Bremer Krankenhaus: Vorbereitung auf die Pandemie? Wir spüren nur planloses Chaos

Von M.A., Bericht von zwei Intensivstationen einer Bremer Klinik, Teil 1

Seit Wochen bereitet sich dieses Krankenhaus auf die mittlerweile dritte große Welle von Corona-Patient*innen, die intensiv-medizinisch betreut werden müssen, vor. Eine gewisse Anspannung und Unbehagen ist zu spüren. Die beiden ersten Wellen blieben aus. Krankenhausbetten werden aufgerüstet, so dass in diesem Krankenhaus über 100 PatientInnen beatmet werden können/sollen. Wie sollen im Falle eines Falles die vielen Kranken dann versorgt werden, wenn das entsprechende Pflegepersonal nicht vorhanden sind und die bestellten Beatmungsgeräte noch gar nicht eingetroffen sind?

Erst mal soll die eine Intensivstation in erster Linie für die Corona erkrankten Menschen bereit stehen. Die andere wurde auf die schnelle mit weiteren Intensivbetten aufgerüstet. Op-Narkosegeräte stehen für die Beatmungen bereit, obwohl diese Geräte nur für maximal 24 Stunden zum Einsatz kommen sollen. Normale Beatmungsgeräte sind ganz einfach (noch) nicht da und wir fragen uns: wer soll all diese PatientInnen betreuen? Wir sollen jetzt pro Pflegekraft vier PatientInnen versorgen, nachdem Spahn ja dieses Gesetz außer Kraft gesetzt hat. Der Pflegedienstleitung ist es durchaus bewusst, dass so mit diesem Personalschlüssel diese Menschen nicht adäquat betreut werden können. Da auch hier die angeblich nicht notwendigen (!?) Op´s radikal reduziert worden sind, sollen dann diese Pflegekräfte aus dieser Abteilung einschließlich Anästhesie den Intensivpflegekräften zuarbeiten. Nur wo sind sie? In vielen Schichten sind sie nicht zu sehen. Also, schreibt man dann auch weiterhin Gefährdungs- bzw. Überlastungsanzeigen.

Auch die Logistik und die Ausstattung kann nicht Schritt halten mit den schnell zusätzlich aufgestellten Intensivbetten. Nur ein Beispiel: Ein Verbandswagen muss für vier PatientInnen ausreichend sein.

Die Pflegekräfte waren schon vorher am Limit. Die Krankheitsrate und die Kündigungen bzw. Versetzungen sind schon seit längerem hoch. Und jetzt kommt auch noch die Pandemie auf uns zu. Ich kann mich mich noch sehr gut an die Situation bei uns auf der Intensivstation erinnern, wie nach der Ehec-Epidemie in 2010 etliche KollegInnen vollkommen ausgebrannt waren und lange ausfielen.

Für etliche KollegInnen ist es klar. Geht dieser Zustand noch eine längere Weile, werden weitere mit einer „Flucht“ aus dem Krankenhausalltag versuchen, sich den krankmachenden Arbeitsbedingungen zu entziehen.

Die Krankenhausleitung (Direktion, Geschäftsführung) und die Krisenleitung erwähnen immer wieder in ihren Mitteilungen, wie strukturiert und planvoll sie vorgehen. Die Beschäftigten dagegen empfinden und spüren nur dieses: ein planloses Chaos!

Fortsetzung folgt, bald Teil II

M.A.

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