Wie weiter Kapitalismus? Texte zur Einordnung der Covid-19-Politik in die Überlebensprobleme des kapitalistischen Wirtschaftsmodells

Wir wollen hier versuchen, Diskussionsbeiträge zur Verfügung zu stellen, die zwar auch mit Covid-19 zu tun haben, aber über die Tages-Auseinandersetzungen mit der staatlichen Corona-Politik und den aktuellen Demonstrationen zum Thema hinausgehen. Die die Hintergründe analysieren, siehe Überschrift. Um Entstehung und Herkunft der Epidemie soll es hier auch nicht gehen,sondern darum, welche Entwicklungen die ökonomischen und gesellschaftlichen Mechanismen des Kapitalismus entlang der Pandmie genommen haben und nehmen.

Wir selber haben nur unzureichend Kompetenz und Kraft zu solchen ökonomischen Hintergrundanalysen, aber natürlich lesen wir dergleichen, sprechen auch hier und da untereinander darüber und versuchen, uns zum Thema eine Meinung zu bilden. Deshalb veröffentlichen wir hier eine kommentierte Materialsammlung, zum eigenen und weiteren Nachdenken.

Wir freuen uns, wenn unsere Leserinnen und Leser weiteres Material und eigene Gedanken beisteuern, die wir dann in den Beitrag mit aufnehmen.


„Die Hintergründe der Pandemie“

Beitrag des marxistischen Professors Fabio Vighi
Vighi ist Professor für Kritische Theorie und Italienisch an der Universität Cardiff, Großbritannien. Zu seinen jüngsten Arbeiten gehören Critical Theory and the Crisis of Contemporary Capitalism (Bloomsbury 2015, mit Heiko Feldner) und Crisi di valore: Lacan, Marx e il crepuscolo della società del lavoro (Mimesis 2018). Sein Beitrag erschien am 16.08.2021 original in https://thephilosophicalsalon.com/a-self-fulfilling-prophecy-systemic-collapse-and-pandemic-simulation/

Beim Laien’s Club Heimfeld Arbeiterbildungsverein gibt es eine deutsche Fassung: https://laiensclub.files.wordpress.com/2022/01/211230_hintergruende_vighi.pdf

Vighi macht sich Gedanken um strategische Debatten und Überlegungen innerhalb der kapitalistischen Eliten in Bezug auf die strukturelle Krise der jetzigen Gesellschaft. Es gibt eine sich zuspitzende Profitkrise und es gab bis unmittelbar vor der Epidemie in den Jahren 2018 / 19 global so viele Unruhen, Streiks und Aufstände wie noch nie. Es gab und gibt global (durch den sozialen Druck von unten und von oben) verunsicherte Mittelschichten und es gab und gibt ein Finanzwesen, das unmittelbar vor dem Kollaps stand. In dieser Situation trat eine Epidemie auf, in die – vor allem – die Mittelschichten ihre Ängste projizieren können. Die Angst hilft dem Staat, Maßnahmen durchzusetzen, die vorher undenkbar gewesen wären.

Vielen erscheint das Agieren der Politik angesichts der Corona- Epidemie kopflos und chaotisch. Andere versuchen, einen Masterplan dahinter zu erkennen. Letzteres wird gemeinhin als Verschwörungstheorie gekennzeichnet. Manche mögen den Text von Fabio Vighi in diese Schublade „Verschwörungstheorie“ stecken. Die Inhalte dieser Analyse sind u.E. jedoch überwiegend einleuchtend.

Denn: Zwei Jahre nach der Ankunft von COVID-19 untersucht Fabio Vighi den kausalen Zusammenhang zwischen unserer finanzgetriebenen, implodierenden Wirtschaft und einem Gesundheitsnotstand, dessen Fortdauer zunehmend sinnlos erscheint.

Es gibt auch ein 22-minütiges Video mit Fabio Vighi vom Januar 2022, englisch mit deutschen Untertiteln, da geht er auch bereits auf die steigende Inflation und ihre Hintergründe ein. M.E. recht verständlich erklärt: https://www.allesaufdentisch.tv/die-oekonomische-logik-hinter-covid-19.html

Wirtschaftskrise, Pandemie, der Zentralbanker Covid 19: Das Wahre an den „Verschwörungstheorien“ und die Aufgabe der Linken

Von Conrad Schuhler – 31. Januar 2022
https://gewerkschaftsforum.de/wirtschaftskrise-pandemie-der-zentralbanker-covid-19-das-wahre-an-den-verschwoerungstheorien-und-die-aufgabe-der-linken/#more-12808
Infos zu Conrad Schuhler: https://de.wikipedia.org/wiki/Conrad_Schuhler

Zitate Schuhler:
Fazit: Aus den strukturellen Gründen eines neoliberalen Kapitalismus, der die gesellschaftliche Wertschöpfung und ihren Zuwachs höchst ungleich verteilte, sank die Gesamtnachfrage und Gesamtproduktion. Die Reichen verschoben den zusätzlichen Profit in den Finanzsektor, da für die reale Produktion zu wenig Massenkaufkraft vorhanden war. Für 2020 gingen Wissenschaft und Medien schon vor dem Ausbruch der Pandemie von einem scharfen Einbruch des BIP aus, zu dessen Wiederaufrüstung tiefgreifende Maßnahmen zu ergreifen wären.“

„Die strategischen Institutionen des Kapitals deuteten den drohenden Absturz mithin schon weit früher, als die Lockdowns in der Pandemie dann die Legitimation für ihre Krisenpolitik lieferte. Die Pandemie war nicht die Ursache, aber sie war einmal der Brandbeschleuniger der Krise, zum anderen liefert sie das Alibi der Regimes für das wirtschaftspolitische Versagen und für die Ächtung des Protests als asozial und dumm. Drittens verschaffte sie den Maßnahmen, die BlackRock federführend für die US-Regierung und die ganze G7-Finanzpolitik dirigierte, die nötige Legitimation.“

„Nicht Bill Gates hat das Virus freigesetzt, der Kapitalismus als Struktur bildet den Kontext des biopolitischen Notstands. …
steckt nicht Bill Gates als Milliardär-Instanz in der Wurzel des Übels, sondern das kapitalistische System, das den Kontext für die Entstehung der Pandemie wie für das Versagen der privaten und der Gesundheitseinrichtungen liefert.“

„Zu den Aufgaben der Linken gehört im selben Atemzug, der Propaganda grüner und sozialdemokratischer Politiker entgegenzutreten, die die Verantwortung der kapitalistischen Profitwirtschaft hinter virologischen und volkswirtschaftlichen Wissenschaftsmysterien verschwinden lassen wollen.“

Schuhler zitiert ua Naomi Klein mit dem Katastrophenkapitalismus“, auch Teilaspekte von Fabio Vighi werden referiert. Es ist jedoch, im Unterschied zu Vighi, nicht vom unvermeidlichen Ende, oder Zusammenbruch, des bisherigen neokapitalistischen Akkumulationsmodells die Rede und dem unter diesen Bedingungen möglichen Fortgang der Weltgeschichte.

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