JFI 28-2020 ++ „Die Rumänen werden schlechter behandelt als die Schweine, die bei Westfleisch geschlachtet werden!“ ++ Der Streik bei Spargel Ritter ++ Der unaufhaltsame Aufstieg von Amazon – Oder doch nicht unaufhaltsam? ++ Der Engel von St. Pauli ++

Jour Fixe Info 28-2020. 16. Jahrgang – 27.05.2020

Aktuelle Sammlung von – vor allem – gewerkschaftspolitischen Artikeln, Beiträgen und Fakten als Ergänzung zu den Veranstaltungen des „Jour Fixe“ in Hamburg

 

 

01 Corona in deutschen Schlachthöfen! Zustände jetzt plötzlich ein Skandal! Und in den letzten Jahrzehnten war alles in Ordnung??

Die schlimmen Zustände in den deutschen Schlachthöfen gibt es nicht erst seit kurzem!
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2020/05/23/corona-in-deutschen-schlachthoefen-zustaende-jetzt-ploetzlich-ein-skandal-und-in-den-letzten-jahrzehnten-war-alles-in-ordnung/
Anmerkung:
Dieser Text ist ein Kapitel aus dem demnächst erscheinenden Buch der Buchmacherei (Berlin):„Das Schweinesystem. Aufhebung der Werkverträge und des Subunternehmertums!“
Zu dem Buch wird eine Buchvorstellung mit Pressekonferenz stattfinden.(DW)

Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie

Arbeitsminister Heil (SPD) zu den Kabinettsbeschlüssen:
Video, 30 Minuten
https://www.youtube.com/watch?v=yFkYqOozbRw

Tönnies&Co.: Ausbeutung als Geschäftsmodell

Von Nils Klawitter
Die Regierung will Werkverträge in der Fleischindustrie verbieten – gut so. Die Gegenargumente der Fleischdiscounter sind lächerlich. Sie wollen nur ihr Ausbeuterparadies in Deutschland erhalten.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ausbeutung-als-geschaeftsmodell-a-84fd2e3e-b117-49a7-86f3-103358bd30aa
Anmerkung:
Der Journalist Klawitter -schildert in Spiegel-Manier- die Zustände in der Schlachthofindustrie recht zutreffend. Die Skandalisierung blieb bis zur Masseninfizierung von WerkvertragsarbeiterInnen in Schlachthöfen jedoch wenigen Initiativen gegen das „System Tönnies“ vorbehalten. Artikel zum Thema an Zeitschriften wurden noch vor kurzem abgelehnt. (DW)

Hubertus Heil, die Schlachthöfe, die großen und die kleinen Schweine

Von Mattis Molde
http://arbeiterinnenmacht.de/2020/05/23/hubertus-heil-schachhoefe/

„An den Schlachtbändern stehen die Beschäftigten dicht beieinander“

Von Pit von Bebenburg
Dominique John von der DGB-Beratungsstelle spricht über Missstände in den Fleischfabriken, die Lage der Arbeiter und mögliche Corona-Ausbrüche auf Baustellen.
https://www.fr.de/politik/coronavirus-schlachtbaendern-stehen-beschaeftigten-dicht-beieinander-13765756.html

An der Seite der Ausgebeuteten

Im Porträt: Der katholische Sozialpfarrer Peter Kossen
Von Reiner Burger
https://zeitung.faz.net/faz/politik/2020-05-18/77b427408a8e15d3d39b06e06e54cacd/?GEPC=s5

Das Schweinesystem: Was Insider über die Ausbeutung in der Fleischindustrie verraten

Sebastian Leber
In deutschen Schlachthöfen werden Menschen und Tiere gleichzeitig ausgebeutet, sagen Insider. Sie berichten von Alkoholsucht, Druck und Gewalt.
… Karin Vladimirov war mehrfach selbst in Schlachthöfen zu Besuch. Sie berichtet von Menschen, die „psychische und physische Schwerstarbeit verrichten müssen“. Durch die Farbe ihrer Mützen seien die Werkarbeiter von der Stammbelegschaft leicht unterscheid- und somit separierbar: „Sowohl am Fließband als auch in den Pausenräumen ist ihnen untersagt, sich mit der Stammbelegschaft zu unterhalten.“
https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/das-schweinesystem-was-insider-ueber-die-ausbeutung-in-der-fleischindustrie-verraten/25840872.html

„Die Rumänen werden schlechter behandelt als die Schweine, die bei Westfleisch geschlachtet werden!“

