Amazon baut in Winsen neues Logistik-Zentrum auf:
Mit modernster Technik, aber alten Job-Strukturen!

In den letzten Monaten wurden vom Unterstützerkreis Amazon Winsen mehrere Info-Aktionen vor dem Logistikzentrum HAM 2 organisiert. In dem neuen Amazon-Werk, das seit Oktober in Betrieb ist und wo schon 2.500 KollegInnen beschäftigt sind – in der Weihnachtssaison an die 4.000 – wurden die Infos von den Rein- und Rauseilenden fast immer gern genommen. Es kam zu kurzen Gesprächen. Der Großteil der Beschäftigten sind LeiharbeiterInnen. Viele kommen mit Bussen aus einem größeren Umkreis. Es wird in drei Schichten gearbeitet. Die VerteilerInnen der Infos wurden gefragt: „Wann fängt verdi denn an?“ Es wird erwartet, daß ein Betriebsrat und eine Betriebsgruppe gebildet wird. Die Kollegin Andreja Schmidtkunz, die als ver.di-Vertrauensfrau bei Amazon Bad Hersfeld arbeitet und kürzlich zur DGB-Vorsitzenden des Kreises gewählt wurde, war mit drei KollegInnen aus Bad Hersfeld gekommen, um den Winsenern Beschäftigten zu signalisieren, daß sie ihnen mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen. Von der  Kollegin Schmidtkunz stammt folgender Bericht (DW):

Der „Unterstützer- / Aktivenkreis HAM2“ zeigt Flagge für die Amazon-Beschäftigten im Logistikpark.
Der „Unterstützer- / Aktivenkreis HAM2“ zeigt Flagge für die Amazon-Beschäftigten im Logistikpark. Zum Schichtwechsel verteilten sie Taschenkarten mit Informationen darüber, was ver.di für die Beschäftigten leisten kann und wer der Ansprechpartner ist. Das Bild zeigt v. li.: Hannes Weschke (ver.di Harburg Land), Andreja Schmidtkunz (DGB-Vorsitzende Hersfeld-Rotenburg), Bezirksgeschäftsführer Matthias Hoffmann (ver.di Bezirk Lüneburger Heide), Franzi Etzel (ver.di-Mitglied Bad Hersfeld), Dieter Wegner (Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg) und Andreas Gangl (Amazon-Vertrauensmann Bad Hersfeld).

Winsen (Luhe) / Bad Hersfeld. Derzeit der modernste Standort des Internetkonzerns Amazon ist das im Oktober in Betrieb gegangene Logistik-Zentrum HAM2 mit zunächst 1.900 Stamm-Arbeitsplätzen auf einer Fläche von 64.000 Quadratmetern. Die saisonbedingte Beschäftigtenzahl schätzt die Gewerkschaft auf derzeit 2.500. Diese Zahlen nannte ver.di-Geschäftsführer Matthias Hoffmann, Bezirk Lüneburger Heide, beim Treffen eines Unterstützer- & Aktivenkreises im Gewerbegebiet Luhdorf an der A39.

Den nachmittäglichen Schichtwechsel bei HAM2 hatter ver.di-Geschäftsführer Matthias Hoffmann, Bezirk Lünebuger Heide, für ein Aktiventreffen inklusive Unterstützeraktion genutzt. Zwei Versandmitarbeiterinnen erzählten, wie ihr Job bei Amazon im top-modernen Logistikpark täglich abläuft. Zur Sprache  kamen u.a. die reale Arbeigtszeiterfassung per Software-Tools, Eingangs- sowie Ausgangskontrollen per Badge, Videoüberwachungen im Arbeitsbereich, Kamera-Augen sogar im Vorraum der Damen-Umkleide, sowie als „Feedback“ getarnte Gespräche bezüglich vermeintlich schlechter Mitarbeiterleistungen.

Die als UnterstützerInnen angereisten KollegInnen aus dem Amazon-Standort FRA3 in Bad Hersfeld waren über die Schilderungen ihrer Winsener ArbeitskollegInnen zum Teil schockiert. Dort herrschten nach ihrem Eindruck Arbeitsbedingungen wie sie in Bad Hersfeld vor über fünf Jahren – vor den dortigen Streiks – gang und gäbe waren Zudem sind die KollegInnen in HAM2 Schichtplänen unterworfen, die ihre MitarbeiterInnen während des Weihnachtsgeschäftes zu einer 6-Tage-Woche verpflichten. Vergleichbare Schichten in Bad Hersfeld und anderen deutschen Amazon-Betrieben werden jedoch auf freiwilliger Basis angeboten.

Wie ver.di-Geschäftsführer Hoffmann und seine Kollegin Andreja Schmidtkunz vom Kreisverband Bad Hersfeld-Rotenburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) betonten, steht ver.di in engem Kontakt zu vielen Werksangehörigen im dortigen Verteilzentrum. Nun ist das Ziel, mit den Beschäftigten gemeinsam eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor Ort zu erreichen. „Vor allem ist ein ordentlicher Tarifvertrag für alle Amazon-Standorte wichtig“, so Schmidtkunz. „Nur so können die Arbeitsbedingungen, die fairen Löhne und der gegenseitige Respekt von Arbeitnehmer und Arbeitgeber einvernehmlich miteinander sichergestellt werden. Voraussetzung dafür ist aber auch, dass in Winsen überhaupt erst ein Betriebsrat ins Leben gerufen wird.“

Im kommenden Frühjahr stehen in deutschen Unternehmen wieder die turnusmäßigen Betriebsratswahlen an. Nach Worten von Hannes Weschke vom ver.di-Ortsverband Harburg-Land wünscht sich die Gewerkschaft auch für Amazon Winsen den Betriebsrat. Dafür müssten schon  jetzt die Weichen gestellt und die Werksangehörigen informiert werden.

 

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