef in Berlin-Marzahn.
Nach der Wende kehrte er in seine Heimat zurück, wo er als Reiseveranstalter selbständig war. Schon bald war er politisch in der Linkspartei aktiv, macht noch immer Musik und veröffentlichte bisher 7 Bücher.
Seit Jahren versucht er in seinem Umfeld die Friedensbewegung zu aktivieren und setzt sich aktuell vor allem mit dem Thema Rechtsentwicklung auseinander.
Er vertritt u. a. folgende Meinung: Da die AfD und andere Rechtskräfte Zulauf vor allem im Ergebnis der Politik von CDU, SPD, Grünen und FDP haben, kann ihnen nicht durch Gesetze eben dieser Parteien Einhalt geboten werden.
Auch die Linke findet selten die richtige Weise der Auseinandersetzung mit rechter Ideologie. Das versucht der Referent mit Beispielen aus seinem Umfeld zu belegen.
Zur Frage Verbotsantrag, Brandmauern, Gespräche ja oder nein und mögliche Bündnispartner gibt es sicher unterschiedliche Auffassungen. Darüber können oder sollten wir reden und unsere Meinungen austauschen.
Zur Situation in Sebnitz:
Die rassistische Anzeige des Dachdeckermeisters Ronney Weis im Sebnitzer Amtsblatt im April 2025 rief bundesweit Empörung hervor. So gerieten nebenbei auch die Probleme der sächsischen Grenzregion in den Fokus (die Kleinstadt Sebnitz liegt unmittelbar an der Grenze zu Tschechien). Obendrein wurde im April bekannt, dass der größte Arbeitgeber in Sebnitz, Bosch, seinen Standort mit 280 Beschäftigten bis Ende 2026 aufgeben und nach Ungarn verlagern will. Zu DDR-Zeiten waren in Sebnitz mehrere Großbetriebe angesiedelt (Bohrmaschinen, Landmaschinen, Kunstblumen, Herrenmode, Plastik).
Einladung zum 238. Jour Fixe am 02.07.2025 um 18:30 Uhr !
Ursachen der sozialpartnerschaftlichen Beschränktheit von Gewerkschaften und Arbeiterparteien. Wie kann diese Schranke zumindest teilweise überwunden werden?
Referent: Klaus Dallmer,
Autor des Buches „Die Meuterei auf der „Deutschland“ 1918/19 – Anpassung, Aufbäumen und Untergang der ersten deutschen Arbeiterbewegung“
August Bebel und Wilhelm Liebknecht gingen für ihre Ablehnung des deutsch-französischen Krieges stolz ins Gefängnis. 44 Jahre später stimmte die SPD den Kriegskrediten zu und die Gewerkschaften erklärten den Streikverzicht.
Die Revolutionären Obleute nutzten die gewerkschaftlichen Strukturen für die Massenstreiks und die Revolution – 6 Tage nach der Revolution vereinbarten die Gewerkschaften mit den Unternehmern die gegenseitige Anerkennung.
Die Führung des Deutschen Metallarbeiterverbandes konnte die linke Opposition erst im Oktober 1919 stürzen, also 11 Monate nach der Revolution.
Beim Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 rief die ADGB-Führung zum Generalstreik auf, leistete dann aber der Niederschlagung der Roten-Ruhr-Armee Vorschub.
- Wie erklären sich diese widersprüchlichen Verhaltensweisen?
- Wie wirken die Integrationskräfte des Kapitalismus auf Arbeiterparteien und Gewerkschaften?
- Vor welchen Probemen stehen wir heute?
- Wie erklärt sich die hartnäckige Sozialpartnerschaft und wie kann sie überwunden werden?

Einladung zum 237. Jour Fixe am 04.06.2025 um 18:30 Uhr !
Gewinner waren wir nicht, aber wir haben gekämpft
Filmabend mit einem Videofilm der Filmwerkstatt Hamburger Metaller, der Geschichtswerkstatt Barmbek und
des MPZ Hamburg e.V. Hamburg 2008, von Jürgen Kinter,
103 Minuten
Aus aktuellem Anlass, in dem Betriebsschließungen und -verlagerungen zu den täglichen Meldungen gehören und Maschinen- und Autobau teilweise auf Rüstungsproduktion umgestellt werden (kriegstüchtig werden…), ist es lehrreich und interessant, wie vor rund 40 Jahren die Kolleginnen und Kollegen gegen die damals durchgeführten Betriebsschließungen in Hamburg reagiert haben.
