Trauerrede für Peter Dreller am 1.3.17 von seiner Kollegin Barbara Huber

Trauerrede von Barbara Huber für ihren Kollegen Peter Dreller am 1.3.2017

Liebe Steffi, lieber Wolfgang, lieber Torsten,
liebe Kollegen von der ERS, der Mitropa und der Gewerkschaft EVG,
liebe Trauergemeinde,

es ist mir eine große Ehre, dass ich, mein Name ist Barbara, hier ein paar Worte über unseren langjährigen, sehr angesehenen und beliebten Kollegen bei der Bahn sagen darf.
Ich denke, das ist treffend, Peter Dreller war ein großartiger Arbeiterführer und Menschenfreund.

Ich selbst habe mich Peter eigentlich erst nach seiner sogenannt aktiven beruflichen Zeit stärker angenähert: so vor 10 oder 12 Jahren, denn Peter war Mitglied in unserer kleinen virulenten Gruppe der Nacht- und Autozugverteidiger.

Als ich am Donnerstag der vorletzten Woche eine mail erhielt, in der ich von Peters Tod benachrichtigt wurde, konnte ich es nicht glauben ….. Peter soll gestorben sein?

Noch wenige Tage vor seinem Tod saßen Peter und wir – WIE IMMER – in unserer Gruppe der Nachtzugverteidiger zusammen, so wie wir es seit den Streichungen unserer beliebten Züge sehr oft getan hatten und haben Aktionspläne geschmiedet.

Peter, wie immer pünktlich, wie immer bestens vorbereitet, gut gelaunt, die ausgedruckte Tagesordnung dabei und – WIE IMMER – eine Aktionsidee, viel Kampfgeist UND – das war er auch – Rubbellose im Gepäck! Rubbellose, das war so seine kleine lustige Spezialität, mit der er unseren manchmal ganz schön verbissenen Haufen aufzumuntern verstand! Und hinterher schön in die Zinnschmelze, wo wir, das ist so eine schlechte Angewohnheit der Schlafwagenschaffnerkaste, noch spät in der Nacht aßen und zusammen mit Peter Weizenbiere tranken.
Auf unserer Sitzung war Peter auch heute derjenige, der für echte öffentlichkeitswirksame Aktionen plädierte. Die Aktion, die Tat war das, was für ihn zählte. Ruhestand ? kam weder in seinem Vokabular noch in seinem Leben vor:

Peters letzte öffentliche Aktion fand im Dezember bei Ankunft des letzten Citynightline statt: „Denken sie positiv, denn Nachtdienst schadet ihrer Gesundheit, jetzt können sie in Ruhe regenerieren“ so parodierte er den Bahnchef Grube in seiner Rede an die Kolleginnen und Kollegen. Mit seiner „Satire für alle“ demonstrierte Peter, das war seine Idee, gegen die offizielle Bahnpolitik, für die die Interessen der Gäste bloß überflüssige Kostenfaktoren sind.

Und Peter war es auch bei dieser Aktion piepegal, dass nur wenige die Traute hatten, mitzumachen und dass leider gar keine Presse gekommen war.
Der Versuch wars, der zählte!

Aber wenn uns Kollegen belächelten oder den Sinn unserer Aktionen bezweifelten, dem entgegnete er lange Zeit mit diesem Aphorismus:
„Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen“
Nehmt Eure Sache in eigene Hand und werdet aktiv! Sonst seid ihr selber schuld, wenn die Sache in die Grütze geht.

Peter war Mutmacher, unverbesserlicher Optimist, der nie und nimmer vor irgendetwas kapituliert hätte. Wann immer sich Untergangsstimmung ausbreiten wollte, zum Beispiel, weil die Bahnpolitik ganz hoffnungslos gegen uns sprach. Peter betonte dann unsere Erfolge: Er sagte:
„Was wir kleine, aber feine Gruppe alles erreicht haben, – einfach phänomenal!“.

Das soll nun aber nicht der Werbeblock für unsere Gruppe gewesen sein. Ich meine, dass sich darin Peters Intention in ganz typischerweise zeigte:
Peter riss andere mit seiner Begeisterung mit und selbst in noch so hoffnungsloser Lage, in einer noch so kleinen Gruppe, machte er weiter!

