Veranstaltungsarchiv

Jour Fixe 208

Datum: 01/03/2023
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Curiohaus. Rothenbaumchaussee 15, Hofdurchgang, 20148 Hamburg
Munitionsfabrik im 1. Weltkrieg
Munitionsfabrik im 1. Weltkrieg

Einladung zum 208. Jour Fixe am 01. März 2023 um 18 Uhr 30

Zeitenwende oder Seitenwende?

Linke Politik in Krisenzeiten

Referat und Diskussion

Wir erleben seit drei Jahren eine „Zeitenwende“. Worin besteht diese Wende, von der Kanzler Scholz sprach? In der Verschärfung der Krise der (finanz-) kapitalistischen Gesellschaft? Nein. In der Tatsache, dass westliche Staaten Kriege führen? Nein.

Die Wende findet sich vor allem im völligen Kollaps einer gesellschaftlichen Opposition, die der Gesamtheit der sozialen und politischen Probleme angemessen wäre. Die den Zusammenhang der staatlichen „Politik“ und den Angriff auf die „sozial- materiellen“ Bedingungen der lohnabhängigen Klasse thematisiert hätte. Stattdessen gab es diverse Oppositionsbewegungen, die zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche soziale Gruppen mobilisieren konnten.

Seit im Herbst 2021 verstärkt Lohnabhängige auf die Straße gegangen sind, haben wir uns mit unseren bescheidenen Mitteln in diese Bewegung (Kunsthallendemos in Hamburg) eingebracht, in der wir auch viele einzelne Menschen aus linken Kreisen vorfanden. Die Hauptströmung der Linken hat sich dagegen auf die Seite des Staates geschlagen. Für unser Engagement wurden wir von dort immer wieder mit dem Vorwurf der „Querfront“ belegt. Wir haben dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, über die zu diskutieren wir euch einladen.

https://gewerkschaftslinke.hamburg/2023/01/18/stellungnahme-von-jour-fixe-gewerkschaftslinke-auf-anwuerfe-wie-querfront-rechtsoffen-schwurbler/

Wir wollen auch über diese jüngste Vergangenheit diskutieren, aber nicht als abgeschlossenes Kapitel: Aus der Corona- Krise wurde übergangslos eine geopolitische und militärische Krise. Aus dem „Krieg gegen das Virus“ wurde der gegen Putin; aus der Forderung nach einer Kriegswirtschaft zur Seuchenbekämpfung wurde die nach einer Kriegswirtschaft zur militärischen Aufrüstung.

Auf diesen Zusammenhang von autoritärer staatlicher Krisenpolitik und schockartigem Druck auf die Klassenverhältnisse müssen wir uns als „Jour Fixe Gewerkschaftslinke“ konzentrieren.

Jour Fixe 207

Datum: 13/02/2023
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: diesmal: in den Räumen des mpz – Medienpädagogik Zentrum Hamburg e. V. Sternstraße 4 / 1. Stock im Laubengang (Schräg gegenüber der U-Bahn-Station Feldstraße)  - 20357 Hamburg

 

Einladung zum 207. Jour Fixe am 13. Februar 2023 um 18 Uhr 30

Achtung: ausnahmsweise anderer Ort.

 

Angriff auf das Streikrecht in Großbritannien

mit einem Mitglied der Angry Workers

Seit 2008 haben die britischen Arbeiter*innen 20.000 Pfund an Reallohnverlust hinnehmen müssen. Die Inflation war zeitweise bei 12 %, im November 2022 noch bei 10,7 %. Die Energiepreise haben sich um 96 % erhöht.

Seit Monaten gibt es eine Streikwelle im Land, die von Hunderttausenden getragen wird. Deren Zielen stimmen Millionen Menschen zu. Es geht um Inflationsausgleich, bessere Arbeitsbedingungen, einen Stop der Privatisierungen.

Seit 100 Jahren streiken die 456.000 gewerkschaftlichen Mitglieder*innen des Gesundheitsdienstes NHS das erste Mal. Hinzu kommen massive Streiks der Post-, Hafen- und Bahnarbeiter*innen, ebenso die Kampagne Don’t pay UK.