Abgezockt, betrogen, gefährdet – Rumänen und Bulgaren in Deutschland
Der Skandal um die Firma Westfleisch wirft ein Schlaglicht auf die Fleischindustrie: Hunderttausende Osteuropäer arbeiten in Deutschland unter unwürdigen Arbeitsbedingungen. Sie schuften bis zu zwölf Stunden am Tag auf dem Bau oder in Fleischfabriken, leben in kargen Unterkünften, bekommen weniger als den Mindestlohn.
Von Manfred Götzke
https://www.deutschlandfunk.de/niedriglohnsektor-abgezockt-betrogen-gefaehrdet-rumaenen.1775.de.html?dram:article_id=477011

Amtliche Veterinäre schauen Tierquälereien tatenlos zu – und bleiben straffrei

Die Staatsanwaltschaft stellte Strafverfahren gegen Veterinäre ein, die bei Tierquälereien im Schlachthof Tauberbischofsheim zusahen. Der Fall zeigt, wie lasch die Aufsicht solcher Betriebe sein kann.
Von Dietmar Hipp
„Eng verbunden mit den Interessen derer, die sie überwachen sollen“:
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/amtliche-veterinaere-schauen-tierquaelereien-tatenlos-zu-und-bleiben-straffrei-a-6976ba7f-6cf6-4fb6-a70e-137fc43c99c0
Anmerkung:
Fälle wie diese hat es in der Vergangenheit viele gegeben, nicht nur von Amts-Veterinären sondern von allen Personen, die auf Schlachthöfen kontrollen durchzuführen hatten. Aufgedeckt wurden sie selten durch aufrechte Beschäftigte sondern durch Tierrechtler und Tierschützer. Die Kontrolleure waren empfänglich für Fleisch-Pakete oder andere Geschenke.
Was ist der Hintergrund ihres Verhaltens? Sie üben auf unterster Ebene Sozialpartnerschaft mit dem Kapitalisten. Der Ausbeuter wird nicht mehr als solcher erkannt, er ist für sie ein Geschenke-Geber. Ein Weltbild von Ausbeutern und Ausgebeuteten besteht bei ihnen nicht und daß sie auf der Seite der Ausbeuteten stehen und Distanz zu der Gegenseit zu halten haben.
Was Ähnliches machen auch die gewerkschaftlichen Betriebsräte, die als Co-Manager agieren und die Gewerkschaftsführungen, die glauben, mit Sozialpartnerschaft was für die KollegInnen rauszuholen.
Und dieses Denken und Handeln zeigte sich Jahrzehnte auf der höchsten Ebene als Politiker und Parteien das Werkvertragssystem geduldet und gefördert haben. (DW)

Der clevere Clemens fordert fairen Werkvertrag

Aus: Die Glocke. Lokalnachrichten » Kreis Gütersloh » Rheda-Wiedenbrück
Konkret schlägt der Unternehmer fünf Punkte vor:
1. Abschaffung von Werkverträgen auf Basis der A1-Arbeitnehmerentsendung. Das heißt: deutsches Arbeitsrecht und deutsche Sozialversicherung für alle Beschäftigten.
2. Abschaffung von undurchsichtigen Sub-Sub-Konstruktionen. Ausschließlich Werkverträge unter zwei Partnern bleiben zulässig: Auftraggeber und Auftragnehmer.
3. Erweiterung der Durchgriffshaftung des Auftraggebers auf die Verhältnisse des Wohnraums, der Auftraggeber haftet für eine menschenwürdige und wirtschaftlich faire Unterbringung aller Beschäftigten.
4. Die Ausgestaltung der Wohnraum-Verhältnisse sowie die der Werkverträge in Bezug auf die faire Behandlung der Arbeitnehmer wird durch eine unabhängige Stelle / Zertifizierungs-Organisation (TÜV/SGS o.a.) zwingend überwacht.
5. Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns in der Branche auf 12 Euro brutto pro Stunde.
https://www.die-glocke.de/lokalnachrichten/kreisguetersloh/rheda-wiedenbrueck/Clemens-Toennies-fordert-fairen-Werkvertrag-87778796-c309-4705-a8de-48c14dbe1c24-ds
Anmerkung:
Herr Tönnies fordert jetzt faire Werkverträge. Nachdem er in den letzten Jahrzehnten durch unfaire Werkverträge ein Milliardenvermögen gescheffelt hat und zum Primus der Schweine-Barone aufgestiegen ist. Man lese seine fünf Punkte genau! Das Subunternehmertum soll bleiben! Statt bisher ein System mit Sub-, Sub-, Subunternehmern die Reduzierung auf einen. Und drei Mal beschwört er das Wort“fair“ in seinen fünf Punkten! Ob es wohl Fairness im Kapitalismus gibt? Fairness zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten?
Tönnies sagt: „Wir brauchen in der gesamten deutschen Wirtschaft einen fairen Werkvertrag mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten“. Und falls es jetzt nur Regelungen für die Großschlachtereien gibt, sagt er dann Nein? Er hatte gleich am Tag nach der Debatte im Bundestag am 13. Mai an Arbeitsminister Laumann (NRW) geschrieben, daß er mit der Abschaffung der Werkverträge einverstanden sei – falls alle anderen Schlachtereien das auch seien.
Herr Tönnies läßt sich immer seine Schlupflöcher offen.
Aber wer glaubt ihm eigentlich noch? Schon vor sechs Jahren hat er mit den übrigen Schweine-Baronen eine freiwillige Selbstverpflichtung abgegeben, die Werkvertragsbeschäftigten in die Stammbelegschaft zu übernehmen. Das war „auf Zeit spielen“, den Kritikern bot er „Runde Tische“ an. Aber so wie er und seine Konsorten unter Druck sind, werden sie gern bereit sein, 2,75 Euro mehr pro Stunde zu zahlen.Und feixen: Billig davon gekommen. (DW)

