Super-Profite und Super-Ausbeutung in der deutschen Fleischindustrie – Das Beispiel Tönnies

Das Werkvertragssystem als Spezial-Stütze der deutschen Wirtschaft macht es möglich:

„Wir importieren billige Arbeitskräfte und exportieren billiges Fleisch“ –
So ein Zitat des Referatsleiters Fleischbranche der NGG

Tönnies gegen seine Kritiker, ua Jour Fixe:

Wir vom Jour Fixe mit unseren Veröffentlichungen zu diesem Thema wurden von der Anwaltskanzlei der Firma Tönnies mit einer Unterlassungsverfügung überzogen, die uns Gesamtkosten von 1.861,64 Euro beschert hat. Bitte folgt dazu unserem

Spendenaufruf!

Werkverträge – der lohnabhängige Mensch als „Sachmittel“

Was sind Nicht-Menschen in der Wirtschaft? Es sind Lohnabhängige, die als „Sachmittel“ bei der Ober-Firma geführt werden. Und die nicht die Rechte haben wie die Stammbelegschaft, schon gar nicht das Recht „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden wegen Krankheit oder Resistenz, werden sie zurückgeschickt nach Osteuropa, oft ohne den ausstehenden Lohn zu erhalten. Prälat Peter Kossen hat für sie das Wort „Wegwerfmenschen“ geprägt.

 

Es gibt inzwischen in Deutschland etwas über eine Million Leiharbeiter. Wieviel Werksvertragsarbeiter es gibt, wissen wir nicht, als „Sachmittel“ sind sie eine pauschale Geldsumme und werden nicht als Menschen gezählt. Früher waren viele WerksvertragsarbeiterInnen ebenfalls LeiharbeiterInnen, jedoch sind sie als „Wegwerfmenschen“ noch preisgünstiger. Und die Bundesregierung hält es nicht für nötig, bei den Sub-, Subsub-, oder Subsubsubunternehmern nachzufragen, wieviele WerksvertragsarbeiterInnen sie beschäftigen. Was mögen die Gründe dafür sein? Will die Regierung das Ausmaß der „Wegwerfmenschen“ gar nicht wissen? Oder ist gar keine Übersicht mehr möglich über das System der Sub-, Subsub- und Subsubsubunternehmer?

Während es einem Leiharbeiter passieren kann, daß er mit seiner Chip-Karte vor vorschlossener Tür steht, weil er von einem auf den anderen Tag abgemeldet wurde, ist es WerkverträglerInnen schon passiert, daß sie rausflogen, ohne den restlichen Lohn bekommen zu haben und auch nicht ihren Paß!

 

Drei Informationsquellen zum Umgang mit „Wegwerfmenschen“:

 

Wer diese Texte gelesen hat oder nur einen davon, kann danach nicht mehr sagen: „Ich habe davon nichts gewußt“.

Es ist ein verbrecherisches System, mitten unter uns! Bernd Maiweg, Referatsleiter Fleischbranche der NGG, drückt es so aus: „Wir importieren billige Arbeitskräfte und exportieren billiges Fleisch“

 

Aber es ist nur moralisch verbrecherisch, juristisch ist es abgedeckt und politisch gewollt! Denn es stärkt den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Bundesregierungen haben derart gute Bedingungen für Großmastanlagen für Schweine, Rinder, Geflügel geschaffen und ebenso für Großschlachtereien, daß Deutschland in Europa zum Anziehungspunkt für ausländische Konzerne geworden ist. So werden in Deutschland 120 % der hier benötigten Fleischmengen produziert, der Überschuß geht nach Afrika, Rumänien und in die weite Welt.

 

Die neuere Gesetzgebung macht es möglich:

Wenn wir Kritik üben wegen „Mafia-Methoden“ und „krimineller Machenschaften“, dürfen wir das nicht nur auf die Fleischkonzerne und die Subunternehmer beziehen sondern ebenfalls auf die Gesetzgeber.

Früher war es so, daß der Bauer mit der Größe seiner Nutztierhaltung gebunden war an die Menge der Futtererzeugung auf seinem Hof. Nach und nach wurden Gesetze geschaffen, die die Ansiedlung von Agrarkonzernen ermöglichten. Die wenigsten Personen in diesen Firmen sind Landwirte. Diese Agrarkonzerne und die Großschlachtereien sahnen den Großteil der EU-Subventionen ab. Für kleine und mittlere Landwirte, auch wenn sie Bio-Wirtschaft betreiben, bleibt kaum was übrig.

 

Mit der Ausdehnung des Konstruktes der Werkverträge hat die Bundesregierung die Mitbestimmung in diesen Betrieben eliminiert, da bis zu 80 Prozent der Beschäftigten WerkvertragsarbeiterInnen in den Großschlachtereien sind. Bis zu 80 Prozent der Beschäftigten, für die das Betriebsverfassungsgesetz nicht gilt! Die fast rechtlos sind! Und falls es Betriebsräte in Großschlachtereien gibt, stehen sie oft auf der Seite der Geschäftsleitung und sind Teil des Kontrollsystems, also das Gegenteil von Interessenvertretung. .