Der Regierung fällt dazu nichts Besseres ein, als den größten Angriff auf das Streikrecht seit den 80ern zu planen.

Der Kollege von den angry workers (London) berichtet von den Streiks und von den Kämpfen seiner Organisation. Wir sind gespannt auf seinen Bericht und auf die Diskussion mit ihm!

 

Jour Fixe 206

Datum: 01/02/2023
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Curiohaus. Rothenbaumchaussee 15, Hofdurchgang, 20148 Hamburg
Benedikt Hopmann
Benedikt Hopmann

Einladung zum 206. Jour Fixe am 01. Februar 2023 um 18 Uhr 30

 

Vom ökonomischen zum politischen Streik – der unverzichtbar ist!

 

Referent: Benedikt Hopmann, Anwalt Arbeitsrecht in Berlin

Der Kollege Hopmann ist vielen bekannt durch seine Verteidigung von Emmely (Barbara Emme), mit der er das Verfahren wegen „Verdachtskündigung“ vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt gewann. https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_Emmely

Er und Emmely waren seinerzeit bei einem Jour Fixe.

Er referierte auch anläßlich des Neupackstreiks auf einer Soli-Veranstaltung von ver.di 08 im Gewerkschaftshaus.

Zur Zeit verteidigt er drei Riders (Gorillas-Beschäftigte) in Berlin.

Eine Verbesserung des Streikrechts kann nur erstreikt werden. Das gilt sowohl für den verbandsfreien als auch für den politischen Streik.

Die Gorillas-Beschäftigten haben einen wichtigen ersten Schritt getan. Jetzt ist es an den Gerichten, deren mutiges Handeln zu schützen und das rückständige deutsche Streikrecht an die Europäische Sozialcharta anzupassen.

Über den Streik haben wir Demokratie und Frieden durchgesetzt. Die erste deutsche Republik wurde 1918 durch einen Generalstreik erzwungen und 1920 gegen den Kapp-Lüttwitz Putsch verteidigt.

Später hatten die Beschäftigten diese Kraft nicht mehr – mit verheerenden Folgen.

Was wir einmal über den Streik erzwungen haben, müssen wir über den Streik verteidigen können. Der politische Streik ist unverzichtbar.

Der Krieg zerstört alles und gefährlich ist die schrittweise Zerstörung der Demokratie. Dagegen müssen wir uns mit den Mitteln des Streiks wehren können.

Doch in Deutschland stoßen wir schon mit Aufrufen zu Klimastreiks, mit Aufrufen zu Arbeitsniederlegungen gegen Rechts oder mit Aufrufen zu Streiks für die Rechte der Frauen an die Grenzen eines restriktiven und rückständigen Streikrechts.

Es war der kalte Krieg und die Restauration unter Adenauer, die Hans Carl Nipperdey in eine Position brachte, in der er das deutsche Streikrecht prägen konnte. Schon während der Weimarer Republik hatte er einen “wirtschaftsfriedlichen” Kurs vertreten. Im Faschismus war er Kommentator des faschistischen Arbeitsrechts AOG gewesen und hatte sich in der Akademie für Deutsches Recht daran beteiligt, die Ideologie des Faschismus in Gesetze zu gießen.

Seit Jahren erklären die zuständigen europäischen Kontrollgremien, dass das Verbot aller Streiks, die

  1. nicht auf Tarifverträge ausgerichtet sind und

  2. nicht von den Gewerkschaften ausgerufen oder übernommen werden

als einen Verstoß gegen die Europäische Sozialcharta.

Seit Jahren fordern diese Kontrollgremien Deutschland auf, das deutsche Streikrecht diesen europäischen Standards anzupassen – bisher vergeblich, obwohl Deutschland sich zur Einhaltung dieser Charta verpflichtet hat. Deutschland bricht damit seit Jahren Völkerrecht.

Das Streikrecht ist ein Menschenrecht.