Die Fleisch-Mafia – Das geheime Netzwerk der Schlachthöfe

Exklusiv im Ersten. ARD. 2015. youtube 27 Minuten.
Zahlreiche große Betriebe der deutschen Fleischindustrie haben in den vergangenen Jahren immer mehr Aufgaben einem Netzwerk von Firmen übergeben, das offenkundig mit kriminellen Strukturen arbeitet. Dies belegen NDR-Recherchen und Aussagen mehrerer hochrangiger Mitarbeiter dieser Firmengruppe, die sie – gestützt durch Akten und Dokumente – NDR-Autoren gegenüber gemacht haben. Bei den Mitarbeitern handelt es sich um Aussteiger, die sich auch der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen werden.
https://www.youtube.com/watch?v=yMbQ0D9LaqA

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02 Der Streik bei Spargel Ritter

Der wilde Streik der rumänischen Feldarbeiter*innen in Bornheim zeigt, dass auch im System rassistischer Überausbeutung Kämpfe möglich sind
Von Alice Claire, Christian Frings und John Malamatinas
https://wirkommen.akweb.de/bewegung/der-streik-bei-spargel-ritter/
Anmerkung:
Es wäre eine lohnende Aufgabe, heraus zu bekommen, warum Rebellion bei den rumänischen FeldarbeiterInnen möglich war und über Jahrzehnte bei den rumänischen Schlachterei-ArbeiterInnen (fast) nicht?! (DW)

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03 „VON DUNKLEN WOLKEN ZUM ÖKONOMISCHEN ORKAN“

Berichte zu Auswirkungen auf die Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter und deren Widerstand“
Die Strategie von Regierung und Kapital ist es – und die Mainstream-Medien hauen in die gleiche Kerbe – die Tatsachen verschleiernd auf Corona als Grund für die Rezession zu verweisen. Wir können nur immer wieder darauf verweisen, daß Corona nur der Brandbeschleuniger für die Krise ist!

Wirtschaftswachstum: Das erstarrte Land

Von Lisa Nienhaus
https://www.zeit.de/2019/33/wirtschaftswachstum-konjunktur-deutschland-energie-klima-digitalisierung/komplettansicht

Berichte aus Betrieben, Branchen, Wirtschaft:

Industrie mit dramatischen Einbrüchen
https://www.jungewelt.de/artikel/377840.industrie-verzeichnet-drastischen-einbruch.html

Produktion in der BRD eingebrochen
https://www.jungewelt.de/artikel/377925.produktion-in-brd-eingebrochen.html

Grosse Depression in der EU
https://www.jungewelt.de/artikel/377828.eu-prognostiziert-gro%C3%9Fe-depression.html

BMW droht mit Kündigungen
https://www.jungewelt.de/artikel/378576.bmw-betriebsrat-k%C3%BCndigungen-drohen.html

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04 Der unaufhaltsame Aufstieg von Amazon