Peter, danke, Dein Optimismus war ein echtes Geschenk!

Ich habe vorhin gesagt: Peter war ein Arbeiterführer. Ja, das war er:
auch äußerlich war seine Laufbahn die eines klassischen Betriebsrats und Gewerkschafters. Schon während seine Ausbildung bei der Bahn in den 70igern – er schlug die Beamtenlaufbahn ein – war er Jugendvertreter und aktives Mitglied bei der Gewerkschaft geworden. Akademie der Arbeit, Hochschule für Wirtschaft und Politik.
In seiner aktiven Zeit bei der Bahn, bei der Mitropa und zuletzt bei der ERS hatte er alle wichtigen Ämter inne, mit denen man Einfluß nehmen kann:
Betriebsratsvorsitzender, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, Tarifkommissions-vorsitzender
Peter war kommunikationsstark, konnte pointiert die Sache auf den Punkt bringen, ein Stratege und Diplomat, er schmiedete Bündnisse und war dabei fleißig wie eine Biene, er kannte sich in Gesetzen und Tarifverträgen aus, wie kein anderer.

Aber Peter war deshalb kein Aparatschik:
den Kungeleien der Gewerkschaftsbosse trat er entgegen: zum Beispiel bei „Bahn von unten“.
Und vor allem: Peter hat nie – wie etwa der Ex-Gewerkschaftsvorsitzende Norbert Hansen – die Seiten gewechselt.

Peter war einfach nicht korrumpierbar. Ich weiß nicht, ob Peter als einflussreicher Betriebsrat jemals ein verführerisches Angebot der AG-Seite erhalten hat.
Ich glaube es nicht!

Wie hat Peter das gemacht? Was war sein Geheimnis?

Festzustellen ist, Peter war ein Betriebsrat, der einfach VON ALLEN anerkannt wurde!

Ich glaube, das lag schlicht daran, dass Peter einfach für jede und jeden ein gutes und freundliches Wort hatte.
Peter war einfach ein Menschenfreund.

Und mehr noch: Wenn man was vergeigt hatte, der Testkäufer hatte Dich erwischt, man konnte sich sicher sein: Dem Peter konnte man vertrauen, ihm alles beichten. „Sei ganz ruhig!“ sagte Peter und dann wirbelte er los: Peter legte alles daran, um einen da raus zu hauen!

Wenn Peter da war, wußte man einfach: „Alles wird gut!“

Gibt es bessere Erlebnisse oder größere Geschenke unter Menschen, wie die, einem anderen Menschen in höchster Not sich anvertrauen und vertrauen zu können?

Peter hat uns diese Geschenke gemacht!

Ja, und vielleicht lag darin auch das Geheimnis, wie Peter es geschafft hat, ansonsten eher ängstliche Kolleginnen und Kollegen zu einem gemeinsamen Akt der Solidarität zu bewegen:
Unvergessen die legendäre Aktion auf einer Betriebsversammlung der Mitropa, in der Peter als Betriebsratsvorsitzender die ganze Belegschaft dazu gebracht hat, kollektiv zu schweigen!
Der Geschäftsführer erzählte irgendeine Sauerei und NIEMAND, WIRKLICH NIEMAND lachte, fragte oder sagte etwas.
Man schwieg den Geschäftsführer kollektiv an und demonstrierte damit kollektiv die Mißachtung der geplanten Sauereien.

Peter, Du hattest einfach ein großes menschliches Herz und eine große Wärme ging von Dir aus. Und dafür bin ich dankbar, dass ich Dich erleben durfte.

Nun müssen wir ohne Deinen Optimismus und ohne Deinen Humor klar kommen.
Wir müssen ohne Deine Geradlinigkeit weiterleben.
Du kannst uns nicht mehr beraten und bei unseren Aktionen dabei sein.

Aber dennoch: Peter, eines ist klar:
wir machen weiter.
So wie Du es gesagt hast: „Aufgeben kannst Du bei der Post!“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*