Zur Geschichte des deutschen Streikrechts hier drei Zitate von Hans Carl Nipperdey zum Streikrecht:

Nipperdey im Jahr 1930: „Der Staat hat ein dringendes Interesse daran, diese Kämpfe wegen ihrer schädlichen volkswirtschaftlichen Folgen einzuschränken und das Wirtschaftsleben zu befrieden“.

Nipperdey im Jahr 1939: „… Arbeitskämpfe gehören der Vergangenheit an. Der nationalsozialistische Staat hat es für richtig gehalten, den Kollektivismus durch neue Formen des Arbeitsrechts ganz zu überwinden. Das Kollektivrecht … trat immer stärker in Gegensatz zu den Bedürfnissen der Volksgemeinschaft. … Rechtswidrig handelt immer, wer gröblich gegen anerkannte Grundsätze des völkischen Zusammenlebens verstößt.“

Das Bundesarbeitsgericht unter Vorsitz von Nipperdey im Jahr 1955: „Arbeitskämpfe (Streik und Aussperrung) sind im [A]llgemeinen unerwünscht, da sie volkswirtschaftliche Schäden mit sich bringen und den im Interesse der Gesamtheit liegenden sozialen Frieden beeinträchtigen“…


Solidarität mit den Gorillas-Arbeiter*innen, die gegen ihre fristlose Entlassung wegen Teilnahme an einem „wilden Streik“ kämpfen

Text vom 12. Juni 2022

… Duygu Kaya wollte am 6. April 2022 in der Verhandlung über ihre Kündigungsschutz-klage vor dem Arbeitsgericht Berlin eine Erklärung abgeben. Ihr Anwalt Benedikt Hopmann forderte das Gericht auf, sich diese Erklärung anzuhören, um sich selbst ein Bild davon zu machen, unter welchen Bedingungen die Gorillas-Beschäftigten arbeiten und warum die Beschäftigten die Arbeit niederlegten. Obwohl der Anwalt ausdrücklich darauf hinwies, dass der Klägerin rechtliches Gehör zusteht, unterband der Richter die Erklärung mit der Begründung, die Klägerin wolle sich nicht zur Sache äußern.

https://gewantifa.wordpress.com/2022/06/12/solidaritat-mit-den-gorillas-arbeiterinnen-die-gegen-ihre-fristlose-entlassung-wegen-teilnahme-an-einem-wilden-streik-kampfen/

Anmerkung:
Diese beeindruckende Erklärung von Duygu Kaya bitte unbedingt lesen! (DW)

 

Jour Fixe 205

Datum: 11/01/2023
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: ausnahmsweise anderer Ort: mpz, Sternstr. 2. - schräg gegenüber vom Centro Sociale. U-Bahn Feldstr, 3 Minuten
Orhan Akman
Orhan Akman

Einladung zum 205. Jour Fixe am 11. Januar 2023 um 18 Uhr 30 – pünktlich!

Achtung: ausnahmsweise anderer Ort. WEGEN DER BEGRENZTEN PLATZZAHL BITTE ANMELDEN!

 

Sind die Gewerkschaften in der Krise?


Referent: 
Orhan Akman, Leiter der Bundesfachgruppe Einzel- und Versandhandel in der ver.di-Bundesverwaltung (Berlin)


Orhan Akman beantwortet diese Frage mit einem klaren „Ja“ und nennt die Krise beim Namen. Er analysiert die Krise der Gewerkschaft ver.di, kritisiert den Bundesvorstand und gibt zugleich mögliche Antworten auf die Krise.

Orhan Akman, der im April 2022 seine Kandidatur für den ver.di-Bundesvorstand erklärte, wurde Ende August/Anfang September des gleichen Jahres mehrfach fristlos gekündigt. Er klagte gegen die Kündigungen und das Berliner Arbeitsgericht urteilte zu seinen Gunsten. Orhan Akman arbeitet weiterhin für ver.di.

Wir wollen mit Orhan über den Konflikt zwischen dem ver.di-Bundesvorstand und ihm sprechen.