Wie haben die Hamburger Metaller gegen die Massenentlassungen und Betriebsschließungen bei Kampnagel, Heidenreich & Harbeck, MAN und die Werftenschließung bei HDW gekämpft?
Wie hat die Hamburger Bevölkerung darauf reagiert und ihre Kämpfe und die Betriebsbesetzung bei HDW unterstützt?
Wie haben sich die Gewerkschaften verhalten?
Der Film dokumentiert ein spannendes Stück Zeitgeschehen.
Die Kolleginnen und Kollegen berichten von Ihrem Arbeitsalltag und den Erfahrungen bei diesen Auseinandersetzungen.

Einladung zum 236. Jour Fixe am 28.05.2025 um 18 Uhr !
Meuterei lohnt sich – Brot, Frieden, Würde erkämpfen!
Diskussionsveranstaltung mit Peter Mertens, Generalsekretär der Partei der Arbeit Belgiens und Autor des Buches „Meuterei“
Unterstützer/Mitveranstalter: Junge Welt, MASCH e.V Hochschulgruppe, Gruppe ‚International solidarisch – Schluss mit Austerität‘, Seniorenaufstand/RentenZukunft, Hamburger Wählervereinigung Die Wahl
Peter Mertens, seit 2008 Vorsitzender, heute Generalsekretär der Partei der Arbeit Belgiens (PvdA / PTB) diskutiert in seinem kürzlich erschienen Buch die Herausforderungen im globalen Kampf für tatsächlich menschenwürdige Verhältnisse unter dem Motto „Meuterei!“. Er reflektiert darin die aktuellen wie auch historischen Voraussetzungen für gelingende soziale Aufstände und Umwälzungsprozesse und geht dabei der Frage nach, wie die Vielen, die die Gesellschaft durch ihre Arbeit und ihr Engagement tagtäglich am Laufen halten und weiterentwickeln, dazu kommen, auch das Steuerrad zu übernehmen. Dabei kann Peter Mertens auf die Erfahrungen mit der Entwicklung einer ehemals marxistischen Kleinstpartei der außerparlamentarischen Opposition hin zu einer Partei mit Einfluss zurückblicken. In der europäischen Hauptstadt Brüssel erreichten die „Marxisten“ 20,9 Prozent, wurden zur drittstärksten Partei, unter den Erstwählern erzielten sie gar 29 Prozent.
Die Welt ist in einem fundamentalen Umbruch. Die politische, sozio-ökonomische und beherrschende kulturelleVorrangstellung des neoliberalen kapitalistischen Gesellschaftsmodells westlicher Prägung zerfällt.
Die viel gepriesene freie Marktwirtschaft hat klar bewiesen, dass sie außer Stande ist, auch nur ein einziges der global drängenden Menschheitsprobleme – Frieden, soziale Ungleichheit und Unterdrückung, demokratische Teilhabe und gerechte Verteilung des Reichtums, nachhaltiges Wachstum, Beendigung von Klima- und Umweltzerstörung, Hunger, soziales Elend und Epidemien – zu lösen.
Das neue Selbstbewusstsein des Globalen Südens und die wachsende Kooperation der BRICS-Staaten fordern die alte Weltunordnung heraus. Ebenso tun es die sich verschärfenden Kämpfe für eine sozial gerechte und menschenwürdige Gesellschaftsentwicklung in den Industrienationen selbst.
Die Profiteure und ideologischen Verfechter der bestehenden kapitalistisch geführten Unordnung wissen sich angesichts ihrer fundamentalen Krise nicht zu helfen. Durch eine militarisierte Zuspitzung der Konkurrenz versuchen sie das Chaos innenpolitisch und weltpolitisch zu verteidigen. Dafür zögern sie nicht, sich auch extrem rechter, demagogischer Kräfte zu bedienen.