Dokumentarfilm. 90 Minuten
Für Amazon-Gründer Jeff Bezos gibt es nur einen Weg, ein Unternehmen richtig zu führen: Man muss besessen sein von Wachstum. Von vielen bewundert, gefürchtet und gleichzeitig hart kritisiert, hat er sein Unternehmen zum weltweit größten Onlinehändler gemacht und sich selbst zum reichsten Mann der Welt.
Ist der Siegeszug des digitalen Großkonzerns unaufhaltsam? Wie können Bürger vor der Allmacht Amazons geschützt werden? Und wie schafft es Amazon eigentlich, seinen Konkurrenten immer eine Nasenlänge voraus zu sein?
https://programm.ard.de/?sendung=287243011138353
Anmerkung:
Wer irgend Zeit hat, möge sich diesen Doku-Film ansehen! Und sich die Frage beantworten: Möchte ich in dieser Amazon-Welt leben? (DW)

Händler, Mitarbeiter und die Politik proben den Aufstand gegen Amazon

Von Alexander Demling,Florian Kolf, Katharina Kort
Der Onlinehändler sah wie ein Gewinner der Coronakrise aus – doch nun häufen sich die Probleme. Die Kritik an dem Onlineriesen wächst und auch der Gewinn bricht ein.
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/coronakrise-haendler-mitarbeiter-und-die-politik-proben-den-aufstand-gegen-amazon/25805354.html?ticket=ST-661687-OzjGCfdoap5bzBJ6cCng-ap2

Anmerkung:
Im Text steht, daß verdi gefordert habe, das Amazon-Lager in Winsen/Luhe zu schließen. Das ist eine falsche Feder, mit der verdi da geschmückt wird. (DW)

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05 Hamburgerin mit goldenem Herzen: Der vergessene Engel von St. Pauli

Von Olaf Wunder
Wäre Bertha Keyser katholisch gewesen, der Papst hätte sie längst heiliggesprochen. Ihr Zuhause war ein acht Quadratmeter großes Armeleutezimmer am Bäckerbreitergang. Sie wollte es so. Wichtig waren ihr immer nur die anderen, die Obdachlosen und Bettler, die Alkoholiker und Prostituierten, die „Sperlinge Gottes“, wie sie die Randständigen der Gesellschaft nannte und für die sie Schlafplatz, Nahrung und Kleidung organisierte, fast ihr ganzes Leben lang.
https://www.mopo.de/hamburg/historisch/hamburgerin-mit-goldenem-herzen-der-vergessene-engel-von-st–pauli-36286048

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06 Ich will den Kapitalismus lieben…

Felix van Dannen
Audio, 2 Minuten 46 Sekunden
https://www.youtube.com/watch?v=AMjgz40BR6A
Anmerkung:
Unbedingt anhören! Humor ist, wenn man trotzdem lacht – in diesen Krisen-Zeiten! (DW)

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07 IG-Metall-Tarifrunde 2020: Die Basis übergangen – der Kampfkraft einen Tritt versetzt!

Von Ludwig Jos
http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/kaz-326.html
Anmerkung:
Wenn beim vorhergehenden link, dem Audio von Felix von Dannen, dieser immer wieder versucht, den Kapitalismus zu lieben, bei der IGM klappt es schon seit Jahrzehnten hervorragend! (DW)

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08 Termin

Stoppt die Fleischindustrie – Solidarität mit den ausgebeuteten Arbeiter*innen

Aufruf zur Demo:
Nach den Corona-Ausbrüche bei Westfleisch, Vion, Wiesenhof und vielen weiteren Schlacht- und Fleischbetrieben steht die Fleischindustrie völlig zu recht für den fehlenden Gesundheitsschutz und die gnadenlose Ausbeutung der meist osteuropäischen Werkvertragsbeschäftigten in der Kritik.
In Hamburg werden wir am 31. Mai unsere Solidarität zeigen und würdige Unterbringung, wirksamen Infektionsschutz und ein Ende der Ausbeutung durch Werkverträge und Leiharbeit fordern. Wir werden in der Nähe des Fleischgroßmarktes für ein Ende der Ausbeutung der Beschäftigten, für ein Ende des massenhaften Tötens von Tieren und für ein Ende der Zerstörungder Umwelt und des Klimas durch die Fleischindustrie demonstrieren.
Kundgebung im Arrivati-Park (Neuer Pferdemarkt). Sonntag 31. Mai – 14 bis 16 Uhr
(U-Bahn Feldstr./S-Bahn Sternschanze)
Wir demonstrieren mit Bannern, Schildern, Redebeiträgen und Infowänden.
Kommt vorbei, bringt euren Mund-Nasen-Schutz mit und achtet auf das Abstandsgebot vor Ort
https://gemeinsam-gegen-die-tierindustrie.org/corona-und-die-tierindustrie/

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