Es geht um die Grundsatzfrage: Welchen Charakter haben unsere Gewerkschaften?

Sind sie Sozialpartnerschaftsorgane zur Befestigung des kapitalistischen Systems oder Klassenkampforganisationen mit dem Ziel einer sozialistischen Gesellschaft?

Warum müssen Gewerkschaften das politische Mandat für die lohnabhängig Beschäftigten beanspruchen und dürfen dieses Feld nicht dem Klassengegner überlassen?

Orhan Akman schreibt:

Ver.di revolutionieren!

Im Jahr 2001 aus fünf Einzelgewerkschaften mit 2,81 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen, hat Verdi seit der Gründung fast eine Million Mitglieder verloren. Die Einzelgewerkschaften, aus denen Verdi hervorging, vereinten sich nicht aus einer Position der Stärke heraus. Alle fünf Gewerkschaften hatten bereits zuvor mit einer rückläufigen Mitgliederentwicklung und sinkenden Beiträgen zu kämpfen. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle auf die Probleme der einzelnen Gründungsgewerkschaften einzugehen. Aus fünf kranken Katzen entsteht jedenfalls kein Tiger, wenn nicht gleichzeitig wesentliche Veränderungen in der Gewerkschaftsarbeit vorgenommen werden.

Nach mehr als 20 Jahren ist heute klarer denn je: Verdi befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Es ist eine Krise der Mitgliederentwicklung, eine Krise der rückläufigen Mitgliedsbeiträge und somit der Handlungsfähigkeit; eine tarifpolitische und insgesamt eine politische Krise. Hinzu kommt die organisationspolitische Krise der Gewerkschaft, in der das beitragszahlende Mitglied immer mehr entmachtet wird und sich in der eigenen Organisation immer weniger wiederfindet. Zwischen der Gewerkschaft als Apparat und ihren Mitgliedern findet eine regelrechte Entfremdung statt.

Alle diese Krisen stehen in einem Zusammenhang. Eine einschneidende Änderung der Ausrichtung unserer Gewerkschaft ist nötig, um wieder Organisationsmacht, betriebliche und politische Durchsetzungs- und Gestaltungsmacht sowie gesellschaftliche Relevanz zu gewinnen. Gelingt uns das nicht, verschwinden wir in der absoluten Bedeutungslosigkeit. Das hätte verheerende Auswirkungen auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten, nicht nur im Dienstleistungsbereich.

Diese Krisen werden allerdings nicht richtig analysiert und auch nicht beim Namen genannt. Aber ohne eine zutreffende Analyse kann man in einer Krise nicht gegensteuern. Das sollte eine der Kernaufgaben des Bundesvorstandes sein, der bei der Krisenbewältigung jedoch nur Ansätze von unzureichender Symptombekämpfung verfolgt, anstatt an die Wurzeln zu gehen.

www.orhan-akman.de/2022/09/ver-di-revolutionieren/

Vorher in der „aktuellen halben Stunde“ ein Bericht von Nosrat Taymoorzahde über den Aufstand im Iran.

 

Jour Fixe 204

Datum: 07/12/2022
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Curiohaus. Rothenbaumchaussee 15, Hofdurchgang, 20148 Hamburg
Werner Rügemer

Einladung zum 204. Jour Fixe am 7. Dezember um 18 Uhr 30

„Fachkräfte“-Mangel in Deutschland?

Referent: Werner Rügemer, Köln, Publizist


Natürlich haben wir einen riesigen Fachkräfte-Mangel in Deutschland!

Zum Beispiel im Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt: Um endlich gegen den hilflos herumstochernden grünen Umweltminister „ökonomischen Sachverstand“ in die Regierung zu bringen, wurde jetzt die BlackRock-Managerin Elga Bartsch zur Leiterin der Grundsatzabteilung „Wirtschaft“ berufen. Sie soll den sozial-ökologischen Umbau in Deutschland voranbringen.

Und für die vier Hartz-Gesetze musste McKinsey ran. Und für die Zurichtung der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter muss Accenture ran. Undsoweiter.