Deswegen wollen wir mit Peter Mertens folgende Fragen diskutieren:
- Wie lässt sich die aktuelle tiefe Krise des neoliberalen Kapitalismus verstehen und deuten?
- Worauf können wir unsere Zuversicht stützen für die Hervorbringung einer sozialen und zivilen Zeitenwende?
- Welche Einsichten und Antriebe sind für die Herausbildung einer international solidarisch kämpfenden Arbeiterbewegung entscheidend zu entwickeln?
- Wie kann die Durchsetzung eines sozial-transformatorischen Richtungswechsels ohne die Herrschaft des Kapitals in Europa gelingen?
- Welche Bedeutung kommt dabei den fortschrittlich orientierten Kräften in Belgien und der BRD zu?
- Wie sieht die Praxis der PVDA / PTB in den Betrieben, in den Gewerkschaften und im Parlament aus?
- Wie löst die PVDA / PTB die Spannungen auf, die sich zwischen ihrer Positionierung an der Basis und in den Parlamenten ergeben können.

Einladung zum 235. Jour Fixe am 02.04.2025 um 18 Uhr 30
Die Krise in der Autoindustrie. Und welchen Ausweg gibt es für die Arbeiterklasse?
Referent: Lars Hirsekorn (genannt Hirse), VW-Arbeiter und Betriebsrat in Braunschweig
Nicht nur VW plant Betriebsschließungen, Personalabbau und Lohnkürzungen. Das betrifft auch Ford, Daimler, Audi und die Zulieferer. Der Kollege Hirse wird aber nicht erst in dieser aktuellen Auseinandersetzung zu Stellungnahmen aufgefordert sondern er ist seit vielen Jahren gewerkschaftspolitisch unterwegs.
Hirse war es, der im Juni 2019 auf einer Betriebsversammlung in Braunschweig seine Kritik am Auto zum ersten Mal öffentlich vortrug: https://gewerkschaftslinke.hamburg/2019/09/10/autokritische-rede-von-vw-arbeiter-lars-hirsekorn-auf-betriebsversammlung-in-braunschweig/
Er war erstaunt, daß er den Beifall der KollegInnen bekam, was daran lag, daß er Alternativen für die Betriebsproduktion aufzeigte: die Produktion von Fahrzeugen für den Öffentlichen Personenverkehr. Und Arbeitsplätze beim ÖPNV, sind teilweise sogar schon besser bezahlt, als der 3-Schichtbetrieb bei einigen VW-Töchtern.
Für ihn ist die Autoproduktion, auch von E-Autos, eine Sackgasse.
Er unterstützt deshalb von Anfang das Projekt Verkehrswendestadt Wolfsburg. Ebenso den Kampf bei der Auto-Zulieferer-Fabrik GKN (Florenz), wo KollegInnen ihre Fabrik besetzt haben und eine Alternativ-Produktion in Angriff genommen haben: https://solidaritaet-und-klassenkampf.org/2024/09/aktion-in-kiel-solidaritaet-mit-der-belegschaft-und-dem-collettivo-di-fabbrica-gkn-bei-florenz/
Hirse wird uns über die Rolle der IG Metall bei den letzten Tarifverhandlungen und den drohenden Betriebsschließungen berichten, über die Zusammenarbeit mit Aktiven aus der Zivilgesellschaft, besonders bei Klimabewegung.
Auch über die Vorstellungen angesichts der drohenden Betriebsschließungen. Sind Vergesellschaftung und Betriebsbesetzung ein Thema?
Wie wirkt die Propaganda für die Konversion von Auto- in Rüstungsfabriken?
Welche Rolle spielen AfD-nahe Gewerkschaften im Betrieb?
Die Abschlußfrage: Welchen Ausweg aus der Autokrise gibt es aus Arbeitersicht?
Wir sind in der günstigen Lage, daß an diesem Abend die Kollegen Ulf, Sven und Gerwin (Daimler Harburg, Daimler Bremen) dabei sein werden und mit ihren Einschätzungen, beruhend auf jahrzehntelanger Gewerkschaftspraxis, den Abend bereichern werden!