 

Wir vom Jour Fixe Gewerkschaftslinke sind zum ersten Mal seit 15 Jahren – seit es uns gibt – in der Situation, daß wir keinen Ansprechpartner im Betrieb haben, bei Tönnies in Kellinghusen. Selbst die KollegInnen vom „Stützkreis Kellinghusen“ haben keine Kontakte mehr zu den rumänischen WerkverträglerInnen. Dafür gibt es zwei Gründe: Einmal der starke Austausch unter den ArbeiterInnen durch den Subunternehmer, zum anderen sind alle, die bisher in Kellinghusen wohnten, nach Bad Bramstedt verbracht worden (15 km entfernt), sogar in bessere Unterkünfte, regelrechte Wohnungen. Allerdings mit VorarbeiterInnen/Vorgesetzten im selben Hause. Sie sind also unter besserer Kontrolle als in Kellinghusen. Und eine zweite Fliege hatte Tönnies mit der Verfrachtung nach Bad Bramstedt geschlagen. Es hatte von Kellinghusener BürgerInnen Beschwerden gegeben über verstärkten Müllanfall auf der Straße und Lärm durch die rumänischen ArbeiterInnen. An dieser Front hat Tönnies jetzt Ruhe. Das Übel der Werkverträge aber bleibt.

 

Wer leistet Solidarität für die „Wegwerfmenschen“?

  • Es haben sich Initiativen gebildet gegen ihre Arbeits- und Wohnbedingungen bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (schon 2013!), in Gütersloh und in Kellinghusen.

  • Für Kritik an Tönnies und praktischer Hilfe steht auch Prälat Peter Kossen und sein Bruder, der Arzt Florian Kossen.

  • Faire Mobilität und Einzelpersonen aus dem DGB und NGG. Es ist aber kein Wunder, daß es nur Einzelpersonen sind, da es seit der Ersetzung der Stammbelegschaften kaum noch NGG-Strukturen in den Großschlachtereien gibt. Insofern reihen sich diese KollegInnen als Einzelpersonen ein in den Widerstand, initiiert von Initiativen.

 

Es fällt auch auf, daß sich oft Frauen stark engagieren, hier zwei Beispiele:

Daniela Reim von Faire Mobilität, Oldenburg
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daniela-reim-wanderarbeiter-1.4194226

Inge Bultschnieder, Begründerin von IG Werkfairträge
http://www.igwerkfairtraege.de/vorgeschichte/

Auch die Initiative Stützkreis in Kellinghusen ist hauptsächlich von Frauen initiiert worden.

 

Weiter ist positiv, daß von kirchlicher Seite, sowohl von evangelischer als auch katholischer, Unterstützung gegen Tönnies und Co kommt!

 

Wenn dieses Bündnis von Initiativen, Kräften aus den Kirchen und Gewerkschaften und couragierten Einzelpersonen sich erweitert und den Kampf weiterführt, wird es möglich sein, Erfolge zu erzielen gegen das Werksvertragssystem und für unsere osteuropäischen KollegInnen. Damit sie nicht mehr Sachmittel und Wegwerfmenschen sind sondern Mitmenschen und KollegInnen.

 

Sowohl Faire Mobilität als auch die IG Werkfairträge und der Stützkreis Kellinghusen leisten Sozialarbeit für die Opfer des Systems Werkverträge, so jetzt für George Berca mit seiner verstümmelten Hand, früher Schlachterei-Werkvertragsarbeiter bei Tönnies Kellinghusen. Aber es geht um mehr als Sozialarbeit, es geht um die politische Aufgabe, das System Werkverträge abzuschaffen. Adressaten unseres Kampfes sind also Tönnies, die übrigen Großschlachtereien und deren Subunternehmer. Vor allem aber die Politiker, die Parteien und die Regierung, die diese exorbitanten Ausbeutungsbedingungen für Kapitalisten geschaffen haben.

 

Wir fordern: Sofortige Abschaffung des Werkvertragssystems in den Großschlachtereien!

Es dient ausschließlich der Extra-Profiterzielung der Großschlachtereien und deren Sub-, Subsub- und Subsubunternehmern! Sie sind betriebswirtschaftlich nicht notwendig.

 

So wie früher das Sklavensystem und die Leibeigenschaft nicht reformiert werden konnte – entweder ist der Mensch ein Mensch oder eine Sache -, geht das heute nicht beim Lohnsklaven-System, den Werkverträgen!

 

Normalarbeitsverhältnisse sind möglich. Es geht: Werksvertragsverhältnisse sind überflüssig, argumentiert logisch und nachvollziehbar der KonzernberiebsratsvorsitzendeTorsten Isernhagen bei Vion Food North GmbH. Ihm ist zuzustimmen wenn er formuliert:

„Wofür brauchen wir einen Werkvertrag? Da wird gern das Lied der Flexibilität gesungen…Wenn man Schwankungen ausgleichen will, macht man mit seinem Betriebsrat eine Vereinbarung über Arbeitszeitkonten. Damit kann man das ganze Jahr über perfekt Schwankungen ausgleichen“.

 

Es geht: Daß Großschlachtereien auch ohne Werksvertragsarbeiter profitabel arbeiten können, wird belegt durch Prälat Kossen, der dafür als Beispiel die Großschlachtereienennt.Wernsing in Cloppenburg (3.000 Mitarbeiter und kein einziger Werkvertragsarbeiter!) benennt.
http://taz.de/Peter-und-Florian-Kossen-ueber-die-Schlachtindustrie/!5593232/


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