In Deutschland sind für die wichtigen Aufgaben offensichtlich keine Fachkräfte zu finden.

Und auch ein paar Etagen drunter fehlen in Deutschland die Fachkräfte, zu hunderttausenden: in den Krankenhäusern, in den Alten- und Pflegeheimen, in den Schulen und Kindergärten, beim Bau, als LkW-Fahrer, bei Software und IT und im Handwerk.

Das könnte damit zusammenhängen, dass die zuerst genannten Fachkräfte dafür die wichtigen Vor-Entscheidungen gefällt haben: Der Staat „spart“, wie es heißt, jedenfalls bei den Einkommen und den Arbeitsverhältnissen und der Ausbildung in den Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen undsoweiter. Und die vielen Arbeitslosen und Unter- und Teilbeschäftigten werden nicht weitergebildet und umgeschult wie zum Beispiel jetzt beim Umstieg in die e-Mobilität. Stattdessen werden neue Zulieferfirmen in Niedriglohnstaaten gegründet.

Einige Jahrzehnte lang haben Unternehmen mithilfe der EU dafür das Reservoir billiger Migranten in den verarmten osteuropäischen EU-Staaten und aus den Balkanstaaten ausgeschöpft.

Mit der Corona-Politik hat die Bundesagentur für Arbeit aber nun Abkommen mit Drittstaaten abgeschlossen, also mit Indien, Vietnam, Kolumbien, Philippinen, Bosnien, Tunesien undsoweiter: Jetzt kommen die Fachkräfte aus noch ärmeren Staaten, und deshalb sind die Fachkräfte noch billiger, und noch williger.

Die zuerst genannten hochbezahlten, von weit her geholten Fachkräfte auf der obersten Ebene verursachen die Herholung der vielen schlecht bezahlten Fachkräfte auf der unteren Ebene.

Gleichzeitig verarmen der Staat, die soziale, kommunale und industrielle Infrastruktur und die Mehrheit der Bevölkerung.

Es ist eine verdammt schwierige Aufgabe, in der EU und den betroffenen Staaten demokratische und menschenrechtliche Verhältnisse herzustellen. Fangen wir in Deutschland an: Was muss sich ändern? Wer kann das tun?

Literatur:
Werner Rügemer: Imperium EU – ArbeitsUnrecht, Krise, neue Gegenwehr. Köln 2020
Werner Rügemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriß zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. Köln 2021

Jour Fixe 203

Datum: 02/11/2022
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Curiohaus. Rothenbaumchaussee 15, Hofdurchgang, 20148 Hamburg

 

Einladung zum 203. Jour Fixe am 02. November um 18 Uhr 30

Auf dem Weg in den Überwachungsstaat?

Pandemie-Maßnahmen und der Ausbau digitaler Überwachungsinfrastrukturen

Referent: Herbert Werner, TU Hamburg

Seit 2016 gibt es eine globale Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, jeden Menschen auf der Erde mit einer eindeutigen biometrischen digitalen Kennzeichnung zu versehen. Das ist die ID2020 Allianz, gegründet u.a. von Microsoft, der Impfallianz GAVI (gefördert von der Bill-and-Melinda-Gates Foundation), und der Unternehmensberatung Accenture (spezialisiert auf Cloud-Dienste). Seit 2018 fördert das Weltwirtschaftsforum (WWF) diese Initiative, und unterstützt von Accenture hat das WWF ein Arbeitsprogramm für Regierungen und private Organisationen veröffentlicht, das darauf zielt, eine globale Infrastruktur für digitale Identitätsnachweise aufzubauen.

Das Ziel der digitalen Kennung aller Menschen wird begründet mit dem Recht eines jeden auf eine „legale Identität“, und in letzter Zeit auch mit Erfordernissen der Pandemiebekämpfung. Wohin die angestrebte Entwicklung tatsächlich führt, kann man an den Ergebnissen von Feldversuchen in einer Reihe von Entwicklungsländern beobachten, etwa in Uganda oder Indien, wo digitale Kennungen bereits auf nationaler Ebene eingeführt wurden, mit teilweise katastrophalen Folgen für Teile der Bevölkerung, die wegen fehlender digitaler ID von staatlichen Leistungen und Diensten ausgeschlossen wurden.