Einladung zum 234. Jour Fixe am 05.03.2025 um 18 Uhr 30
(Jour Fixe mit Unterstützung von Kulturverein Olmo e. V.)
Der Ukrainekrieg. Die Wurzeln, die Akteure und die Rolle der NATO. Die andere Sicht
Schlachtfeld Ukraine: Hintergründe und Analysen. Der neue kalte Krieg – Die Chronik des epochalen geostrategischen Konflikts
Referent: Dr. sc.phil. Lothar Schröter
Nach dem Studium der Geschichte und der russischen Sprache an der Pädagogischen Hochschule „Clara Zetkin“ in Leipzig arbeitete der Genosse Schröter bis 1990 als Wissenschaftler am Militärgeschichtlichen Institut der DDR in Potsdam. Zuletzt war er als Major der Nationalen Volksarmee Abteilungsleiter Militärgeschichte der BRD und der NATO.
Die Welt befindet sich nach Überzeugung des Militärhistorikers in einem fundamentalen geostrategischen Umbruch, vergleichbar nur mit den Teilungen der Welt nach 1917 und nach 1945 sowie mit den Entwicklungen nach 1989/90. Gegenwärtig haben wir es zu tun mit einem epochalen machtpolitischen Grundkonflikt: Der Westen unter Führung der USA und mit der NATO als weltweit agierendem Militärblock gegen die Volksrepublik China, Russland und gegen den »globalen Süden«. Um seine Hegemonie zu behaupten, muss der Westen in weiterer Zukunft China bezwingen, vorher aber Russland als Machtfaktor ausschalten, meint Schröter. In diesen globalen politischen Kontext stellt er den gegenwärtigen Krieg auf dem Territorium der früheren Ukrainischen Sowjetrepublik.
Stimme zum Buch: Der Ukrainekrieg. Die Wurzeln, die Akteure und die Rolle der NATO
»Hier sei vorhergesagt: Dieses Buch wird einmal eines der bedeutsamsten Nachschlagewerke zum Ukraine-Krieg sein und ist es bereits jetzt. Allein schon die 680 Anmerkungen zu Quellen, die Bibliografie und das Personenregister machen es zu einem Musterfall guter alter Wissenschaftsschule. Der Band enthält eine umfassende Darstellung des Ukraine-Krieges – seiner Vorgeschichte, seines Ablaufs seit 2014 und seiner Einordnung in die weltpolitische Konfrontation des Westens mit Russland.« (UZ/Arnold Schölzel)

Einladung zum 233. Jour Fixe am 05.02.2025 um 18 Uhr 30
20 Jahre Hartz IV – der Dokumentarfilm „neueWUT“
Vor 20 Jahren verabschiedete die rot-grüne Bundestagsmehrheit den größten Angriff auf die arbeitende und arbeitslose Bevölkerung, also den Sozialstaat. Der damalige Kanzler Schröder prahlte auf internationalen Konferenzen damit, den größten Niedriglohnsektor Europas geschaffen zu haben. Das hatte er! Sein Ziel war, Deutschland zur Führungsmacht in Europa zu machen.
Dem gingen über ein Jahr lang Proteste der Betroffenen bei den sog. Montagsdemos voraus, weil die beschlossenen Gesetze einen gravierenden Angriff und Eingriff auf die Arbeitsverhältnisse, das Arbeitslosengeld und die Sozialhilfe hatten. Dieser Widerstand war umfassend und ließ eine neue soziale Bewegung entstehen.
Aus diesem Anlass zeigen wir den Film „neue Wut“ von Martin Keßler, in dem die Entstehung dieser Bewegung, die Schwierigkeiten dabei, die Reaktionen der Regierenden, der Gewerkschaften, der Kampf der Opel-Arbeiter, deren Ängste über ein Jahr lang dokumentiert wurden. Die mit den sog. Hartz-Gesetzen eingeleitete „Agenda 2010“ stellt den größten Angriff des Kapitals auf die lohnabhängige Bevölkerung der BRD dar: Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, Einschränkung des Kündigungsrechts, Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und Zusammenlegung mit Sozialhilfe nach 12 Monaten.
