ArbeitsmigrantInnen besonders durch Corona-Virus gefährdet!

Wie können sie in ihrer desolaten Situation vor der Ausbreitung des Virus geschützt werden?

Sie kommen als WerksvertragsarbeiterInnen aus osteuropäischen Ländern hierher. Es sind dreieinhalb bis vier Millionen Menschen, davon hunderttausende in der Fleischindustrie.

Die WerksvertragsarbeiterInnen in der Fleischindustrie nannte Prälat Kossen Wegwerfmenschen. Sie sind körperlich und psychisch in geschwächten Zuständen! Sie wohnen in menschenunwürdigen Behausungen! Sie sind in keiner Weise integriert und meistens total sprachunkundig.

Sie müssen oft 6 Tage bis zu 15 Stunden arbeiten.

Das sind die optimalen Voraussetzungen für die ungebremste Verbreitung des Corona-Virus.

Prälat Peter Kossen (Lengerich) hat in einer Presseerklärung einen Warnruf veröffentlicht, siehe unten.

Peter Kossen kämpft seit 2013 gegen das „System Tönnies“, das aufbaut auf Subsubsubunternehmen. Bis zu 80 Prozent der ArbeiterInnen sind in den Großschlachtereien mit Werkverträgen angestellt, also nicht beim Konzern sondern bei Subunternehmen.

Er hat kürzlich in Lengerich eine Beratungsstelle für osteuropäische WerksvertragsarbeiterInnen eingerichtet. Es gibt in Deutschland noch weitere Initiativen gegen das System Tönnies. In denen arbeiten auch KollegInnen mit Kenntnissen osteuropäischer Sprachen. Aber weder die Beratungsstelle noch diese einzelnen KollegInnen können das Problem lösen, sie sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Was jetzt notwendig ist:

a) Die sofortige Einstellung aller Arbeit der WerkvertragsarbeiterInnen in Schlachthöfen

b) Quarantäne für alle osteuropäischen WerkvertragsarbeiterInnen

c) Sofortige Aufklärung der WerksvertragsarbeiterInnen über die Corona-Pandemie in ihrer jeweiligen Muttersprache in Wort und Schrift

d) Weitere Zahlung ihrer Löhne durch den Subunternehmer oder den Konzern

e) Belieferung mit allen notwendigen Lebensmitteln  in ihre Wohnstätten/Behausungen

f) Abschaffung des Werkvertragssystems!

LEST UND SEHT WEITER UNTEN:
+++ DIE PRESSEERKLÄRUNG VON PETER KOSSEN!
+++ DIE ERÖFFNUNG DER BERATUNGSTELLE!
+++ DEN FILM VON 7 MINUTEN VOM MDR!

Dieter Wegner, aktiv bei Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg und Anti-Tönnies-Initiative „Stützkreis“ in Kellinghusen


Pressemitteilung:

Pfarrer Peter Kossen: Arbeitsmigranten sind Hochrisikogruppe

Peter Kossen. Kolpingstraße 14. 49525 Lengerich. 05481 8461592    kossen@bistum-muenster.de

Pfarrer Peter Kossen warnt angesichts der Corona-Pandemie vor einer massenweisen Infizierung der großen Gruppe ost- und südosteuropäischer Arbeitsmigranten.

In Deutschland gehören zu dieser Bevölkerungsgruppe dreieinhalb bis vier Millionen Menschen. „Aufgrund vielfach unmenschlich harter Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, in Ausstallkolonnen oder als Paketzusteller und im Hinblick auf äußerst prekäre Wohnverhältnisse muss mit einer Vielzahl schwerer und tödlicher Verläufe der Corona-Erkrankung bei den Arbeitern und Arbeiterinnen in diesen Branchen gerechnet werden“, so Kossen. Er verweist auf die Erfahrungen seines Bruders, des Arztes Dr. Florian Kossen, der als Internist und Allgemeinmediziner tagtäglich Frauen und Männer behandelt, die als Arbeitsmigranten z. B. in Großschlachtereien beschäftigt sind. „Die Totalerschöpfung dieser Menschen ist die Normalität“, sagt Kossen. „Dazu kommen zahlreiche Schnittverletzungen, aber auch wiederholte und hartnäckige Infekte durch mangelhafte hygienische Zustände in den Unterkünften und durch gesundheitswidrige Bedingungen an den Arbeitsplätzen.“ Ihre Schwerstarbeit in der Fleischindustrie, in Ausstallkolonnen, bei Gebäudereinigern und bei Paketdiensten wolle hier ja sonst auch keiner tun, so Kossen. In den Schrottimmobilien, die häufig als Unterkunft dienten, und ihren oft viel zu kleinen, schlecht belüfteten und mehrfach belegten Zimmern finde man nicht selten ausgeprägte Schimmelbeläge an den Wänden, direkt neben den als Betten dienenden Pritschen.