Eine erhebliche Beschleunigung erlebte der globale Trend zur digitalen Erfassung und Kontrolle aller Menschen seit 2020 mit der Verhängung von Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und der damit verbundenen massiven Einschränkung von Grundrechten. Das Potenzial der neuen digitalen Infrastruktur für Massen- und Aufstandskontrolle illustrierte kürzlich ein Vorfall in der chinesischen Provinz Henan: eine größere Anzahl von Bankkunden aus ganz China wollte in Panik nach Henan reisen, um Geld von einer in Betrugsgeschäfte verwickelten Bank abzuheben. Viele konnten die Reise allerdings nicht antreten oder fortsetzen, weil eine lokale Behörde den Health-Code der Betroffenen von grün auf rot gesetzt hatte. Dadurch wurde für diese die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel unmöglich. (Es sei angemerkt, dass die verantwortliche Behörde daraufhin gemaßregelt und Ermittlungen eingeleitet wurden.)

Die planmäßige Vorbereitung auf den dann 2020 verhängten weltweiten Ausnahmezustand interpretiert der niederländische Politikwissenschaftler Kees van der Pijl in seinem gerade erschienen Buch im Zusammenhang mit der seit der Finanzkrise 2008 weltweit zu beobachtenden starken Zunahme sozialer Unruhen. Statistiken der Datenbank CNTS (European University Institute) zeigen, dass diese seit 2008 alle Rekorde gebrochen haben, und nach Meinung van der Pijls kamen die Corona Lockdowns gerade rechtzeitig, um diese Entwicklung zu stoppen. Die International Labor Organisation (ILO) berichtete 2013, dass die Gefahr einer sozialen Explosion am größten nicht etwa im Nahen Osten, sondern in der EU und vor allem in deren südlicher Hälfte sei. Insbesondere Frankreich schien sich auf eine potentiell revolutionäre Krise hinzubewegen, bis dann 2020 die Pandemie ausgerufen wurde.

Alle hier angesprochenen Aspekte der Digitalisierung der Gesellschaft werden im Vortrag diskutiert. Zum Schluss wird die Frage aufgeworfen, wie man das demokratische und emanzipatorische Potenzial der IT Revolution für die Gesellschaft nutzbar machen kann angesichts der Tatsache, dass die Internet- Infrastruktur sich im Eigentum US-basierter IT-Konzerne befindet.

 

Relevante Literatur:
Norbert Häring: Endspiel des Kapitalismus, 2021
Kees van der Pijl: States of Emergency, 2022
Thomas Röper: Inside Corona, 2022

 

Jour Fixe 202

Datum: 19/10/2022
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Curiohaus. Rothenbaumchaussee 15, Hofdurchgang, 20148 Hamburg
Juli 2022 – Streikende am Container Terminal Burchardkai

Einladung zum 202. Jour Fixe am 19. Oktober um 18 Uhr 30

Streiks im Hamburger Hafen und Demos im Juli 2022 – Rückblick und Aufarbeitung

Referent: Gerd Müller, früher Betriebsrat bei HHLA

Die Tarifrunde zwischen dem Zentralverband der deutschen Seehäfen und ver.di für die Hafenarbeiter der deutschen Seehafenbetriebe hat viel Aufmerksamkeit erhalten.

Es hat insgesamt drei Aufrufe zu Warnstreiks gegeben, was in der Tat seit 1978, abgesehen von Boykottaktionen im Rahmen der ITF-Aktionswochen, für die Hafenarbeiter nicht mehr stattgefunden hat. Insbesondere bei den Containerumschlagsbetrieben gab es eine hohe Bereitschaft sich am Streik zu Beteiligen, eine Vielzahl von Initiativen.

