Ungewöhnlich: Gefängnisstrafe für französische Manager

Sie trieben durch Mobbing mindestens 18 Mitarbeiter in den Selbstmord!

Sogar im deutschen Fernsehen war am 21.12.2019 diese ungewöhnliche Nachricht zu vernehmen: Manager von France Telecom wurden zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, davon sind vier Monate tatsächlich abzusitzen. Sie waren angeklagt, mindestens 18 Mitarbeiter in den Selbstmord getrieben zu haben und 13 zum Selbstmordversuch. Gewerkschaften listen sogar über 60 Suizide auf!

In Deutschland ist mobbing, Fertigmachen, Union Busting immer noch ein kaum beachtetes Thema, auch in den DGB-Gewerkschaften. Es bedurfte vor neun Jahren der Recherche von Werner Rügemer und Elmar Wigand zu Union Busting in den USA und den Nachweis, daß es Ähnliches auch in Deutschland gibt, mit einer hohen Zahl an Arbeitsrechts-Anwaltskanzleien, die sich auf Mobbing, Fertigmachen, Union Busting spezialisiert haben und ihre Dienste nicht nur im legalen sondern auch im halb- und illegalen Bereich anbieten.

Das dazu von Rügemer/Wigand veröffentlichte Buch heißt: Die Fertigmacher.
http://www.trend.infopartisan.net/trd1214/t311214.html

In Spiegel-online lasen wir am 20.12.2019 zum Gerichtsurteil in Frankreich folgenden Artikel:
Selbstmordserie vor zehn Jahren Gericht verurteilt Ex-Chef von France Télécom zu Gefängnisstrafe

Vor zehn Jahren erschütterte eine Suizidserie von Mitarbeitern des Staatsunternehmens ganz Frankreich. Nun wurde die damalige Konzernspitze wegen „institutionellen psychischen Mobbings“ schuldig gesprochen.
https://www.spiegel.de/karriere/france-telecom-haftstrafe-fuer-manager-nach-selbstmorden-von-mitarbeiter-a-1302288.html

Wer diese Meldung gelesen hat, fragt sich: telecom france ist eine Firma in Frankreich. Wieviel Beschäftigte haben Manager in den anderen Firmen in Frankreich in den Suizid getrieben? Und wieviel Selbstmorde und Selbstmordversuche aufgrund vom mobbing seitens der Geschäftsleitung, von Fertigmachen durch die Geschäftsleitung oder Fertigmacher-Kanzleien gibt es in Deutschland?

Den Kreis „GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher“, initiiert von Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg, gibt es seit fünf Jahren. In unserer Praxis haben wir vom Fertigmachen (durch Geschäftsführungen oder Anwaltskanzleien) Betroffene erlebt, die zu Opfern wurden. Und gesundheitlich am Ende waren. Nach der Bespitzelung – auch ihrer Familien – durch Privatdetektive, hörten wird das Eingeständnis eines Kollegen (BR-Vors.): „Ich war kurz davor, Schluß zu machen, ich wollte meine Familie schützen. Diese Meldung über die Praxis des mobbings/Fertigmachens der Chefs von France Telecom überrascht uns deswegen in keiner Weise!! Es ist eine Seite im Kapitalismus, die nicht gern wahrgenommen wird, ausgeklammert wird, obwohl die Fälle Fertigmachen/Union Busting zunehmen, ob in Klein- oder Großbetrieben!

Das Schlimme in der Situation ist, daß die DGB-Gewerkschaften politisch völlig versagen. Wenn vom Fertigmachen/Mobbing/Union Busting Betroffene sich an ihrer Gewerkschaften wenden, haben sie Glück, wenn ihr Gewerkschaftssekretär sich ihrer empathisch annimmt und nicht abwimmelt mit dem Hinweis auf den Rechtsschutz. Nötig wäre, daß die Führungen der DGB-Gewerkschaften den Fehde-Handschuh des Kapitals aufnehmen und Zentralstellen schaffen, wo sich alle Betroffenen melden können. Diese „Fälle“ werden aufgelistet und mit Roß und Reiter (Namen der Firma mit handelnden Personen und evtl. beauftragter Anwaltskanzlei) veröffentlicht – und damit an den Pranger gestellt! Und es wird eine zentrale task-force eingerichtet mit fähigen und engagierten Hauptamtlichen, die den Betroffenen und GewerkschaftssekretärInnen zu Hilfe eilen. Wir von „GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher“ haben dazu auf einem workshop schon die „Hamburger Aufforderung“ verfaßt! (Wir wissen, daß die Realisierung nur durch massiven Druck von unten passieren kann. Indem die unheilige Allianz von DGB-Führungen mit dem Kapital, die Sozialpartnerschaft, zurückgedrängt wird zugunsten kämpferischer Tendenzen!)

Die Situation in den Betrieben ist sogar noch komplizierter, wie wir mehrfach erfahren haben: In vielen Betrieben sind Listen mit einer Mehrheit von Co-Management-Betriebsräten vertreten. Die zuständigen Gewerkschaftsfunktionäre (egal ob IGM- oder verdi-Betrieb) verhalten sich dann entweder neutral, sagen: Ich bin für beide „Fraktionen“ zuständig oder schlagen sich eindeutig auf die Seite der Co-Manager-Betriebsräte.

Die Reaktion der engagierten KollegInnen (Betriebsrätinnen), die nicht nur die Geschäftsleitung sondern auch die Co-Manager-Betriebsräte und die Gewerkschaftssekretäre gegen sich haben, ist dann die, daß sie sie in ihrer Not Hilfe außerhalb suchen. Sie googeln und stoßen auf workwatch (Köln), aktion./.arbeitsunrecht oder Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg. Aufgrund des politischen und praktischen Versagens (in den meisten Fällen!) kommt uns dann die Aufgabe einer Ersatzgewerkschaft zu. Ansprechpartner zu sein.

Wegen diese Gemengelage in den Betrieben haben wir uns nicht „GewerkschafterInnen gegen Union Busting“ genannt sondern „GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher“. Ziel von Geschäftsleitungen oder Anwaltskanzleien ist nicht prinzipiell das Union Busting – mit willfährigen Gewerkschaften und Betriebsräten arbeiten sie gern zusammen – sondern das Fertigmachen von engagierten und selbstbewußten MitarbeiterInnen/GewerkschafterInnen/BetriebsrätInnen.

Um bei beispielhafter Beschreibung zu bleiben: Oft duldet, wie bei Neupack Hamburg, einem kleinen Verpackungsbetrieb, der Eigentümer den Betriebsrat, wehrt sich aber mit Händen und Füßen gegen einen Tarifabschluß, also das „Eindringen“ der Gewerkschaft (hier NGG) in den Betrieb. (Und hat Erfolg damit, weil die IG BCE aufgrund ihrer Sozialpartnerschaftsideologie versagt.) Ähnlich bei Amazon: Die Wahl von Betriebsräten und die Aufstellung von vielen Listen wird sogar gefördert aber ein Tarifvertrag und das „Eindringen“ der Gewerkschaft (hier verdi) soll verhindert werden. Sowohl bei Neupack als auch bei Amazon (speziell Amazon Bad Hersfeld) konnten wir vom Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg beides konstatieren: Union Busting und Fertigmachen. Der Begriff Union Busting sollte gezielt gebraucht werden. Nicht jeder übernommene US-Ausdruck trifft auf BRD-Verhältnisse zu!

(DW)

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