Wenn jetzt die Pandemie auf diese ausgelaugten, angeschlagenen und gedemütigten Menschen aus Ost- und Südosteuropa treffe, werde sie zahlreiche Opfer fordern, ist er ganz sicher. Die mangelnde Sprachkenntnis verschärfe das Problem. „Viele sprechen wenig oder gar nicht Deutsch. Da kommen Warnungen und Sicherheitsvorschriften nur bruchstückhaft oder überhaupt nicht bei den Adressaten an.“ Erschwerend hinzu komme die Tatsache, dass zunehmend ganze Familien von Arbeitsmigranten mit ihren Kindern in gesundheitsgefährdenden Unterkünften hausten.

Niemand fühlt sich zuständig“, sagt Kossen, „die Kommunen nicht und die Landkreise auch nicht, und die Leidtragenden sind wie immer die Schwächsten – die Kinder.“ Kossen fordert von den Unternehmen und den Behörden schnellstmöglich umfassende und wirksame Maßnahmen zum Schutz der Arbeitsmigranten. „Zwölf-Stunden-Schichten an sechs Tagen die Woche, körperliche Schwerstarbeit unter ständigem physischen und psychischen Druck sowie Behausungen, die Erholung und Regeneration nicht zulassen, sondern die Gesundheit zusätzlich gefährden – solche Arbeits- und Lebensbedingungen liefern die Betroffenen und ihre Angehörigen wehrlos einer hochansteckenden und sehr gefährlichen Krankheit aus.“ Kossen sagt: „Wenn nicht wirklich schnell gehandelt wird, ist eine massenhafte Ansteckung mit zahlreichen schweren und auch tödlichen Verläufen wohl nicht mehr aufzuhalten!

Von dieser Mitteilung kann ab sofort Gebrauch gemacht werden.

 

Beratungsstelle eröffnet: Gegen Ausbeutung von Arbeitsmigranten

Martina Schwager und Björn Schlüter
… Obwohl bis zu vier Millionen Menschen aus Rumänien, Bulgarien oder Polen in Deutschland arbeiteten, finde eine Integration praktisch nicht statt, sagte Kossen. Sie würden in der Fleischindustrie, der Landwirtschaft, in der häuslichen Pflege und bei Paketdienstleistern ausgebeutet und in der Gesellschaft an den Rand gedrängt und diskriminiert.
https://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/vechta-lengerich-engagement-gegen-ausbeutung-von-arbeitsmigranten_a_50,7,2254320164.html

 

Prälat Peter Kossen ruft Arbeitsmigranten zu Streiks auf

In der plattdeutschen Reihe „Dat kannst´ mi glööven“ im NDR Radio Niedersachsen gestaltet Peter Kossen in der Zeit vom 16.-20. März 2020 die täglichen Mittagsandachten um 14.15 Uhr zum Thema Würde und Gerechtigkeit. (Bitte scrollen bis zum Beitrag: Kossen ruft Arbeitsmigranten zu Streik auf).
https://www.labournet.de/interventionen/asyl/arbeitsmigration/migrationsarbeit/fleischindustrie-zu-lasten-von-menschen-und-tieren-und-erzeugerpreisen-dr-florian-kossen-und-praelat-peter-kossen-menschen-werden-verschlissen-und-entsorgt/#weiteres

 

Arbeit in der Fleischproduktion: „Du bist kein Mensch für sie“

Deutschlands größter Fleischproduzent Tönnies ist auf Mitarbeiter aus Osteuropa angewiesen. Viele von ihnen beklagen prekäre Arbeitsbedingungen. Wieso wird hier aber trotz wiederholter Kritik nichts geändert?
https://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/inland/arbeitsbedingungen-fleischproduktion-wurstwaren-toennies-mitarbeiter-osteuropa-werksvertrag-100.html

Streit um Löhne, harte Arbeitsbedingungen, nicht eingehaltene Verträge – davon berichten osteuropäische Mitarbeiter. (TV 7 Minuten)
https://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/inland/video-390414_zc-7c24b58d_zs-c6d96038.html

Anmerkung:
Die Frage des MDR: „Wieso wird hier aber trotz wiederholter Kritik nichts geändert?“ können wir kurz und knapp beantworten: Weil das Werksvertragssystem, wir nennen es System Tönnies, den Nutznießern, also Tönnies und Co und allen Subunternehmern exorbitanten Profit bringt! (Die Tönnies-Familie ist innerhalb weniger Jahre zum mehrfachen Milliardär geworden!). Und weil das System Tönnies von der Bundesregierung, den Landesregierung, den bürgerlichen Parteien und Politikern geduldet und gefördert wird, wegen der Standortvorteile für Deutschland! Wenn der Kollege Bernhard von der NGG die
Abschaffung der Werkverträge fordert, um die prekären Arbeitsbedingungen zu beenden, so ist ihm absolut beizupflichten!
Die Interviews mit den osteuropäischen KollegInnen geben einen realistischen Einblick in die Arbeitsbedingungen und ihr Wohnen und Leben. Es ist menschenwürdig! Gut ist in dem Beitrag auch die Gegenüberstellung der
Tönnies-Propaganda vom schönen Arbeiten in der Tönnies-Welt und der Realität! (DW)

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