Es handelt sich zwar um einen Flächentarifvertrag, jedoch teilt sich der Tarifvertrag in drei Gruppen von Hafenarbeitern. A (Vollcontainerbetriebe), B (die Nicht-Vollcontainerbetriebe), C (Betriebe die sich im Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag befinden, bei denen der vereinbarte Grundlohn um 15% abgesenkt werden kann). Zwar sind für A und B die Erhöhung der Stundengrundlöhne und die 700,00 € Inflationsausgleich gleich, nicht jedoch die pauschale Zulage (A-Kolleg*innen jetzt 4.838,00 € p.a., B-Kolleg*innen 1.054,00 € p.a., C-Kolleg*innen keine jährliche Zulage)

Wenngleich es mit einem Nullmonat, ausgesetzten Zuführungen zum Demografiefond und 24 Monaten Laufzeit von den üblichen Mechanismen der Tarifarithmetik begleitet ist, ist das erreichte Ergebnis sicherlich nicht schlecht, spiegelt aber die Aufspaltung in die gut Verdienenden in den Containerbetrieben, die schlechter Gestellten in den übrigen Betrieben und in die Schlusslichter, die um ihrer Arbeitsplätze zu behalten Lohneinbußen hinnehmen müssen, wider.

Ob die in vielen linken Publikationen zu findende Beschreibung einer neuen Qualität sozialer Kämpfe, das Erwachen eines neuen Klassenbewußtseins berechtigt ist wäre zu diskutieren. Auch die Wahrnehmung, dies seien die ersten Streiks und Kämpfe seit 1978 ist eine nähere Betrachtung wert.

Es stellen sich eine ganze Reihe von Fragen:

  • Gibt es Unterschiede zwischen dem Streik von 1978 und heute?
  • Welche Konflikte gab es in den letzten 40 Jahren und wie wurden sie ausgetragen?
  • Welche Rolle spielte die Gewerkschaft in diesen Auseinandersetzungen?
  • 1978 gab es die Meinung, 1896/97 sei der letzte Streik im Hafen gewesen. Der Streik 1951 war aus dem Gedächtnis gestrichen?
  • 2022 gibt es die Meinung, der letzte Streik sei 1978 gewesen. Auch hier finden sich die Kämpfe seit 1978 nicht wieder.
  • Woher kommt das?

Das Bewußtsein der Beschäftigten im Hafen sich zur Wehr zu setzen hat seit dem Hafenarbeiterstreik 1951 eine lange Tradition, die sich durch eine Vielzahl von Konflikten zieht. Es erscheint sinnvoll, sich näher anzuschauen, wie es nach dieser Tarifrunde aussieht und wie die Erfahrungen aus den Warnstreiks sich auf die kommenden Herausforderungen der Automatisierung und des geplanten Arbeitsplatzabbaus auswirken.

Dazu wird Gerd Müller referieren, jahrzehntelang bei der HHLA beschäftigt und Betriebsrat.

Jour Fixe 201 – Draußen-Jour Fixe

Datum: 03/08/2022
Uhrzeit: 18:30
Ort: Ottensen, Bahrenfelder Str. 101A. Auf dem Hof von DRUCKWELTEN GmbH

KEINE PROFITE MIT BODEN UND MIETE

 

Handwerkerhof Ottensen

Rolf Weilert wird uns nach dem schönen Motto „Schwarm schlägt Hai“ in

Das Mietshäuser Syndikat

seine Geschichte – sein politisches Konzept – seine Projekte und Perspektiven einführen.

Auf einem anschließenden Rundgang durch Ottensen wird Rolf uns die hier ansässigen Projekte zeigen und deren Konzepte erläutern.

Infos zum Mietshäusersyndikat:

  • Das Motto ist: Die Häuser denen, die drin wohnen
  • Es geht um selbstorganisiertes Wohnen,
  • solidarisches Wirtschaften,
  • Beratung selbstorganisierter Hausprojekte, die sich für das Syndikatsmodell interessieren,
  • Beteiligung an Projekten, damit diese dem Immobilienmarkt entzogen werden,
  • Initiierung neue Projekte.
  • Es gibt bisher 174 in Deutschland.