Mit dieser Radikalkur wurde Deutschland zum Billiglohnland in Europa.
Es ist die Absicht der CDU/CSU mit ihrem voraussichtlichen Kanzler Merz, die Politik der Schröder/Fischer Regierung von 2004 zu wiederholen. Deutschland aus der jetzigen Wirtschaftskrise herauszuführen, mit einer Agenda 2030.
Pikant: Die SPD dürfte dabei der Junior-Koalitionspartner sein, der in den letzten Jahres alles dafür getan hatte, von dem Makel „Hartz IV-Partei“ loszukommen.
Vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung?
Der Film zeigt: Montagsdemos gegen Hartz IV, Arbeitskämpfe, Autobahnblockaden gegen Studiengebühren. Es ist vor allem Wut, die die Menschen auf die Straße treibt: Wut über die schamlose Bereicherung bei „denen da oben“ und immer neue Einsparungen „bei denen da unten“. Hinter dieser Wut steht oft genug blanke Angst. Die Angst, endgültig sozial abzustürzen. Und ein Gefühl der Ohnmacht.
Seit 2003 begleitet das dokumentarische Langzeitprojekt „neueWUT“ „einfache Demonstranten“ und sogenannte „Rädelsführer“ verschiedener Protestwellen. Aber auch ihre jeweiligen Kontrahenten – z. B. Gerhard Schröder oder Roland Koch. Und fragt: Woher kommt diese Wut?
https://www.neuewut.de/projekt/neuewut/
CDU beschließt Agenda 2030
https://www.cdu.de/aktuelles/funktionierender-staat/cdu-beschliesst-agenda-2030/
Die von Friedrich Merz angekündigte »Agenda 2030« umfaßt Maßnahmen wie Steuersenkungen für Konzerne und Wohlhabende, Sozialabbau, eine »freiwillige« Rente mit 70, Kämpfe um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und eine Ausweitung der Normalarbeitszeit auf 42 Stunden pro Woche.
Über die Agenda 2010 und die Agenda 2030 wollen wir nach dem Film diskutieren und die Notwendigkeit und Möglichkeiten des Widerstandes heute.

Einladung zum 232. Jour Fixe am 08.01.2025 um 18 Uhr 30
Wie Palästina von der Landkarte verschwinden soll
Die Vorstellungen Israels
Arne Andersen stellt sein Buch „Apartheid in Israel – Tabu in Deutschland?“ (NeuerISPVerlag) vor und lädt Euch ein zu einer Reise durch die Geschichte, Gegenwart und Zukunft Palästinas. An Hand zahlreicher Bilder und Karten zeichnet er die Vertreibungsabsicht, die permanenten Störungen und kriegerischen Interventionen des politischen Zionismus von Herzl bis heute nach. Für ihn gibt es eine Kontinuität vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Die wahren Ziele werden jetzt sichtbar: die Annexion des südlichen Syriens, Gaza und Libanon. Die Mißachtung der UN und fast 100% der Weltstaatengemeinschaft. Seit Gründung des Staates Israel werden verbindliche Grenzziehungen vermieden und die Vertreibung in großem Stil betrieben.
Er wird auch auf die Diskussion in Deutschland eingehen, die es für staatsraisonabel hält jede Kritik an Israel als antisemitisch zu brandmarken und die gewaltfreie Idee der BDS-Bewegung, die aus der palästinensischen ZivilgesellschaL entstanden ist, so außerhalb des demokratischen Diskurses zu stellen. Für ihn ist die Zwei-Staaten-Lösung obsolet, homogene Gesellschaften passen nicht in das 21. Jahrhundert. Er plädiert deswegen für eine Ein-Staaten-Lösung.
Arne Andersen ist habilitierter Historiker, er hat sich seit der Studentenbewegung mit dem Nahost-Konflikt befaßt und ist in der Palästina-Solidarität aktiv. Er ist Mitglied in Attac, GEW und dem FC St. Pauli.
Geplant: In der aktuellen halben Stunde Bericht eines iranischen Genossen über die vorrevolutionäre Situation im Iran nach dem Zusammenbruch des Assad-Systems.