Beschreibung der Mietshäusersyndikate:
https://ijv-hamburg.org/2020/mietshaeusersyndikat/

Zum Abschluss gibt’s auf dem Hof von DRUCKWELTEN einen Drink, anschauliches Informationsmaterial und Zeit für unsere Fragen.

Wir bitten um Anmeldung: kontakt@gewerkschaftlinke.hamburg

 

Jour Fixe 200 – Ein Grund zum Feiern!

Datum: 18/06/2022
Uhrzeit: 15:00 - 20:00
Ort: Diesmal Saal im 1. Stock im Gebäude neben der Kirche, Billstedter Hauptstr. 92 (U-Bahn Billstedt. U2, dann 10 Minuten Fußweg)
Happy birthday
Jour Fixe 200 – Ein Grund zum feiern !

Einladung zum 200. Jour Fixe am Samstag, 18. Juni ab 15 Uhr – Ende offen

Unser 200. Jour Fixe wollen wir feiern, nach 199. Jour Fixes zu Themen Arbeit, Betrieb, Gewerkschaft!

 

Wir geben einen Rückblick auf das Entstehen des Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg im Jahre 2005 und unsere Praxis. Und natürlich einen Ausblick wie es weiter gehen soll!

Wir haben KollegInnen eingeladen, die bei uns referiert haben oder mit denen wir zusammenarbeiten. Und sie um statements gebeten.

Und es ist natürlich offenes Mikrophon für jeden/jede da.

Zum Feiern gehört auch: Sketche, Musik, Sektempfang und Imbiß!

Und lange Pausen für Gespräche.

Wir haben zwar einen größeren Saal, aber bitte anmelden, damit wir wissen für wieviele KollegInnen wir planen können! (Das Orga-Kollektiv).

Email: kontakt@gewerkschaftslinke.hamburg

Wer nicht kommen kann, kann uns gern eine Grußbotschaft senden. Sie wird beim 200. Jour Fixe verlesen.

Wer Grundsätzliches zum Jour Fixe wissen will oder Aktuelles, kann sich auf unserer homepage informieren: https://gewerkschaftslinke.hamburg/

 

Jour Fixe 199

Datum: 04/05/2022
Uhrzeit: 18:30 - 21:00
Ort: Diesmal in der Brigittenstr. 5, (Erreichbar: U-Bahn Feldstr. 10 Min.; Bus Linie 3, Haltestelle Neuer Pferdemarkt 6 Min.; S-Bahn Sternschanze 12 Min.)

Einladung zum 199. Jour Fixe am 4. Mai um 18 Uhr 30

Das kubanische Gesundheitssystem – vorbildlich weltweit!

Es referieren Sabine Heyken, Ruben Castro und Veronika Lentsch

Die kubanischen Revolutionäre unter der Führung von Fidel Castro und Che Guevara besiegten 1959 das Batista-Regime, eine Marionetten-Regierung der USA.

Um die Errungenschaften der kubanischen Revolution zu zerstören, griffen die USA zu terroristischen Methoden und verhängten eine Wirtschafts-Blockade, die bis heute anhält.

Trotzdem konnte Kuba im sozialen Bereich, im Bildungswesen und im Gesundheitswesen Strukturen schaffen, die nicht nur für die Karibik und Lateinamerika vorbildlich sind.

Im „reichen“ globalen Norden sind spätestens in den letzten Jahren die Unzulänglichkeiten des kapitalistischen Gesundheitssystems offen zu Tage getreten.

Die Menschheit verfügt jedoch längst über die Möglichkeiten für eine umfassende und flächendeckende Gesundheitsversorgung für die Gesamtbevölkerung.
Das sozialistische Kuba sticht durch ein international anerkanntes Gesundheitswesen besonders hervor.
Wie gelingt es Kuba trotz Blockadepolitik der USA ein vorbildliches Gesundheitswesen zu erhalten?

Wie steht es um die Gesundheit der Bevölkerung im Kapitalismus?
Was können wir von Kuba lernen und was ist hier zu tun?